HOME

Havariertes Kreuzfahrtschiff: "Costa Concordia" verunglückte mit defekter Blackbox

Navigationsgeräte, Sicherheitstüren, Blackbox: Laut einem Zeitungsbericht waren mehrere Instrumente des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concoria" defekt oder wurden falsch bedient. Die Ermittler können die Unglücksnacht kaum nachvollziehen.

An Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" waren einem Zeitungsbericht zufolge sowohl die Blackbox als auch mehrere Navigationsinstrumente defekt. Außerdem hätten Sicherheitstüren, die eigentlich geschlossen sein müssen, offen gestanden, berichtete am Dienstag die italienische Zeitung "Corriere della Sera". Die Blackbox sei bereits seit dem 9. Januar und damit vier Tage vor dem Unglück mit mindestens 30 Todesopfern defekt gewesen. Deshalb könnten die Ermittler das genaue Geschehen in der Unglücksnacht nicht komplett nachvollziehen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Ermittler.

Die Zeitung verwies auf die international geltenden Schifffahrtsregeln, wonach Schiffe nur mit komplett funktionierenden Geräten fahren dürfen. Neben der Blackbox seien mehrere Instrumente defekt gewesen, es habe zudem keine offiziell genehmigten Karten an Bord gegeben. Zu den offenen Sicherheitstüren zitierte "Corriere della Sera" aus den Ermittlungsakten die Aussage eines Schiffsoffiziers, wonach dies "allgemeine Praxis war, um dem Personal die Wege an Bord zu erleichtern".

Fraglich, ob Blackbox tatsächlich vollkommen defekt war

Zur Blackbox berichtet die Zeitung, der technische Direktor Pierfrancesco Ferro habe sich vor dem Unfall in einer E-Mail darüber beklagt, dass das Instrument nicht funktioniere. Die Mail liege der Untersuchungsbehörde in der toskanischen Stadt Grosseto seit April vor. Die Reederei bestreite eine Fehlfunktion. Es habe eine Fehlermeldung gegeben, aber "das bedeutet absolut nicht, dass das Gerät nicht funktioniert hat". Die Black-Box sammelt technische Daten des Schiffes und Informationen zur Fahrtroute.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar vor der Insel Giglio im Westen Italiens auf Grund gelaufen, leck geschlagen und gekentert. Bei dem Unglück kamen 30 Menschen ums Leben, darunter zwölf Deutsche. Zwei Menschen werden immer noch vermisst. Grund für das Unglück war vermutlich ein Fehler des Kapitäns, der zu nah an die Insel herangefahren war.

lin/AFP/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel