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Plakat-Posse: Cool oder furchtbar? Dieses Totenkopf-Plakat zur Kieler Woche erhitzt die Gemüter

Zu jeder Kieler Woche gehört ein künstlerisch designtes Plakat. Doch das Plakat für 2020 erhitzt die Gemüter der sonst so nordisch-kühlen Kieler so sehr, dass sie im Netz ihrem Ärger Luft machen. Das Team der Kieler Woche verteidigt sich.

Das Gewinnermotiv für die Kieler Woche 2020

Das Gewinnermotiv für die Kieler Woche 2020

Die Kieler Woche, ein Volksfest mit Musik, Alkohol, leckerem Essen und dem eigentlich Wichtigstem daran, den Segelwettbewerben. Einmal im Jahr ist Kiel Tor zur Welt, wenn nicht nur aus der Stadt, sondern aus der ganzen Welt Besucher kommen, ob als Touristen oder Marinesoldaten, die jedes Jahr in der Landeshauptstadt mit ihren Kriegsschiffen anlegen.

Und zur Kieler Woche gehört auch ein künstlerisch gestaltetes Plakat. Die Plakate seit 1948 sind auf der Homepage der Kieler Woche nachzusehen: Mal mit hübschen Segelbootmotiven, mal in schlichtem blau-weiß, mal knallbunt. Und natürlich darf auch der Hinweis nicht fehlen, wann dieses große Segelsportereignis und Volksfest stattfindet.

Das Gewinnermotiv für die Kieler Woche 2020

Das Gewinnermotiv für die Kieler Woche 2020

"Siegerplakat präsentiert sich humorvoll und emotional"

Seit 1959 wird daher ein regelmäßiger Design-Wettbewerb veranstaltet, um ein Plakat für die "KiWo" zu küren, auch für kommendes Jahr. Namenhafte Grafiker aus der ganzen Welt nehmen teil. Laut dem Kieler-Woche-Team sei "schon die Einladung eine Auszeichnung", denn die Motive würden "mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet".

Nun hat sich die Jury entschieden: Gewonnen hat der Designer Jiri Oplatek aus der Schweiz. Sein Entwurf, der sehr stark an einen Totenkopf erinnert, konnte sich gegen zwölf weitere durchsetzen. Die Jury sagt: "Das Siegerplakat präsentiert sich humorvoll und emotional. Abenteuer, Ausgelassenheit und Freiheit, Begriffe, die die Kieler Woche charakterisieren, stellen sich beim Betrachten ein." Und: "Neben der Freibeuter-Assoziation der Gesamterscheinung tauchen sukzessive Segel- und Wellenformen, abstrahierte Bootsklassen aber auch kartografisch Elemente auf. Diese gestalterische Konzeption stellt formal und inhaltlich einen bisher noch nicht dagewesenen grafischen Ansatz im Kieler-Woche-Design dar."

Aufregung über Plakat zur Kieler Woche im Netz

Doch das, was die Jury in dem Plakat sieht, scheint an vielen Kieler Bürgerinnen und Bürgern wohl komplett vorbeizugehen. Unter einem Facebook-Eintrag des Kieler-Woche-Teams zur Plakat-Auswahl ergießt sich ein Schwall an aufgeregten Kommentaren und teilweise bitterböser Kritik. Mehr als 700 Kommentare wurden darunter verfasst. Vom Entwurf bis zur Jury oder dem Entscheidungsprozess: Die Kritiker lassen kein gutes Haar an der Plakat-Posse.

Tadaaaa, so sieht das Kieler-Woche-Plakat 2020 aus. Die neunköpfige Jury hat den Entwurf des Baseler Designers Jiri...

Gepostet von Kieler Woche am Dienstag, 3. September 2019

"Ein Totenkopfplakat für so eine fröhliche tolle Veranstaltung? Gleich in die blaue Tonne damit! Schlechtestes Plakat seit langer zeit!" (sic!), schreibt etwa ein Facebook-Nutzer. Ein anderer schreibt: " Direkt nach der Weihnachtsfeier von der Jury ausgesucht worden ??"

So sieht übrigens ein Entwurf von Rimini Berlin aus

So sieht übrigens ein Entwurf von Rimini Berlin aus

Manche versuchen etwas konstruktiver zu sein: "Das ist grafisch ja leider ganz furchtbar, es ist so ein durcheinander für die Augen, man findet keine richtigen Fixpunkte und die Kieler Woche Schrift geht total verloren in dem ganzen und ist fast nicht sichtbar, dabei soll man doch auf einem Plakat auch gut erkennen können um was es geht."

Veranstalter verteidigen sich

Manche fordern, dass die Kieler selbst über die Motive entscheiden sollten und manch einer behauptet sogar, dass die jungen Enkelkinder es besser könnten. Aber es gibt zwischen der teils doch sehr harschen Kritik auch Fans des Motivs: "Geschmackssache! Ich persönlich finde es sehr cool. Weckt Aufmerksamkeit, provoziert und polarisiert - und das ist doch wohl die Aufgabe eines Plakates, oder? Also schon mal alles richtig gemacht! Und für alle, die hier partout keine maritimen Themen erkennen wollen: Segel, Wellen, Tonnen/Bahnmarken, Flaggen, Bahnen - alles da!", schreibt eine Kommentatorin bei Facebook.

Die Veranstalter haben die Kritik zum Anlass genommen zu reagieren – und verteidigen die Entscheidung in einem weiteren Facebook-Post: "Vielen Dank für über 1000 Kommentare zu dem neuen Kieler-Woche-Design 2020. Einige der Best-Of-Kommentare der letzten drei Jahre, die wirklich unter jeder (!) Plakatentscheidung standen, möchten wir auch gerne beantworten." Zum Vorwurf einer unqualifizierten Jury heißt es etwa, dass es vier Fachjuroren und Jurorinnen, vier Sachjuroren und eine neunte Jurorin aus der Kieler Bevölkerung gebe. 

Vielen Dank für über 1000 Kommentare zu dem neuen Kieler-Woche-Design 2020. Einige der Best-Of-Kommentare der letzten...

Gepostet von Kieler Woche am Mittwoch, 4. September 2019

Design muss auf vielen Artikeln funktionieren

Und warum lässt man keine Kindergärten oder Schulen die Plakate entwerfen? "Unser Design-Wettbewerb ist international anerkannt und es handelt sich um mehr als nur ein 'Bild'. Die Umsetzung des Corporate Designs muss auch für ganz viele Artikel funktionieren. Und Ihr lasst Euer Auto auch nicht von Kindergartenkindern reparieren, die gerne mit Autos spielen, nur damit es billiger ist", ist die Antwort des "KiWo"-Teams. Denn es werden auch Tassen, Krawatten oder Shirts mit dem Motiv bedruckt.

Gleichzeitig laden die Veranstalter ein, sich selbst ein Bild zu machen und Juror oder Jurorin zu sein. Bis zum 27. September werden im Rathaus von Kiel die eingereichten Entwürfe ausgestellt. Wenn Ihnen die Anreise zu weit ist, können Sie auch einfach hier auf der Homepage der Kieler Woche nachschauen. Dort sehen Sie auch die Plakate seit 1948.  

Quellen: Pressemitteilung Kieler Woche (1), Pressemitteilung (2), Facebook Kieler Woche

tkr
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