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Heimat von Co-Pilot Andreas L.: Menschen in Montabaur können es nicht glauben

Montabaur ist eigentlich eine beschauliche Stadt - damit ist es fürs Erste vorbei. Denn der Co-Pilot, der wohl mit Absicht die Germanwings-Maschine zum Absturz brachte, wuchs hier auf und wohnte hier.

Der Vorsitzende des Luftsportclubs Westerwald e.V. (LSC), Klaus Radke, hat Andreas L. als netten, lustigen, höflichen Menschen  kennengelernt

Der Vorsitzende des Luftsportclubs Westerwald e.V. (LSC), Klaus Radke, hat Andreas L. als netten, lustigen, höflichen Menschen
kennengelernt

Akkurat gemähter Rasen in den Vorgärten, ordentliche Zäune, großzügige Einfamilienhäuser. Es ist ein sehr gepflegtes Wohngebiet im rheinland-pfälzischen Montabaur, über das am Donnerstag das Unfassbare hereinbricht. Hier steht das Haus der Eltern des Co-Piloten, der die Germanwings-Maschine am Dienstag offensichtlich absichtlich über den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben soll. Schon kurz nach den Aussagen der Staatsanwaltschaft in Frankreich postieren sich hier Kamerateams aus vielen Ländern. Flankiert werden sie von zahlreichen Polizisten und Streifenwagen, die auf der Straße vor dem Haus der Familie quergestellt wurden.

"Ich weigere mich zu glauben, dass er das absichtlich gemacht hat", sagt ein 23 Jahre alter Nachbar. Er kennt den 27-Jährigen, dessen Name von der französischen Staatsanwaltschaft mit Andreas Lubitz angegeben wurde, nach eigener Aussage nicht sonderlich gut. Er habe ihn aber häufiger mal joggen gesehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so egoistisch ist", sagt er. Viel mehr könne er aber nicht dazu sagen, die Familien lebten alle eher nebeneinander her: "Hier macht jeder seins."

"Das ist ein unwürdiges Treiben hier"

Kaum ein Nachbar lässt sich blicken. Ab und an lugt ein Gesicht hinter einer Gardine hervor oder jemand tritt kurz aus der Haustür. Reden möchte selten jemand. Ein Anwohner kommt einen kleinen gepflasterten Weg nahe dem Elternhaus entlang, sieht die wartenden und filmenden Journalisten und schimpft: "Das ist ein unwürdiges Treiben hier." Die Nerven liegen bisweilen blank an diesem Tag.

In der Nähe klingelt das Handy eines Polizisten. Der Beamte lauscht kurz in den Hörer, beobachtet die Szenerie um ihn herum und antwortet dann: "Frag' lieber, wer nicht alles da ist."

Fassungslos ist ein Ehepaar, das neben der Familie lebt - und das seit 22 Jahren. "Es ist extrem für uns, mir bleibt die Spucke weg", sagt der Mann über das, was er in den Nachrichten gehört hat. Auch sie kennen den Co-Piloten kaum, erzählen nur von einem jüngeren Bruder und dass der Co-Pilot hier aufgewachsen sei. "Wir sind schon schockiert", sagt die Frau. "Ich kann mir das alles kaum vorstellen."

"Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen"

Nach den Journalisten kommen weitere Menschen vor das Haus, unter ihnen ein Mann aus einem Nachbardorf. Er habe den Co-Piloten zwar nicht gekannt, wolle aber das Haus sehen - nach all den Nachrichten, sagt er in die Mikrofone, die ihm entgegengehalten werden. Inzwischen ist ein Polizeihubschrauber aufgetaucht und kreist über der Szenerie.

Ein paar Kilometer von dem Haus entfernt liegt das Gelände des Flugvereins LSC Westerwald, dem der Co-Pilot als Jugendlicher beitrat und bei dem er einst das Segelfliegen lernte. Im vergangenen Herbst habe der 28-Jährige hier Flüge zur Verlängerung seiner Segelfluglizenz gemacht, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Radke. "Da habe ich ihn als sehr netten, lustigen, höflichen Menschen kennengelernt." Radke hebt hervor, wie viel gerade auf die Familie des Co-Piloten einstürze und mahnt zur Zurückhaltung. Es werde einige Zeit in Anspruch nehmen, bis man wisse, was genau passiert ist. "Man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen."

Von Christian Schultz, DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?