HOME

GTA-Bande in Russland: Autobahnmörder verbreiten Angst und Schrecken

Sie stoppen Autos und legen die Insassen eiskalt um. Eine Bande in Russland agiert wie die Gangster im Computerspiel "Grand Theft Auto". Über die Täter wird wild spekuliert: Sind Islamisten am Werk?

Die Taten der kriminellen Bande erinnern an das Computerspiel "Grand Theft Auto" (GTA), das für seine Gewaltdarstellungen stark kritisiert wurde

Die Taten der kriminellen Bande erinnern an das Computerspiel "Grand Theft Auto" (GTA), das für seine Gewaltdarstellungen stark kritisiert wurde

Das Vorgehen ist immer das Gleiche: Die Bande legt nachts Metallkrallen auf die Fahrbahn, die die Autoreifen aufschlitzen. Sobald ein Auto mit platten Reifen liegen bleibt, erschießt die Gang die Insassen und verschwindet wieder. 15 Menschen wurden in den vergangenen Monaten vermutlich auf diese Weise auf den Autobahnen nahe Moskau getötet. Zu den Opfern zählten ein Polizist, ein leitender Bankangestellter und ein Tänzer einer bekannten Volkstanzgruppe. Die russischen Medien sprechen von der GTA-Bande, weil die Taten an das brutale Computerspiel "Grand Theft Auto" erinnern, bei dem die Spieler fürs Töten belohnt werden.

Die Verbrechen geben der Polizei Rätsel auf, inzwischen ermittelt auch der Geheimdienst FSB. Der russische Präsident Wladimir Putin spricht von einem Verbrechen "terroristischer Natur". In der vergangenen Woche wurden einige mutmaßliche Bandenmitglieder festgenommen und einer ihrer Anführer getötet.

Die Behörden hüllen sich zumeist in Schweigen, was unterschiedlichsten Theorien über die Hintergründe der Verbrechen Nahrung gibt. Eine bringt die Bande in Verbindung mit der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Demnach seien die Autobahnmorde eine Vorübung für den Einsatz der Islamisten im Nahen Osten. Die Gang nenne sich "dschaamat", also "Gruppe" auf Arabisch. Und sie sei auf der Jagd nach "Ungläubigen", schreibt die Regierungszeitung "Rossiiskaja Gaseta". Sie morde "nicht des Geldes wegen".

Gerüchte liefern Stoff für Propaganda

Wladimir Schirinowski, der Anführer der ultranationalistischen Liberaldemomkratischen Partei, sieht wiederum Ukrainer am Werk. "Das ist das Werk professioneller subversiver Elemente aus der Ukraine, die sich an uns rächen wollen", sagt er.

"Ukrainer, Islamisten - das sind sensationsheischende Spuren, die sich so leicht für Propagandazwecke gebrauchen lassen", kommentiert Andrej Soldatow diese Theorien. Soldatow ist der Gründer einer Website, die Sicherheitsorganen auf die Finger schaut.

Lange verweigerte das Ermittlungskomitee, das direkt an Putin berichtet, jegliche Stellungnahme. Nach den Festnahmen gab es nun eine erste Erklärung ab. Demnach handelt die Bande aus Profitgier: "Die Gangmitglieder stehlen das Geld ihrer Opfer", heißt es in der Erklärung. "Die Hypothese, dass die Bande das Computerspiel GTA nachahme, wurde nicht belegt."

Angaben der Behörden sind widersprüchlich

Nach Angaben der Ermittler mietete einer der Anführer ein Haus von einem wichtigen Mitarbeiter im Büro des Generalstaatsanwaltes. Dort sollen große Mengen Waffen und Munition gelagert worden sein.

Viele Beobachter vermuten, dass die Behörden die Falschen festgenommen haben oder nicht die ganze Wahrheit sagen. Die Erklärungen der Ermittler seien verwirrend, sagt der Journalist Sergej Kanew, der für die oppositionelle Zeitung "Nowaja Gaseta" über die Bande berichtet. "Zunächst hatte es geheißen, die Banditen hätten das Hab und Gut der Opfer liegen gelassen", sagt der Reporter. Dies spreche gegen Profitgier als Motiv. "Ich glaube, dass die GTA-Bande immer noch frei herumläuft. Leute, seid wachsam!"

lie/Laetitia Peron, Anna Smolchenko/DPA / DPA