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Start-up-Show: "Man muss schon ein bisschen spinnen, wenn man sich bei der Höhle der Löwen anmeldet"

Die Idee kam ihr über Nacht: Als Mama Wong will die Gründerin Tu-Nhu Roho asiatische Marinaden und Saucen verkaufen. Ihre Firma ist auch eine Hommage an ihre Familie.

Mama Wong bei DHDL

Mama Wong bei DHDL

TV Now

Tu-Nhu Roho kam die Idee über Nacht. Im September 2017 saß sie nachts mit einem zwei Monate altem Baby wach, als es plötzlich "klick" machte. Warum sich nicht selbstständig machen? Einen Versuch sei es bestimmt wert.

Heute ist Roho Mama Wong und verkauft asiatische Marinaden und Saucen. Die  Rezepte dafür kennt sie seit ihrer Kindheit. "So kochen wir zu Hause. Wir laden gerne Freunde und Familie zum Essen ein. Und so wurden wir ständig nach Rezepten gefragt", erzählt Roho dem stern. Um herauszufinden, ob sich die Marinaden wirklich verkaufen lassen, produziert sie einige Gläschen und verteilt sie anfangs an Freunde, dann an Bekannte. "Dann habe ich den Radius Stück für Stück erweitert. Im August 2018 habe ich mich als Einzelunternehmerin angemeldet", so die Gründerin weiter.

Mama Wong: Tagsüber Bürojob, nachts Marinade kochen

Doch Mama Wong ist anfangs kein Vollzeitjob. Eigentlich arbeitet Roho 25 Stunden pro Woche in einem mittelständischen Unternehmen im Vertrieb. "Mama Wong machte ich quasi in meiner Freizeit. Eigentlich habe ich mich darum immer nachts gekümmert." Tagesüber arbeiten und sich um die Kunder kümmern, nachts am Herd stehen und Marinaden einkochen - viel Schlaf bekam die Gründerin damals nicht. "Das versteht wahrscheinlich keiner, der kein Gründerherz hat", sagt Roho.  

Nach der Berliner Food-Week und weiteren kleinen Schritten, trifft Roho eine Entscheidung: Sie will es in der Höhle der Löwen probieren. "Man muss schon ein bisschen spinnen, wenn man sich bei der Höhle der Löwen anmeldet. Ich hab das auch nur wenigen Leuten erzählt, dass ich zum Casting gehe", erzählt die Frau hinter Mama Wong. "Man sieht das in den Gesichtern der Menschen – die sagen nichts, aber die halten dich für irre."   

Mama Wong in der Höhle der Löwen

Als sie zum DHDL-Pitch nach Köln reißt, ist sie nervös. Sei sei kein Vortragstyp, das war schon in der Schule bei Referaten vor der ganzen Klasse nicht ihr Ding gewesen. Daher will sie vor Drehbeginn auch wissen, ob schon mal Gründer vor laufender Kamera in Ohnmacht gefallen sind. "Ich war eine One-Woman-Show, die ein paar Gläser verkauft hat", so Roho. Aber sie weiß, wie sie bei der Jury punkten kann: Mit ihrer Lebensgeschichte. 

Denn die Geschichte von Mama Wong beginnt nicht mit dem Gründungsgedanken - sondern mit ihrer Familiengeschichte. Geboren wurde die Gründerin in Süd-Vietnam, doch kurz vor ihrem zweiten Lebensjahr kam sie nach Deutschland. "Nach dem Vietnamkrieg wollten viele weg, meine Eltern auch. Wenn ich mir das jetzt selbst vorstelle, ich bin jetzt ja selbst Mutter, dass ich mit einem einjährigen Kind mein Heimatland verlasse und in ein Land gehe, wo ich die Sprache nicht spreche, finde ich das extrem krass. Ich weiß gar nicht, wie ich das Gefühl beschreiben soll", so die Gründerin. Mehrere Monate lebte sie in einem Flüchtlingslager in Hongkong, dann ging es nach Deutschland in die Eiffel, in ein altes Krankenhaus, das zu einer Geflüchtetenunterkunft umgebaut worden war. 

Wichtiger Angelpunkt der Familie waren die alten Rezepte aus der Heimat.Viele der Marinaden basieren auf Rezepten ihrer Mutter, die früh verstarb. "Mama Wong ist auch eine Hommage an meine Familie." Die Saucen und Marinaden vereinen dabei vietnamesische Küche der Eltern, mit chinesischen Einflüssen, da Roho nach dem Studium fünf Jahre in Peking arbeitete. Und auch die koreanische Küche findet sich wieder, denn ihr Mann stammt aus Korea. "In Asien drückt man mit Essen etwas aus. Liebe und Wertschätzung", so Roho.


kg
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