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J. Engelmann: "Jeden Tag, Baby": Lieber ein "Tschüss" als eine Phantomverabredung

Wie oft schlagen wir eine Verabredung vor und wissen im selben Augenblick, dass wir sie niemals einhalten werden? Zu oft, findet stern-Kolumnistin Julia Engelmann und sagt den Phantomverabredungen den Kampf an.

Viele Verabredungen, die wir treffen, bleiben Phantome, findet Julia Engelmann

Zu viele Verabredungen, die wir treffen, sind im Vornhinein Phantome, findet Julia Engelmann

Eine kurze, nette Begegnung, vielleicht ein Gespräch oder sogar ein gemeinsamer Kaffee. Dann der Abschied und einer sagt: "Lass unbedingt mal wieder was machen!“ und der andere sagt: "Ja! Voll!". Auf diese vielleicht zum Zeitpunkt des Aussprechens fast ernst gemeinten Aussagen folgt aber nicht unbedingt ein Treffen und oft sogar keins. Das ist kein ungünstiger Zufall, sondern ein häufiges Phänomen. 

Ich nenne das Phänomen Phantomverabredungen. Definition: Die Verabredung eines Treffens, das nicht stattfinden wird. Es geht dabei um die Geste des Verabredens und darum, eine gemeinsame Perspektive zu schaffen, die sich irgendwie gut anfühlt. Ein cleveres Konzept. Das Konzept funktioniert allerdings nur, wenn beide Parteien davon wissen. Einseitig kann es nämlich zu Enttäuschung und Verärgerung führen. Und ist es dann nicht schon längt eine schlechte Angewohnheit?

Wieso sagen Menschen überhaupt Dinge, die sie nicht meinen? Das ergibt doch keinen Sinn. Nicht, dass sonst alles Sinn ergibt, nicht mal ansatzweise. Aber in diesem Fall ergibt es wirklich wenig Sinn, weil am Ende immer jemand traurig ist.

Sehnsucht nach Zugehörigkeit

Es ist noch gar nicht lange her, dass mir das Phänomen überhaupt als solches aufgefallen und bewusst geworden ist. Alles hat damit angefangen, dass es mir selbst passiert ist, dass jemand anders mir ein Treffen versprochen hat, das nie stattfand. Erst habe ich das für Pech gehalten, dann fürchterlich persönlich genommen, und schließlich einfach für schlecht gehalten. Denn das ist es eigentlich: unverbindlich, unfair und unehrlich. Zum Schluss aber ist mir klargeworden, dass ich nicht besser bin. Ich habe auch schon gesagt "Lass mal treffen!" und es nicht ganz wirklich so gemeint oder eigentlich gewusst, dass ich es nicht schaffen würde.

Wie kommt es also dazu? Vielmehr: Wie komme ich also dazu? Aus meiner Sicht gibt es zwei Hauptgründe, die zu Phantomverabredungen führen: verlegene Höflichkeit und der Wunsch, jedem eine Freude zu machen und allem gerecht zu werden. Getrieben von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, nach Zustimmung und nach einer Welt ohne Ablehnung.

Man kann ja auch einfach "Tschüss" sagen

Und es ist ein bisschen Zugzwang. Schöne Sachen sollen schön bleiben. Wenn ich nicht zum Abschluss einer netten Begegnung sage: "Lass mal was machen!" und wenn mein Gegenüber nicht sagt "Ja! Voll!", dann wirkt es wie eine Absage, fast schon eine Beleidigung. Und einfach "Tschüss" sagen ist manchmal gar nicht so leicht. Es kostet so viel Kraft, sich zu verabschieden, sich sicher nicht wieder zu sehen, obwohl man sich doch irgendwie mag. Aber es ist wichtig, dass zu machen, es ist wichtig, Verabredungen nicht aus Höflichkeit zu vereinbaren.

Es gibt nur ein paar Fälle, die es rechtfertigen, dass Menschen etwas sagen, was sie nicht meinen. Die meisten Fälle stammen vielleicht aus der Kategorie "Feedback zu Essen oder Geschenken". Aber in der Kategorie "Gefühle aussprechen" und auch "Verabredungen tätigen" hilft die Wahrheit oft erheblich weiter.

Was Phantomverabredungen angeht: Ich halte sie für eine schlechte Angewohnheit. Denn stillschweigende Symmetrie in der Ansicht darüber, ob es sich grade um eine solche Verabredung handelt, ist unmöglich sicherzustellen. Das Problemrisiko ist viel zu groß. Ich in meinem Mikrokosmos möchte versuchen, mich entweder ernsthaft zu verabreden oder gar nicht. Statt "Lass mal was machen!" kann ich ja auch "Tschüss!" sagen oder einfach: "Es war schön, dich zu treffen!".

Mein Soundtrack zum Text: Björk "Human Behavior".
 

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(