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J. Engelmann: "Jeden Tag, Baby": Ich will nie wieder müde sein

"Ich bin müde" ist für stern-Kolumnistin Julia Engelmann fast schon eine Floskel. Deswegen fasst sie einen Entschluss.

Eine junge Frau reibt sich vor Müdigkeit das linke Auge

Diese ständige Müdigkeit ...

"Wie es mir geht? Ja, heute irgendwie schon wieder so müde!". Diesen Satz hab ich tatsächlich schon ziemlich oft und auf jeden Fall zu oft gesagt. Ein Satz, der aus meiner Sicht zur "Muss ja"-Familie gehört, die ja an sich schon so was wie die Adams-Family unter den Floskeln ist. Der Satz ist grenzwertig, aber eher auf der falschen Seite der Grenze. Wenn ich mir selber zuhöre, könnte ich den Eindruck bekommen, ich sei ein müder Mensch. Matt, matsche, kaputt - das bin ich alles irgendwie andauernd. Mehr jedenfalls als wach, fit, aktiv. Oder zumindest erwähne ich das tausendmal seltener. "Wie es mir geht? Ja, heute irgendwie schon wieder so wach!", said no one ever.

Müdigkeit, was ist das überhaupt? Wirkliche Müdigkeit ist das Resultat von wirklichem Schlafmangel. Heißt quasi: deutlich unter sieben Stunden Schlaf, oder jedenfalls weniger Schlaf als gewohnt. Aber ich bin auf jeden Fall öfter müde, als dass ich leichten Schlafmangel hab - und heftigen Schlafmangel habe ich nämlich eh fast nie. Und dieses Müdigkeitsding habe nicht nur ich, auch die Menschen um mich herum scheinen öfter müde zu sein, als dass ihnen ernsthaft Schlaf fehlt. Und damit drängen sich Fragen auf: Ist der Satz "Ich bin müde" vielleicht meistens gar nicht wahr? Ist das vielleicht meistens gar keine echte Müdigkeit, die ich oder die Menschen um mich herum fühlen? Und falls es so ist: Was ist das, was wir da fühlen und ausdrücken und woher kommt das?

Phantommüdigkeit

Um die erste Frage zu beantworten: Was mich selbst betrifft, so ist der Satz vielleicht oft gar nicht wirklich wahr. Ich würde mich als pseudo- oder phantommüde bezeichnen. Woher das kommt, weiß ich nicht. Vielleicht habe ich mir angewöhnt, mittlere Wachheit schnell für Mattheit zu halten. Vielleicht verwechsle ich das mit anderen Gefühlen. Vielleicht führe ich einen Lebensstil, in dem Bildschirme und subjektiver Stress zu oft vorkommen, vielleicht ist das nur er Wunsch nach Ruhe und Einfachheit, den ich fühle. Der Wunsch danach, nicht zu viele Dinge gleichzeitig zu tun, mich nicht gehetzt zu fühlen. Ja, vielleicht ist das Empfinden von Phantommüdigkeit ein Hinweis, meine Wachheit zu erkennen und an etwas anderem zu arbeiten.

Und abgesehen davon, sind Jammern und negative Zustände aussprechen ("Ich bin voll satt", "Ich bin voll hungrig", "Alles ist doof") offensichtlich verbindende Aktivitäten. Aber selbst, wenn diese Zustände wahr sind, erscheinen sie mir oft wie recht sinnlose Gesprächsbeiträge. Auf "Ich bin müde", folgt oft ein "Ich auch". Und dann ist man vordergründig vielleicht verbunden, in Wahrheit aber vor allem wieder dort angekommen, wo man gefragt hatte, wie es denn geht. Auch, wenn "Wie geht’s dir"-Fragen nicht immer ausführliche Psychogramm-Monologe des Gegenübers wünschen, sondern eine kurze Höflichkeit sind, gibt es wirklich bessere Antworten als die eigene Müdigkeit.

Nie wieder müde

Ich will nie wieder sagen, dass ich müde bin, obwohl ich es gar nicht bin. Und sollte ich latent müde sein, werde ich es nicht jedem auf die Nase binden, sondern selbst und pro-aktiv damit umgehen: Ich werde einen Kaffee, Tee oder ein kaltes Glas Wasser trinken, ich werde einen Sonnengruß machen, ich werde an die frische Luft gehen oder einfach durchatmen und dem ganzen nicht zu viel Bedeutung beimessen (bei echtem Schlafmangel hilft natürlich nur Schlaf, aber das meine ich hier nicht). Und am allerliebsten will ich natürlich nie wieder müde sein.

Mein Soundtrack zum Text: "Asleep" - The Smiths

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(