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J. Engelmann: "Jeden Woche, Baby": Ich bin ein fast-veganes Neo-Öko-Smombie-Feministen-Y-Paradox

Analog oder doch schon digital? Julia Engelmann sagt von sich selbst, sie sei paradox und voller Widersprüche: "Ich bin eine lebende Dissonanz".

Frau mit Hund und Smartphone

Julia Engelmann: "Ich bin ein Smombie. Ich verurteile es, wenn jemand zu viel vor seinem Smartphone hängt, obwohl ich das auch mache."

Ich bin Digital Native, aber ich fühle mich nicht so, wenn ich dreijährige sehe, die mit einem Smartphone schneller und besser umgehen können als mit einem Flummi. Dann fühle ich mich wie ein "Digital-Intern" und finde das irgendwie unheimlich. Aber vielleicht ist das auch ein Oma-Instinkt und sie können ja nichts dafür.

Ich bin ein Smombie. Ich verurteile es, wenn jemand zu viel vor seinem Smartphone hängt, obwohl ich das auch mache. Viellicht muss ich akzeptieren, dass es eine größere Rolle in meinem Leben spielt, als ich mir eingestehen will. Immerhin ist es mein Kommunikations-, Organisations-, Entertainment- und Informationstool Nummer eins. Oder muss sich das ändern?

Ich bin Analog-Shopper, weil ich nicht den Bezug zu den Dingen verlieren will, ich will nicht, das Geschäfte aussterben, aber es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis ich Online-Shopper werde, weil alles immer verfügbar ist und von Zuhause kaufbar. Und ich finde es auch gruselig, dass ich Werbeanzeigen und Videovorschläge bekomme, die perfekt zu mir passen. Aber das blende ich aus, was soll ich auch machen? Auch ohne Internet ist die Frage nach dem eigenen Willen ja ein großes Fass.

Trending-Hashtags zum Frühstück

Ich gucke mir Trending-Hashtags zum Frühstück an statt in einer Tageszeitung zu blättern, aber ich mag analoge Bücher lieber als digitale.

Ich bin Teil der Generation Y, aber ich mag den Ausdruck nicht. Und y überhaupt? Ich finde, das 21. Jahrhundert müsste einfach "Zeitalter Y" heißen. Schließlich denken auch meine Eltern über Sinnfragen nach. Müssten Menschen nicht alle vielleicht "Homo Sapiens Sapiens Y" heißen?

Ich bin ein Neo-Öko. Ich bin umweltbewusst, theoretisch auf jeden Fall. Ich kaufe silikonfreies Shampoo, aber ich weiß gar nicht genau, warum. Ich versuche, öfter aus Glasflaschen zu trinken und verpackungsfrei einzukaufen, aber ich habe eigentlich weder Zeit noch Geld, nur Fair-Trade-Gegenstände und regionales Gemüse auf dem Biomarkt zu kaufen. Mein kleiner, grüner Basilikum steht draußen am Balkon - aber reicht das?

Ich bin auch Vegetarier, weil ich mal eine halbe Doku gesehen habe und dann noch live, wie Fische gefangen wurden. Außerdem hab ich gehört, das Fleisch 72 Stunden im Körper ist, bevor es verdaut werden kann. Ich wäre am liebsten vegan, aber das ist unterwegs zu schwer. Milchprodukte und Gluten und Zucker sind mir nicht mehr geheuer. Manchmal frage ich mich, ob das Überzeugung ist oder vor allem weil ich mit der Peergroup identifiziere. Ich lache übrigens trotzdem, wenn sich jemand über Ernährungstrends lustig macht, einerseits weil die Trendwelle rund um Essen Real-Satire ist, andererseits um nicht aufzufallen als jemand, der diese Trends tatsächlich ernst nimmt.

"Ich bin Post-Hipster"

Ich bin Minimalist, weil ich im Überfluss lebe und ein schlechtes Gewissen deswegen habe. Und ich muss ja auch nicht viel besitzen, weil ich Zugang zu allem habe: Musik, Wissen, Bücher, Transportmittel.

Ich bin denglisch. Ich weiß noch, wie sehr ich mich über alle Berliner "Nice"-Sager aufgeregt habe, aber ich sage es jetzt auch. Ich google englisch, ich lese englisch, und ich lache über Jimmy Fallons englischsprachige Witze.

Ich bin Post-Hipster. Das heißt, dass ich ein Hipster bin, aber meine Kleidung postkonventionell trage. Ich folge zwar dem Mainstream, aber ich reflektiere ihn kritisch und bilde mir ein, dadurch über den Dingen zu stehen, als ob das irgendetwas besser macht. Ich bin Hipster mit einem Augenzwinkern sozusagen,  weil es nicht cool genug ist, einfach nur etwas zu sein. Ich benutze das oft, dieses allgegenwärtige "Augenzwinkern" und es nervt mich, dass ich mich kaum noch ernsthaft zu etwas laut bekenne.

Ich bin Feministin, wenn das bedeutet, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Und ich bin stolz darauf, eine moderne, starke Frau zu sein. Vielleicht bin ich auch nur Pseudo-Feministin, einfach, weil ich es nicht besser weiß. Manchmal frage ich mich, ob die Männer sich aus dieser Debatte zu sehr ausgeschlossen fühlen.

Niemand kann jemals alles wissen

Ich bin vor allem eins: überwältigt von all den Dingen, die ich und mein Leben gleichzeitig sind und sein wollen. Ich bin paradox und voller Widersprüche. "Kognitive Dissonanz" ist laut Wikipedia ein "Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere (...) Wahrnehmungen, Gedanken, Einstellungen, Wünsche oder Absichten, die nicht miteinander vereinbar sind". Ich bin eine lebende Dissonanz.

Ich bin voller Halbwissen, aber ich beruhige mich damit, dass sowieso niemand jemals alles wissen kann. Vielleicht ist das faul, vielleicht aber auch eine notwendig Haltung. Wenn ich aktuell die Nachrichten ansehe und wenn ich über Antibiotika-Resistenzen nachdenken, dann frage ich mich, in was für einer Welt meine Kinder mal aufwachsen werden und welche Fragen sie sich stellen werden, welchen Problemen, sie sich widmen müssen.

Ich bin einzigartig, so einzigartig wie alle anderen auch, und dadurch vermutlich doch nicht. Ich bin vielleicht auch nur die salonfähige, minimal-dissonante Schnittmenge meiner Umwelt. Ich war letztens im Planetarium und da ist mir aufgefallen wie klein ich bin. Ich lebe seit 23 Jahren, aber die Milchstraße hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Y?

Mein Soundtrack zum Text: Sleater-Kinney – "Modern Girl"

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(