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Katastrophengebiet: USA lockern Sanktionen gegen den Iran

Die USA haben die 25-jährigen Sanktionen gegen den Iran etwas gelockert, um das Verschicken von Hilfsgütern und Geld zu vereinfachen. Indes werden im Katastrophengebiet immer noch vereinzelt Überlebende gefunden.

Wunder in den Trümmern: Hilfsmannschaften haben mehrere Tage nach dem katastrophalen Erdbeben in Iran weitere Verschüttete gerettet. Ein 27-jähriger Mann habe sechs Tage lang in einem Kleiderschrank unter dem Schutt überlebt, bevor er geborgen wurde, meldete das staatliche Fernsehen. Einen Tag zuvor hatten Helfer nach Angaben des staatlichen Fernsehens drei Männer und zwei Frauen in Barawat in der Nähe der fast völlig zerstörten Stadt Bam geborgen. Unabhängige Berichte hierzu gab es nicht. Die USA haben aus humanitären Gründen ihre seit 25 Jahren bestehenden Sanktionen gegen Iran gelockert.

Nach Medienberichten wurden in Bam am Donnerstag die ersten Babys nach der Tragödie geboren. Die beiden Jungen seien in einem mobilen Hospital zur Welt gekommen. Die offizielle Zahl der Todesopfer wird immer noch mit mehr als 30.000 angegeben, ist jedoch weiterhin unklar.

USA lockern Sanktionen gegen Iran

Um Hilfe für die Erdbebenopfer zu ermöglichen, haben die USA nach Angaben des Finanzministeriums in Washington vor allem die Möglichkeit zu Überweisungen gelockert. Zudem können in den kommenden 90 Tagen Amerikaner für Organisationen spenden, die zur Katastrophenhilfe und zum Wiederaufbau beitragen. Erlaubt sei auch der Export von bestimmten Fahrzeugen, Funk-Telefonen, Computern und Radios, hieß es am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

Die Regierung Irans begrüßte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA die Lockerung der Sanktionen. Irans Außenminister Kamal Charrasi sah darin ein positives Zeichen, auch wenn dies zeitlich begrenzt sei.

Die USA hatten in den vergangenen Tagen Ärzte und Bergungsspezialisten in das Erdbebengebiet entsandt und damit Spekulationen über eine Annäherung genährt. Washington hatte jedoch betont, dies sei kein politisches Signal.

Die Beziehungen zwischen den USA und Iran sind seit der iranischen Revolution und der Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft 1979 gespannt. Es gibt seitdem keine direkten diplomatischen Beziehungen.

Angst vor Krankheiten

In der Krisenregion wächst unterdessen die Angst vor Krankheiten. Oberste Priorität hat nach Angaben von Vertretern der Krisenprovinz Kerman der Kampf gegen Epidemien. Einen Ausbruch der Cholera dementierte das iranische Gesundheitsministerium. Dennoch schließen Ärzteteams am Ort der Tragödie nicht aus, dass Krankheiten wie Cholera ausbrechen könnten. Obwohl die Suchaktionen nach Überlebenden des Bebens eingestellt worden waren, wollten einige Retter dem staatlichen Fernsehen zufolge weiter nach Verschütteten suchen.

Nach dem Ende der Rettungsarbeiten sind immer noch rund 1600 internationale Helfer aus 44 Ländern im Einsatz. Mehr als 5400 Tonnen Güter für die Obdachlosen wurden bereits in den Iran gebracht.

UN prüft das weitere Vorgehen

Derzeit würden die Notwendigkeiten für eine bis zu sechs Monate dauernde Hilfsoperation geprüft, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Genf am Mittwoch mit. Danach werden dringend 4000 Feldtoiletten, mobile Duschen sowie kleine Heizgeräte benötigt. "Wir können hier sehr effektiv arbeiten. Viele iranische Freiwillige sind angereist, um uns zu helfen", sagte der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes, Fredrik Barkenhammar der Rundfunkagentur dpa/Rufa zum Aufbau eines Feldkrankenhauses.

Bei dem Beben der Stärke 6,3 auf der Richterskala verloren rund 100 000 Menschen ihr Hab und Gut. Hilfsorganisationen suchen Berichten zufolge nach Geldgebern für Waisenkinder. Über mögliche Adoptionen solle erst später nachgedacht werden. Die Zahl der Kinder, die durch die Katastrophe Waisen wurden, wird auf 1200 geschätzt.

Wie viele Opfer gibt es wirklich?

Die Regierung Irans hat laut IRNA unterdessen beschlossen, die Zahl der Toten mit Hilfe der Anzahl der Überlebenden zu klären. Sie will Ausweise an die Menschen ausgeben, die zeitlich begrenzt sind. Nach Angaben der Regierung wurden bislang mehr als 30.000 Menschen beerdigt. Sie erwartet aber, dass die Zahl noch ansteigt. 400 Tote, die noch beerdigt werden müssen, sind noch nicht identifiziert. Zudem sind viele Menschen als vermisst gemeldet aber noch nicht gefunden worden.

DPA