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Fußball-WM 2010: Guttenberg hüpft vor Freude in Dschibuti

Ein ungewöhnlicher Ort zum Fußballschauen: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verfolgte das WM-Spiel Deutschland gegen Ghana im Hangar eines Kriegsschiffes im ostafrikanischen Dschibuti. Die Reise nach Afrika war schon länger geplant.

Die einen schauen sich die WM am liebsten zu Hause auf der Couch an, andere gehen in die Kneipe oder zum "Public Viewing" vor die Großbildleinwand. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war am Mittwoch all das zu langweilig. Am Tag des entscheidenden Gruppenspiels der deutschen Mannschaft gegen Ghana brach er Richtung Südafrika auf, landete auf halber Strecke im ostafrikanischen Dschibuti und versammelte sich abends mit 120 Soldaten im Hangar eines Kriegsschiffes, um 90 Minuten lang gebannt auf eine Stahlwand zu starren, über die eine englisch kommentierte Übertragung der Partie im wahrsten Sinne des Wortes flimmerte.

Guttenberg hatte seine erste Reise ans Horn von Afrika, wo die Bundeswehr seit Jahren gegen Terrorismus und Piraterie im Einsatz ist, schon seit längerem für den Juni geplant. Wegen des Deutschlandspiels verschob er sie allerdings kurzfristig um 24 Stunden nach hinten.

Draußen sind es noch weit über 30 Grad, als sich der Hangar der Fregatte "Schleswig-Holstein" langsam mit uniformierten Fußballfans füllt. Für das leibliche Wohl gibt es "kleine saure Zipfel" - eine fränkische Spezialität -, Wiener Würstchen in Blätterteig und jede Menge Bier.

Um die Stimmung etwas aufzulockern, hat Guttenberg ein Geschenk von der Nationalmannschaft mitgebracht. "Hauptgefreiter Küppers, vortreten", befiehlt er scherzhaft, um dem jungen Soldaten ein Trikot mit allen Unterschriften der Nationalelf zu übergeben. Überstreifen will der es aber nicht. Überhaupt hat kaum jemand seine Uniform abgelegt - vielleicht weil der Minister da ist. Nur ein einziger Soldat erscheint im Deutschlandtrikot.

Übertragen wird das Spiel vom Sportkanal des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira. Die Karte für den Decoder gelangte auf abenteuerliche Weise über Dresden, Teheran und Wilhelmshaven nach Dschibuti. Erst kurz vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft wurde sie von einem französischen Flieger über der Fregatte abgeworfen. Ganz ohne Störungen läuft die Übertragung aber nicht ab. "Das ist Einsatzrealität", sagt Fregattenkapitän Nils Brandt.

Stadionatmosphäre will in dem Hangar nicht so recht aufkommen. Erst nach 60 Minuten ändert sich das. Mesut Özil trifft und Guttenberg hüpft vor Freude, ballt die Fäuste, nimmt einen Soldaten in den Arm und prostet ihm zu. Vereinzelt gibt es jetzt auch Anfeuerungsrufe. An ein Scheitern glaubt niemand mehr.

Beim Abpfiff steht der Minister vorne in der ersten Reihe. 3:0 hat er vorher getippt, mit dem knappen Sieg ist er trotzdem zufrieden. Gegen England müsse man in der Abwehr noch "ein bisschen nachschärfen", fachsimpelt er. Es seien aber "alle Chancen gegeben". Zu guter Letzt muss sich Guttenberg noch die Frage gefallen lassen, ob die angeschlagene Bundesregierung auf der Erfolgswelle der Nationalmannschaft mitreiten könnte. "Es wäre doch vollkommen absurd, wenn Regierungsarbeit sich an Fußballergebnissen festmachen würde", antwortet er darauf.

M. Fischer, DPA / DPA