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Prozess in München: Wenn ein Ziegenbock regelmäßig Auto fährt - Streit um der kleinen "Hui Buh" landet vor Gericht

Ziegen sind Herdentiere, ja. Aber was, wenn sie "neurologische Ausfälle" haben? Ist dann eine Einzelbetreuung nötig? Mit dieser Frage befasst sich nun das Verwaltungsgericht in München.

Hui Buh in seinem neuen zu Hause, dem Gnadenhof Gut Streiflach.

Hui Buh in seinem neuen zu Hause, dem Gnadenhof Gut Streiflach.

DPA

Denkt Elisabeth Anders an ihren kleinen Hui Bus, muss sie weinen. Er sei ein richtiges Familienmitglied gewesen, sagt sie schluchzend. "Er war unser Lebensinhalt." Hui Buh ist ein Zwergziegenbock, benannt nach dem gleichnamigen Schlossgespenst, inzwischen etwa anderthalb Jahre alt - und nicht mehr Teil der Familie Anders. Das Landratsamt München hat die kleine Ziege aus dem Haushalt genommen. Der Grund: nicht-artgerechte Haltung. Hui Buh, so die Auffassung, braucht die Gesellschaft anderer Ziegen.

Hui Buh wurde im Auto von der Polizei aufgegriffen

Wahrscheinlich hätten die Behörden gar nichts von der Existenz des kleinen Tieres erfahren – wäre Hui Buh nicht regelmäßig Auto gefahren. Das Amt wurde auf den Ziegenbock aufmerksam, als er mit Mutter und Tochter Anders durch die Gegend fuhr, sitzend auf dem Schoß der Beifahrerin. Das Armaturenbrett war mit Heu ausgelegt – so heißt es in der Terminankündigung des Verwaltungsgerichtes München.

Das beschäftigt sich an diesem Mittwoch (18.9., 14 Uhr) mit Hui Buh und der Frage, ob eine Ziege zwangsläufig tierische Gesellschaft braucht oder auch mal Einzelbetreuung angesagt ist. Denn die 55-jährige Elisabeth Anders und ihre 29 Jahre alte Tochter Magdalena fordern das Tier zurück, das sich derzeit auf dem Gnadenhof Gut Streiflach in Germering bei München befindet. "Wir hoffen, dass es ihm gut geht", sagt Anders.

Elisabeth Anders und Tochter Magdalena zeigen stolz ein Bild ihres Zwergziegenbocks. Mehr als ein Jahr war Hui Buh Teil der Familie.

Elisabeth Anders und Tochter Magdalena zeigen stolz ein Bild ihres Zwergziegenbocks. Mehr als ein Jahr war Hui Buh Teil der Familie.

DPA

Er sieht zumindest gut und fidel aus. Auf dem Gnadenhof hat Hui Buh - dort Bubo genannt - ein großes Gelände, auf dem er sich frei bewegen kann. Es gibt Steine und Hügel zum Klettern. Zu seinem Pfleger Gerd Walther hat er ein inniges Verhältnis, mit seinen Artgenossen versteht er sich allerdings weniger gut. Der kleine Bock hat es schwer bei den anderen Ziegen. Sie akzeptieren ihn nach Angaben des Gnadenhofes nicht - weil er vorher falsch gehalten wurde.

Bei schlechtem Wetter trug die Ziege eine Jacke

Laut Deutschem Tierschutzbund sind Ziegen "sehr neugierige Herdentiere, die gerne ihre Umgebung erkunden und unbedingt Auslauf und Möglichkeiten zum Klettern, Springen und zur Beschäftigung benötigen".

Tatsächlich war Hui Buh der Familie Anders wohl eher Hund als Ziege. Er lebte mit im Haus. Wenn es draußen ungemütlich wurde, trug er eine kleine Jacke. Elisabeth Anders ist sicher, dass es anders nicht ging: "Er musste ja versorgt werden", sagt sie. "Wir haben den Kerli mit der Hand aufgezogen, weil er so früh auf die Welt kam. Wir haben ihn am Anfang nur rumgetragen. Meine Tochter hat mit ihm Laufen geübt."

Familie Anders: Ohne uns wäre Hui Buh gestorben

Hui Buhs Mutter habe ihn verstoßen, er habe "neurologische Ausfälle" gehabt und nicht selbstständig gefressen. "Er hat nur Milch und Wasser aus der Flasche getrunken, bis er ein Jahr alt war." Ohne sie und ihre Tochter, da ist die 55-Jährige sicher, wäre er gestorben. Wir haben ihn durchgebracht."

Ob das so ist und ob die kleine Ziege vielleicht wieder zurückkehren kann in die Familie, muss das Verwaltungsgericht nun entscheiden. Die Klägerinnen haben allerdings bei den Behörden nicht den allerbesten Ruf. Auch die anderen Ziegen, die sie einst hatten, sind inzwischen nicht mehr da. Das Landratsamt Dachau hat den Klägerinnen nach Gerichtsangaben das Halten und Betreuen von Paarhufern untersagt.

amm / Britta Schultejans / DPA
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