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Germanwings-Absturz: Behörden stellen Suche nach Opfern ein

Ermittler sammeln weiter Details zu Ursache und Ablauf. Vieles untermauert die These, dass Copilot Andreas Lubitz die Maschine gezielt zum Absturz brachte. Die Suche nach Leichen wurde eingestellt.

Rettungsfahrzeuge stehen an einem notgelandeten Airbus der Fluggesellschaft Germanwings auf dem Flughafen in Stuttgart. Ein technischer Fehler hat die Maschine zur Notlandung gezwungen.

Rettungsfahrzeuge stehen an einem notgelandeten Airbus der Fluggesellschaft Germanwings auf dem Flughafen in Stuttgart. Ein technischer Fehler hat die Maschine zur Notlandung gezwungen.

Die Ermittlungen um den Germanwings-Absturz untermauern zunehmend den Verdacht gegen den Copiloten des Fluges 4U9525. Daten des zweiten Flugschreibers zeigen, dass der 27-Jährige die Maschine beim eingeleiteten Sinkflug sogar beschleunigte, wie am Freitag die französische Untersuchungsbehörde Bea mitteilte. Flugunfall-Experten kündigten weitere Analysen der Blackbox an. An der Unglücksstelle in Frankreich gehen auch am Osterwochenende die Bergungsarbeiten weiter.

Die Ereignisse des Tages in der stern-Chronik.

+++ 19.14 Uhr: Behörden stellen Suche nach Opfern ein +++

Die Ermittler stellen die Suche nach Opfern des Absturzes ein. Die Suche nach persönlichen Habseligkeiten der 150 Toten gehe jedoch weiter, sagt ein Sprecher der örtlichen Behörden. Die Ermittler haben an der Absturzstelle 150 DNS-Sätze gesichert, mit deren Hilfe die Identifizierung aller Opfer in den kommenden Wochen gelingen soll.

Durch den heftigen Aufprall in den französischen Alpen war das Flugzeug mitsamt der Insassen pulverisiert worden.

+++ 18.31 Uhr: Angehörige der Opfer versammeln sich an Absturzort +++

Angehörige der Opfer der Germanwings-Tragödie versammeln sich zu einer Gedenkfeier am Absturzort. 48 Familienmitglieder und Freunde der 150 Insassen, die bei dem Absturz am 24. März in den französischen Alpen ums Leben kamen, reisten zum Dorf Le Vernet, um an einem Denkmal nahe der Absturzstelle der Toten zu gedenken. In dem Dorf wurden sie von Vertretern der Lufthansa-Tochter in einem Hotel empfangen, wie die Präfektur Alpes-de-Haute-Provence mitteilt.

+++ 15 Uhr: "Ausweitung psychiatrischer Untersuchungen sinnlos" +++

Der Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Ulrich Hegerl, lehnt eine Ausweitung der psychiatrischen Untersuchungen für Piloten ab. "Einen Laborwert für Depression oder Suizidgefährdung gibt es leider bisher nicht", sagt er dem Magazin "Der Spiegel". Zwar gingen zahlreiche Suizide auf Depressionen zurück. "Völlig untypisch ist allerdings, dass ein depressiv Erkrankter eine große Zahl anderer Menschen mit in den Tod reißt.

+++ 12.49 Uhr: Ölverlust führte zur außerplanmäßigen Landung +++

Ein Germanwings-Airbus mit 123 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord habe sich auf dem Flug von Köln nach Venedig befunden, als ein Ölverlust angezeigt worden sei, teilt die Lufthansa-Tochter mit. Aus Sicherheitsgründen hätten die Piloten des Fluges 4U813 ein Triebwerk abgeschaltet und sich für eine Ausweichlandung in Stuttgart entschieden. Die Passagiere hätten das Flugzeug auf normalem Weg verlassen und würden mit einem Ersatzflugzeug weiterbefördert.

Bei dem Airbus mit der Kennung D-AGWF handelt es sich um einen Airbus A319, der im Juni 2007 in Dienst gestellt wurde. Die Maschine war am Samstagmorgen um 8.13 Uhr vom Flughafen Köln-Bonn gestartet.

