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Moskau: 32 Tote bei Brand in Studentenwohnheim

Ein Brand in einem russischen Studentenwohnheim hat mindestens 32 größtenteils ausländische Studenten das Leben gekostet. Überlebende kritisieren den Verlauf des Rettungseinsatzes.

Eine Brandkatastrophe in einem Moskauer Studentenwohnheim hat am Montag mindestens 32 Bewohnern das Leben gekostet. 139 Studenten wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte. Bei den Opfern handelt es sich vor allem um Studenten aus China, Bangladesch, Vietnam und mehreren afrikanischen Ländern. Die Behörden rechneten mit einer steigenden Opferzahl. Nach einem Bericht des Senders 'NTW' befanden sich 50 der Verletzten in kritischem Zustand.

Nach Angaben des Moskauer Polizeisprechers Pawel Klimowski wurden 28 Leichen aus dem Gebäudes geborgen, drei weitere wurden vor dem Studentenwohnheim gefunden. Das 32. Opfer starb in einem Rettungswagen auf dem Weg zum Krankenhaus.

Rettungseinsatz kritisiert

Drei der fünf Stockwerke des Gebäudes in der Patrice-Lumumba-Hochschule für Völkerfreundschaft standen am frühen Morgen in Flammen, wie eine Sprecherin der Feuerwehr mitteilte. Die Feuerwehr brachte zahlreiche Bewohner über Leitern in Sicherheit. Andere versuchten, sich mit einem Sprung aus dem Fenster vor Rauch und Flammen zu retten und zogen sich dabei teilweise schwere Verletzungen zu. Nach etwa drei Stunden konnte das Feuer gegen 5.30 Uhr Ortszeit (3.30 Uhr MEZ) gelöscht werden.

Überlebende kritisierten den Rettungseinsatz: Die Feuerwehr sei sehr spät eingetroffen, und der Rettungsdienst habe zunächst nur einen Krankenwagen geschickt, sagte ein junger Turkmene am Montag der dpa. "Einer meiner Freunde erlitt bei dem Sprung schwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule", berichtete der Student. "Es war wie ein fürchterlicher Albtraum", sagte Abdallah Bong, ein Student aus Tschad. "Wir hörten sie um Hilfe schreien und springen, aber wir konnten nichts machen."

Mögliche Brandursache: Kurzschluss

Der Brand begann nach Informationen des Fernsehsenders 'Rossija' im Zimmer von drei jungen Nigerianerinnen im zweiten Stock. Ursache könnte ein Kurzschluss in diesem Raum gewesen sein. Mehrere Ausgänge seien durch Gerümpel versperrt gewesen. Die Behörden schlossen jedoch auch Brandstiftung zunächst nicht aus. In dem Wohnheim lebten 280 Studenten aus 106 Ländern.

Die nach einem kongolesischen Revolutionär benannte Universität im Südwesten der russischen Hauptstadt wurde 1960 als Kaderschmiede für befreundete Staaten vom sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow gegründet. Nach der Auflösung der Sowjetunion verlor die Hochschule ihre frühere Bedeutung als Vorzeige-Universität für Studenten aus der Dritten Welt. Die meisten Gebäude müssten renoviert werden, doch fehlt es bisher an den dafür benötigten Mitteln. Bereits am 12. Juli dieses Jahres waren bei einem Feuer in einem Wohnheim der Universität im Südwesten Moskaus Studenten verletzt worden.