Katholische Kirche Papst fordert Jugend auf, gegen den Krieg zu arbeiten


Bei seinem Spanien-Kurzbesuch mobilisierte der Papst am Wochenende die Jugend gegen den Krieg und forderte sie eindringlich auf, für den Frieden in der Welt zu arbeiten.

Nach der schweren Enttäuschung über das Scheitern seiner Friedensbemühungen in der Irak-Krise hat Papst Johannes Paul II. zum "Gegenschlag" ausgeholt. Bei seinem Spanien-Kurzbesuch mobilisierte er am Wochenende die Jugend gegen den Krieg und forderte sie eindringlich auf, für den Frieden in der Welt zu arbeiten. Das Treffen mit Hunderttausenden begeisterten Jugendlichen auf einem Flugfeld in einem Vorort Madrids entschädigte den Papst am Samstagabend für die vielen Enttäuschungen, die die Mächtigen der Welt ihm zuletzt bereitet haben - unter ihnen auch ausgerechnet der katholische spanische Ministerpräsident José María Aznar. Während dieser sich im Irak-Krieg mit den USA verbündet hatte, ließ der Papst jetzt seine "Verbündeten" aufmarschieren - die Jugend.

"Wir sind deine Jugend"

Das Jugendtreffen wurde in den spanischen Medien als großer Erfolg gewertet. Nach unterschiedlichen Angaben kamen zwischen 300.000 und 600.000 Menschen zu der Großveranstaltung, bei der das Oberhaupt der katholischen Kirche frenetisch gefeiert wurde. "Johannes Paul II., wir sind deine Jugend", riefen ihm die jungen Katholiken immer wieder zu. "Ihr erinnert mich an Toronto", erwiderte der bald 83-jährige, schwer kranke Pole.

In der kanadischen Metropole hatte im vergangenen Sommer das bisher letzte der vom Papst ins Leben gerufenen Weltjugendtreffen stattgefunden. Madrid, wohin auch viele Jugendliche aus anderen europäischen Ländern gekommen waren, kam Toronto von der Wirkung her sehr nahe. Das nächste Weltjugendtreffen ist im August 2005 in Köln geplant.

Der Papst fühlte sich wohl inmitten der Jugend

Als Folge der Parkinson-Krankheit wirkte das starre Gesicht Johannes Pauls II. wie eine Maske, die kein Lächeln mehr zulässt. Doch die feste Stimme und die vielen spontanen Abweichungen vom Redetext verrieten, wie sehr er sich inmitten der Jugendlichen wohl fühlte. Der Ton war der eines weisen, alten Mannes, der nicht wie früher den Finger erhebt, um von der Jugend vor allem sexuelle Enthaltsamkeit zu fordern.

"Geliebte Jugendliche, Ihr wisst gut, wie sehr ich mir um den Frieden in der Welt Sorgen mache. Die Spirale der Gewalt, des Terrors und des Krieges führt auch in unseren Tagen zu Hass und Tod", vertraute er ihnen in beinahe großväterlichem Ton seinen Kummer über den Irak-Krieg an, den er trotz dramatischer Appelle vor allem an die Adresse der USA nicht verhindern konnte. Deshalb rufe ich Euch auf, für den Frieden zu arbeiten", fügte er hinzu.

Warnung vor Rassismus und Intoleranz

Er warnte gleichzeitig vor «jeder Form von übertriebenem Nationalismus, Rassismus und Intoleranz». Diese Worte wurden als klare Absage an die Forderungen vor allem der Basken und Katalanen nach größerer Autonomie von der spanischen Zentralregierung verstanden. Bereits bei seiner Begrüßung hatte der Papst nicht nur eindringlich zum "Frieden" gemahnt, sondern auch die Spanier zur "Einheit in der Vielfalt" aufgerufen.

Irak-Krieg kam nicht zur Sprache

Der Irak-Krieg kam nie offen zur Sprache - auch nicht beim Treffen mit Ministerpräsident Aznar. Dieser brachte zur Audienz in die Botschaft des Vatikans gleich 20 Verwandte mit. Vor lauter Händeschütteln und Küssen des päpstlichen Ringes blieb einfach keine Zeit mehr für ein von vielen Beobachtern mit Spannung erwartetes Gespräch unter vier Augen, bei dem Johannes Paul seine Enttäuschung über Aznars Irak-Kurs hätte äußern können.

Am Sonntag hielt sich der Papst jedoch mit politischen Äußerungen zurück und widmete sich den Problemen der katholischen Kirche Spaniens. Zwar sind von den rund 40 Millionen Spaniern fast alle katholisch, doch die Zahl der Kirchgänger ist dramatisch gefallen. Allein in den vergangenen vier Jahren haben 1,5 Millionen Spanier aufgehört, sonntags die Messe zu besuchen. Auch die Zahl der Priester und Nonnen ist zurückgegangen. "Gebt Eure christlichen Wurzeln nicht auf", lautete der dramatische Appell von Johannes Paul II. an die Bewohner des Landes, das in früheren Jahrhunderten mit oft brutalen Mitteln zur Christianisierung der Welt beigetragen hatte.

Giovanni Facchini DPA

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