Es habe sich um eine Standard-Sicherheitsprozedur und nicht um eine Notlandung gehandelt, betont die Airline. Bei dem Flughafen lautet die Wortwahl anders: "Es war eine Notlandung", sagt der Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens, Georg Fundel.

+++11.40 Uhr: Germanwings-Maschine muss notlanden +++

Ein technischer Fehler hat einen Airbus der Fluggesellschaft Germanwings zur Notlandung am Stuttgarter Flughafen gezwungen. Verletzt wurde niemand, wie der Geschäftsführer des Airports, Georg Fundel, mitteilt. Flug 4U 814 war kurz vor 10 Uhr in Köln in Richtung Venedig gestartet. Am Stuttgarter Flughafen wurde gegen 11 Uhr wegen eines noch unbekannten Defekts am Airbus 319 eine sogenannte Luftnotlage ausgelöst. Die Maschine landete laut Fundel gegen 11.10 Uhr. Wie viele Passagiere und Besatzungsmitglieder sich an Bord befunden haben, konnte Fundel zunächst nicht mitteilen.

Die Maschine werde nun von Spezialisten untersucht. Die Passagiere seien noch am Flughafen Stuttgart. Wann und wie sie ihre Reise fortsetzen, war nicht bekannt. "Sie können selbst entscheiden, ob sie ihre Reise fortsetzen oder zurück nach Köln wollen", sagt Fundel.

+++ 11.27 Uhr: Angehörige trauern wieder an Absturzstelle +++

Mit Beginn des Osterwochenendes kommen auch wieder vermehrt Angehörige der Getöteten nach Seyne-les-Alpes in der Absturzregion, wie der französische Sender BFMTV berichtet. An der Gedenkstätte in Le Vernet nahe dem Absturzort sind Trauernde zu sehen. Die Angehörigen werden wie auch in den vergangenen Tagen seit dem Absturz am 24. März von der Polizei abgeschirmt.

+++10 Uhr: Blackbox wird weiter ausgewertet +++

Fachleute der Luftfahrtbranche wollen nach Ostern beraten, ob die Technik der Cockpittür geändert werden soll. Auch die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen wird debattiert, weil die Passagierlisten derzeit nicht genau genug sind. Unterdessen werden in Paris werden die Daten der zweiten Blackbox weiter ausgewertet.

4 Uhr: Loveparade-Selbsthilfe solidarisiert sich mit Hinterbliebenen +++

Die Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes sollen nach Ansicht eines Betroffenen der Loveparade-Katastrophe eng zusammenrücken. "Wichtig ist, dass sie viel zusammen sind und sich organisieren", sagt Jürgen Hagemann von der Duisburger Loveparade-Selbsthilfe. "Die Angehörigen sollten sich auf jeden Fall an spezialisierte Anwälte wenden. Und sie sollten sich über ihre Erfahrungen austauschen. Einer alleine ist in der Phase, in der man emotional angeschlagen ist, verloren."

Irgendwann gerate das Ereignis trotz des großen öffentlichen Interesses zurzeit in Vergessenheit und die Hilfe werde auch weniger. "Dann trifft sie die volle Härte des Systems." Hagemann hat eine Tochter, die 2010 bei der Loveparade verletzt wurde.

Es komme dann zu Auseinandersetzungen mit Versicherungen, sagt Hagemann. Sätze wie "Du willst doch am Tod deines Kindes nicht Geld verdienen wollen" habe es schon von Versicherungen gegeben, sagt Hagemann. "Darauf muss man vorbereitet sein. Die Versicherungen bieten Geld an, verbunden mit Verzichtserklärungen."

Bei der Loveparade im Sommer 2010 wurden mehr als 500 Menschen verletzt, 21 starben. Eine Entscheidung, ob und wann der Strafprozess beginnt, steht noch aus.

+++ Geschehnisse des Vortages +++

Hier finden Sie die Geschehnisse des Vortages zum Nachlesen.

jen/ivi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters