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Kanzler-Urlaub: Adria-Feeling an der Leine

Dem Kanzler reicht's. Er bleibt zu Hause. Im Sommerurlaub tauscht der eingefleischte Niedersachse Gerhard Schröder den Adria-Strand gegen den heimischen Maschsee und italienische Olivenhaine gegen deutsche Eichen im Eilenriede-Park.

Eigentlich wollte der Kanzler mit seiner Familie Ende nächster Woche in das Haus seines Freundes Bruno Bruni in der Nähe des Badeorts Pesaro fahren. Nach den anti-deutschen Ausbrüchen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani und den Angriffen von Regierungschef Silvio Berlusconi auf den deutschen Europa-Abgeordneten Martin Schulz (SPD) im Straßburger Europaparlament in der vergangenen Woche sagte Schröder nun die Reise ab. "Ein Denkzettel kann den Italienern nicht schaden", meint Massimo Dall’Asta, Inhaber der Eisdiele "Venezia" am Steintor, wo Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf gerne einkehrt.

Landeshauptstadt mit italienischem Flair

Auch wenn Hannover allgemein eher als langweilig und provinziell gilt - italienisches Flair weht auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt. "Der Kanzler hat eine gute Entscheidung getroffen", meint Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) zufrieden. Er hat eine Menge Urlaubstipps für den daheim bleibenden Regierungschef parat: Zum Beispiel das Musical "Ein Sommernachtstraum", die Niki de Saint Phalle-Grotte in den Herrenhäuser Gärten und den Zoo direkt vor der Tür von Schröders Reihenhaus.

Die italienischen Gastronomen in Hannover reiben sich schon die Hände. "Wir könnten uns zusammentun und mit Musik, Tanz, Pizza und Pasta dem Kanzler einen gemütlichen Abend bereiten", scherzt Lello Ruggeri vom Restaurant "Da Lello". "Ich könnte ihm das italienische Kartenspiel "Schopa" beibringen - da kann er ordentlich Punkte sammeln."

Hoffen auf den prominenten Gast

Auch Hannovers Nobel-Italiener "Gallo Nero" im stillen Stadtteil Buchholz hofft auf den prominenten Gast - wie viele Kanzler-Freunde in der hannoverschen "Toskana-Fraktion". In dem stilvoll umgebauten alten Fachwerkhaus hatte das Ehepaar Schröder 1997 im engsten Freundes- und Familienkreis seine Hochzeit gefeiert.

Abkühlen kann sich Schröder statt an der Adria-Küste auch im Maschsee-Strandbad. "Wenn wir 35 Grad haben, ist es am Maschsee- Strand fast wie in Lido di Jesolo, und auch so bevölkert", meint ein Mitarbeiter des Sprengel Museums, das direkt neben dem See liegt. Beim Buffett auf den Booten der Maschsee-Flotte gab es bisher kaum italienische Spezialitäten. Für den Kanzler ist durchaus eine Extra- Wurst drin, versichert ein Sprecher: "Die Pizza und Pasta bei uns sind dann mindestens so lecker wie die in Italien."

Petra Albers und Monika Wendel / DPA