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Treffen in Biarritz Wie Macron auf dem G7-Gipfel Trump an die Leine legte


Emmanuel Macron hat der Welt auf dem G7-Gipfel gezeigt, wie im Fall des Iran-Konfliktes intelligente Diplomatie funktioniert. Der französische Präsident hat damit gleichzeitig US-Präsident Trump und dessen Methoden vorgeführt.

Der G7-Gipfel im französischen Biarritz ist zu Ende und man darf feststellen: Das Treffen, das von vielen im Vorfeld bereits für klinisch tot erklärt worden war, hat Ergebnisse gebracht, die niemand erwartet hatte. Das lag vor allem am Gastgeber. Der G7-Gipfel an der Atlantikküste ist ein Erfolg des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Und noch bemerkenswerter ist: US-Präsident Donald Trump gab sich handzahm. Nach dem Gipfel im vergangenen Jahr hatte sich Trump von der Abschlusserklärung distanziert und die G7 vorgeführt. Diesmal begrüßte er die von Macron angeschobene Initiative im Konflikt mit dem Iran und auch im eskalierenden Handelsstreit mit China soll es bald wieder Gespräche geben. 

Der französische Präsident wurde in den internationalen Medien für seine Gipfel-Führung gelobt - zu Recht. Es begann damit, dass Macron die Erwartungshaltung an das Treffen vorher geschickt herunterdimmte. Eine Abschlusserklärung sei nicht notwendig, die würde sowieso niemand lesen, hatte Macron kundgetan. Damit hatte er die Grundlage für ein ergebnisoffenes Treffen gelegt. Schließlich kam sogar eine knappe Abschlusserklärung zustande, die den (bescheidenen) Erfolg des Gipfels sinnbildlich machte.

Emmanuel Macron hegte Trump geradezu ein

Zum anderen besteht das Verdienst Macrons darin, Trump in Biarritz geradezu eingehegt zu haben. Spöttisch könnte man behaupten, der französische Präsident hat dem ungehobelten Raubein Trump gezeigt, wie man mit etwas subtileren Methoden in der internationalen Diplomatie Fortschritte erzielt.

Schon vor dem Gipfel hatte Macron Trump in einem langen Telefonat über seine Iran-Strategie und den Stand der Gespräche informiert. Als der iranische Außenminister schließlich in Biarritz landete, hatte Macron einen wirklichen Coup gelandet. Plötzlich stehen nun nach einer langen Phase der Eskalation Verhandlungen, Kredite und sogar ein Treffen des US-Präsidenten mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani im Raum. Es gebe eine gute Chance für eine Zusammenkunft mit Ruhani, erklärte Trump.  

Trump vertritt zwar weiter den Kurs, den Iran nach Aufkündigung des Atom-Abkommens mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem Kurswechsel der aggressiven Machtpolitik zu zwingen. Doch bislang haben die harten Wirtschaftssanktionen die Spannungen lediglich weiter angeheizt. 

Daumen hoch: Emmanuel Macron (r.) und Donald Trump in Biarritz
Daumen hoch: Emmanuel Macron (r.) und Donald Trump in Biarritz
© Ludovic Marin / AFP

Trump stößt an die Grenzen seiner Politik

Auch zum zweiten großen Thema, dem Handelsstreit der Amerikaner mit China, gibt es versöhnliche Töne zu vernehmen. Trump berichtete, dass "sehr bald" neue Verhandlungen aufgenommen werden. Macron und die übrigen Staats- und Regierungschefs hatten in Vier-Augen-Gesprächen mit Trump deutlich gemacht, wie bedeutsam ein offener Handel für die Weltwirtschaft ist. Die Sorge ist groß, dass der Konflikt die Rezession, die sich weltweit abzeichnet, zusätzlich verschärft. 

Macron hat erkannt, dass Trump im Moment an die Grenzen seiner Politik stößt und es sich nicht leisten kann, die Konflikte mit China und Iran zu befeuern. Der Handelskrieg mit China hat zunehmend negative Folgen für die US-Wirtschaft und schadet Trump selbst. Eine schwächelnde Wirtschaft im eigenen Land kann sich der Mann aus dem Weißen Haus nicht leisten, das würde mehr als alles andere sonst seine Wiederwahl gefährden. Und den Konflikt mit dem Iran kann Trump auch nicht endlos eskalieren, denn irgendwann würde die Frage nach einem Waffeneinsatz aufkommen. Das ist etwas, was Trump wohl nicht riskiert. Tote Soldaten würden sich im aufkommenden Wahlkampf ebenfalls nicht gut machen

Macron nutzte die Situation, um Trump mit diplomatischen Initiativen und intensiven Gesprächen in den Gipfel einzubinden. Es ist das Verdienst des französischen Präsidenten, das Format des G7-Gipfel wiederbelebt zu haben. Solange Trump sich so zivil gibt, funktioniert das auch.


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