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DHDL Jugend forscht in der "Höhle der Löwen" – und Carsten Maschmeyer will der Lehrer sein

Wavewinder bei "DHDL"
Mit dem Wavewinder will Milko Grieger die Dauerwelle neu erfinden. 
© TVNOW / Bernd-Michael Maurer
Früchtepürees aus Ecuador und ein Hundehalsband, das gleichzeitig auch eine Leine sein kann: Die elfte DHDL-Folge explodierte nicht gerade vor bahnbrechenden Innovationen. Da machte auch eine Reise-App keine Ausnahme – zumindest aus Sicht der Generation Reisebüro.
von Mark Stöhr

Carsten Maschmeyer hat bekanntlich ein Faible für Tech-Nerds. Das Silicon Valley? Ist für ihn immer noch die Schaltzentrale für die digitale Rettung der Welt. In der neuen Folge von "Die Höhle der Löwen" war er dermaßen schockverliebt in ein junges Startup aus Osnabrück, dass er sämtliche unternehmerischen Prinzipien als Investor fahren ließ.

Die präsentierten Produkte:

Hilli Fruits – Bio-Fruchtpürees aus Ecuador

• Lambus – Reise-Plattform-App

• Sked – Selbstschärfender Messerblock

• Wavewinder – Dauerwelle-Tool für Friseure

• WowWow – Halsband mit integrierter Leine

Der härteste Poker

Wenn Programmierer pitchen. Zehn Minuten lang hatte Hans sich abgerackert und seine Reise-App Lambus vorgestellt, den Blick abwechselnd auf den Boden und an die Decke gerichtet. Doch Dagmar Wöhrl verstand nur Bahnhof. "Mir ist der Sinn Ihrer Anwendung noch nicht klar." Und tatsächlich: Für den Durchschnittsreisenden erschließt sich der Mehrwert der App kaum. Sie ist ausdrücklich für Digital Natives gemacht, die chattend und postend auf dem Moped durch die Reisfelder von Munduk fahren und sich vom Algorithmus parallel schon das nächste hippe Reiseziel ausrechnen lassen.

Nils Glagau ("Reiseplanung ist nicht die höchste Kunst") und Georg Kofler ("Das gibt’s doch alles schon, Freunde") sagten dem Startup ab. Carsten Maschmeyer dagegen schmunzelte vor sich hin. Ob denn schon eine "Monetarisierung" festzustellen sei. Nun ja, äh – "850 Euro". Das schien Maschmeyer noch mehr zu amüsieren. "Ich hätte wahnsinnige Lust, euch unterzuhaken", sagte er wie ein Lehrer zu seinen Schülern. Doch Hans war widerspenstig und wollte partout nicht mehr als 15 Prozent Anteile abgeben. Und Maschmeyer? Ließ sich am Ende rätselhafterweise von 25 auf 18 Prozent runterhandeln. Sah er in dem Mittzwanziger den deutschen Mark Zuckerberg?

Die Gründer der Herzen

Was für ein Paar. Zig Jahre verheiratet, aber mit einer Innigkeit miteinander verbunden, dass selbst Frischliierte erblassen: Walburga und Reto, die Macher von WowWow. Das Produkt – eine ins Halsband integrierte Hundeleine – wurde angesichts der tausend Meter tiefen Zuneigung zwischen den beiden fast zum Nebenpitch. Zumal die Backstory noch mehr Emotionen bereithielt: Ende 2015 erkrankte die Tochter schwer. Diese Erfahrung markierte eine Zäsur. Das Duo kündigte seine gut bezahlten Ingenieursjobs – erst sie, später auch er – und gab seinem Leben ein neues Projekt: WowWow. Der Tochter geht es mittlerweile wieder gut. Eine typische Dagmar-Wöhrl-Kooperation. 

Und in der Tat gab die fränkische Unternehmerin, die das Menschelnde zu ihrem USP in der "Höhle der Löwen" gemacht hat, zusammen mit Nils Glagau ein Kombi-Angebot ab. Als Georg Kofler in das Wettbieten einstieg und auf die aufgerufene Investitionssumme von 120.000 Euro noch 30.000 Euro drauf packte, fackelte die ehemalige Miss Germany nicht lange – und erhöhte ihrerseits auf 150.000 Euro. Kofler: "Das ist nicht fair, Freunde!" Wöhrl: "That’s life." Natürlich erhielten sie und Glagau den Zuschlag.

Null innovativ, aber lecker

Wenn sich selbst FDP-Großspender Georg Kofler "Nachhaltigkeitsfragen" stellt, ist der grüne Untergang des Abendlands nicht mehr fern. Bei der Präsentation von Hilli Fruits (der stern hat das Produkt getestet) monierte der 64-Jährige die Aluminiumbeschichtung der Verpackung. Und: "Kann man nicht Früchte aus der Region verwenden?" Doch das ist nun mal die DNA des Produkts: Früchte aus Ecuador, püriert, bio und fair gehandelt. Paulina, die Gründerin, stammt selbst aus Südamerika. Bereits eine Viertelmillion Euro hat sie in ihre Fruchtbeutel investiert und braucht dringend Cash.

Doch danach sah es zunächst nicht aus. Die Jury schwärmte zwar von dem "intensiven Fruchtgeschmack" (Kofler) – doch was genau ist das Neue an Hilli Fruits? Antwort: Genau genommen nichts. Dagmar Wöhrl gab trotzdem ein Angebot ab – aus Sympathie und weiblicher Solidarität. Auch Ralf Dümmel focht die Null-Innovation nicht an. "Ihre Innovation ist, dass es megamegamega schmeckt." Paulina entschied sich für Mister Regal. 

Damit verdienen die DHDL-Juroren ihr Geld

No-Deal der Woche

Das hatte sich der nette Friseur aus Königswinter so schön zurecht gelegt. Mit dem Wavewinder erfand er laut eigener Aussage nach über hundert Jahren die Dauerwelle neu – vom altmodischen Pudel-Look zur zeitgemäß gewellten Frise – und rief der Jury zu: "Lassen Sie uns Geschichte schreiben!". Doch die Löwen hatten keinen Bock auf Pathos. Überhaupt ließ sie die Haar-Historie ziemlich kalt. Sie interessierten mehr Detailfragen wie: "Ist das für die Haare nicht schädlich?" (Nico Rosberg) Denn: Auch die perfekte Welle kommt nicht ohne den Einsatz von Chemie und sanfter Gewalt aus. Ein echtes Geschäftsrisiko in Zeiten der Natürlichkeit und Nachhaltigkeit.

Da half auch die "sehr, sehr, sehr große Marge" (Ralf Dümmel) der Wellenförmchen nichts. Für 399 Euro vertickt der 31-jährige Gründer sein Wavewinder-Set an die Friseursalons. Bei Produktionskosten von 11,98 Euro pro Stück. Uff. "Das hört sich jetzt so an, als wärst du ein Ganove", sagte Ralf Dümmel – erkannte aber auch an, dass die schon investierten 150.000 Euro ja irgendwie wieder reinkommen müssen. Das dauert ohne Deal jetzt länger.

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