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Gravierende Hygienemängel Lebensmittelskandal in Südhessen: Vier Infektionen, ein Todesfall

Lebensmittelkontrolleur überprüft abgepacktes Essen
Durch keimbelastete Gurkenscheiben haben sich vier Menschen in Südhessen mit Listeriose infiziert (Symbolfoto)
© GAETAN BALLY / Picture Alliance
In einem Obst- und Gemüsebetrieb in Hessen sind schwerwiegende Hygienemängel aufgedeckt worden. Die Lebensmittel aus dem Unternehmen sollen für mehrere Infektionen und einen Todesfall verantwortlich sein.

In Hessen erkrankten vier Menschen durch keimbelastetes Essen an Listeriose, einer von ihnen starb an den Folgen der Infektion. Die Bakterien, die die Krankheit auslösen, werden vor allem durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Für die aktuellen Fälle soll ein Obst- und Gemüsebetrieb in Südhessen verantwortlich sein, bei dem gravierende Hygienemängel festgestellt wurden.

Gutachten deckt Lebensmittelskandal auf

Über den Lebensmittelskandal berichtete die "Welt am Sonntag". Aus dem Betrieb sind unter anderem Gurkenscheiben an ein Krankenhaus geliefert worden, die dann als Bestandteil von Salaten den Patienten serviert worden seien. Zwei der Infizierten hätten sich in dem Zeitraum in dem Klinikum aufgehalten. Zudem hätten Untersuchungen von Bundes- und Landesbehörden eine genetische Übereinstimmung zwischen Keimen aus der Produktion mit den bei Erkrankten festgestellten Bakterien ergeben.

Ein Gutachten der hessischen Task-Force Lebensmittelsicherheit, das der "Welt am Sonntag" vorliegt, deckte schockierende Zustände in dem Betrieb auf. Die Rede ist von stehenden Pfützen, Rattenkot und Schimmel in der Produktion, fehlenden Reinigungsplänen und zu wenig Eigenkontrollen. Darüber hinaus hätte man bauliche Mängel wie fehlende Hygieneschleusen und unzureichende Wasserabflüsse festgestellt. Die Task-Force kam zu dem Schluss, "dass die Herstellung sicherer Lebensmittel im vorgefundenen Zustand nicht möglich war".

Personalmangel in Lebensmittelämtern

Eigentlich sind eine bis zwei Lebensmittelkontrollen im Jahr vorgeschrieben. Doch der Betrieb in Südhessen sei die vergangenen beiden Jahre überhaupt nicht geprüft worden, wie das zuständige Veterinäramt in Groß-Gerau auf Nachfrage der "Welt" einräumt. Insgesamt seien Betriebe, die mit einem höheren Gesundheitsrisiko für den Verbraucher verbunden sind, während Corona deutlich weniger kontrolliert worden. So seien im Januar 2021 nur 45 Prozent der vorgeschriebenen Inspektionen durchgeführt worden.

Lebensmittelkontrolleure bei der Kontrolle von Fleisch
Schätzungen zufolge fehlen bundesweit rund 1500 Lebensmittelkontrolleure
© Erik van't Woud / Picture Alliance

Das ohnehin knappe Personal sei für andere Aufgaben, wie die Kontaktverfolgung abgestellt worden. Bei dem Fachkräftemangel in den Lebensmittelämtern handelt es sich um ein bundesweites Problem. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure schätzt, dass aktuell bis zu 1.500 Kontrolleure in Deutschland fehlen. Etwa jede dritte Kontrolle falle aus. Der Landkreis Groß-Gerau ging dennoch davon aus, dass die Sicherheit der Lebensmittel nicht gefährdet war. Man bedauere "zutiefst", dass es "zu einer Kontrolllücke kam, die Gesundheit und Leben von Menschen gefährden konnte".

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger, zuständig für Verbraucherschutz, forderte: "Lebensmittelkontrollen müssen immer höchste Priorität haben, das gilt auch für die Zeit der Corona-Krise." Der Betrieb in Südhessen musste Mitte Februar die Produktion einstellen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt nun gegen das Unternehmen.

Quelle: "Die Welt"

lhi

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