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J. Engelmann: "Jede Woche, Baby!": Worum es eigentlich geht

Die Ablenkungen im Alltag sind so groß, dass wir das Wesentliche oft aus dem Blick verlieren. Doch Julia Engelmann versucht sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, was wichtig ist.

In einem Schaufenster mit einem großen roten "Sale"-Plakat spiegeln sich vorbeieilende Passanten mit Einkaufstüten.

Der Sommerschlussverkauf bringt vielen neue Besitztümer. Aber sind die wesentlich?

Ich vergesse viel zu oft, worum es eigentlich geht. Dabei denke ich immer wieder aufs Neue, dass ich quasi immun gegen das Vergessen bin. Denke, dass jeder immun dagegen ist, sobald ihm einmal klargeworden ist, worum es grob gehen könnte. Aber das stimmt wohl nicht.

Mit "worum es eigentlich geht" meine ich Werte und Prioritäten, vielleicht sogar insgeheim Sinn - aber Sinn ist immer so ein großes Wort, darüber zu schreiben will ich mir heute nicht anmaßen.

Ablenkung

Ich laufe jeden Tag durch die Welt und bilde mir dabei immer ein, zu wissen, worum es geht, zumindest für mich. Bilde mir ein, mich könnte nichts davon abbringen, daran festzuhalten, weil ich ja aktiv darüber nachdenke. Weil ich es ja auch gar nicht vergessen will. Warum passiert mir das trotzdem? 

Ich lasse mich ablenken!

Es geht so schnell, mich gegen meinen Willen verführen zu lassen, plötzlich Idealen hinterher zu träumen, die gar nicht wirklich meine sind. Dann werfe ich über Bord, was mir eben noch wichtig war und verpasse, bei mir zu bleiben. Dadurch finde ich mich in Situationen wieder, in denen ich glaube, dass es mir um ganz andere Dinge geht:

Zum Beispiel um Erfolg - das denke ich, wenn ich zum Beispiel einen Artikel über einem erfolgreichen Jungunternehmer aus dem Silicon Valley lese. Oder um Schönheit - das denke ich, wenn ich über die Instagram-Startseite scrolle. Oder sogar um Besitztümer - das denke ich vor allem, wenn ich durch die Innenstadt und vorbei an Geschäften gehe und sehe, was ich alles wollen und haben könnte.

Aber all das sind leere Werte, die niemals als Selbstzweck dienen können, weil an ihrem Ende nicht die Erfüllung sondern nur noch mehr Begehren steht. Erfolg, Schönheit, Besitz - nichts davon ist normalerweise in meiner persönlichen Bedürfnispyramide besonders präsent platziert. Aber manchmal glaube ich das trotzdem. Komischerweise genau dann, wenn ich sie zufällig nahe vor meinen Augen habe. Und nur dann würde ich auch auf die Idee kommen, dass sie das sind, worum es mir eigentlich geht.

Die Umwelt formt die Werte

Meine Werte scheinen also nicht im Geringsten immun gegen meine Umwelt zu sein - im Gegenteil. Sie werden ständig von ihr geformt. Auch, wenn ich selbst aktiv entscheiden kann, wo die Grenzen sind, kostet es ganz schön viel Konzentration, mich nicht zu sehr aus dem Konzept bringen zu lassen.

Das ist doch absurd. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Dann frage ich mich allerdings, wie und wieso so viel Ablenkung und so viele leere Ideale existieren und überleben können. Warum schaffen wir uns nicht eine gemeinsame Umwelt, die uns gar nicht erst von dem abbringt, was uns am Ende des Tages wichtig ist? Das macht mich nachdenklich.

Investitionen und Updates

Zu wissen worum es geht, das erfordert Pflege und Aufmerksamkeit. Das erfordert regelmäßige Investitionen und Updates. Das ist kein Zustand, das ist ein Prozess. Das ist wie mit all diesen Sachen: Zähneputzen, Muskeln trainieren, Aufräumen, Pflanzen gießen. Das sollte alles immer wieder gemacht werden, damit es zumindest so aussieht wie ein gleichbleibender Zustand.

Wenn ich eine Weile abgelenkt war, dann gibt es immer wieder existentielle Situationen, die mir in Erinnerung rufen, was mir wirklich, wirklich wichtig ist: Gesundheit, Familie, Leben. Situationen, in denen dann alles andere mehr als irrelevant wird: Erfolg, Schönheit und Besitztum.

Es geht nämlich eigentlich um uns. Es geht um dich und mich und darum, dass wir leben. Wir sind sogar gesund, wir sind in Sicherheit, wir haben alles, was wir brauchen und noch mehr. Es geht um Dankbarkeit und darum, jeden kostbaren Moment zu genießen. Es ist schön, dass es uns gibt.

Mein Soundtrack zum Text: "Waste" - Foster the People.

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(