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Margot Käßmann: "Irgendwo neu anfangen"

"Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen." Nun will die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die vor vier Monaten wegen ihrer Fahrt mit Alkohol am Steuer von ihren Ämtern zurückgetreten war, ganz neu anfangen.

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, will nach dem Rücktritt von ihren Ämtern "ohne Familie irgendwo neu anfangen". Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sagte die ehemalige Landesbischöfin: "Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen." Die 52-Jährige war im Februar nach einer Fahrt mit Alkohol am Steuer von ihren Ämtern zurückgetreten.

Ab August werde sie als Gastdozentin an der Emory University von Atlanta arbeiten. Mit dem Abstand hoffe sie dann, dass zum 1. Januar "irgendeine Aufgabe" da sei. Sie falle auch ohne Amt nicht auf Hartz IV zurück. "Ich habe viele Privilegien in meinem Leben, kann mich jetzt ganz in Ruhe umschauen, wie es weitergeht", sagte Käßmann dem "Spiegel" weiter. Sie habe sich nicht verändert, weil sie keine Ämter mehr habe oder weil sie kein Bischofskreuz mehr trage. "Ich glaube, es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben".

Ein Mann wollte ihre Punkte in Flensburg übernehmen

Den Medienwirbel um ihren Rücktritt findet die Kirchenfrau heute "unverhältnismäßig". Zu der Zeit habe es auch einen Erdbeben in Haiti gegeben. Sie wolle ihren Fall "nicht runterspielen, nur gilt es, auch mal die Verhältnismäßigkeit zu sehen". Gleichzeitig räumte Käßmann in dem Interview ein, "einen Riesenfehler" gemacht zu haben. Auf die Frage, wer am 20. Februar neben ihr saß, gab die 52-Jährige keine Antwort. "(...) Und welchen Anspruch von Öffentlichkeit gibt es da? Ich verstehe nicht, was das jemanden angeht", sagte sie dem Magazin.

Sie habe nach ihrer Alkoholfahrt zahlreiche Briefe und E-Mails bekommen. Viele Menschen hätten sehr liebevoll reagiert. "Ein älterer Herr schrieb mir, er sei schon mehrfach unter Alkoholeinfluss Auto gefahren, aber nie erwischt worden. Das sei ungerecht von Gott, deshalb wolle er meine Punkte in Flensburg übernehmen."

zen/DPA / DPA