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Nach Wikileaks Enthüllungen: US-Außenministerium kappt Datenzugang

Die USA räumen erstmal auf und trennen nach den jüngsten Wikileaks-Enthüllungen ihre Computernetzwerke. Wikileaks-Kopf Julian Assange kämpft unterdessen an anderen Fronten: Alte Freunde werden zu Konkurrenten, und Schweden sucht den Australier noch immer per Haftbefehl.

Die US-Regierung versucht ihre Daten nach der Veröffentlichung Tausender vertraulicher Dokumente zu sichern. Das Außenministerium kappte Regierungskreisen zufolge seine Datenbank für diplomatische Depeschen von einem Computer-Netzwerk des Militärs. Das Netzwerk gilt als Hauptquelle für die jüngsten Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, in der vergangenen Woche sei die Depeschen-Datenbank von einem Netzwerk für vertrauliche Regierungsdaten abgetrennt worden. Damit ist die Zahl von Beschäftigten innerhalb des amerikanischen Regierungsapparats, die wichtige diplomatische Schriften einsehen können, dramatisch reduziert worden.

In Deutschland geht die Daten-Diskussion unterdessen in eine andere Richtung. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach am Dienstag von einem "alarmierenden Signal" und warb für mehr "Datensparsamkeit". Schaar sprach von einem "alarmierenden Signal". Vor allem in den USA herrsche eine "grassierende Datensammelsucht", sagte er und verwies darauf, dass das damit verbundene Risiko kaum zu beherrschen sei. Ein radikales Umdenken sei notwendig. "Wir brauchen nicht immer mehr, sondern weniger Daten, und die Daten müssen ordentlich geschützt werden", sagte er. Sonst sei zu befürchten, dass nicht nur Regierungsdokumente, sondern ärztliche Diagnosen, Strafakten oder andere sensible Informationen ihren Weg in das Internet fänden.

Wikileaks teilte derweil über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, erneut Opfer eines Cyber-Angriffs geworden zu sein. Es handle sich um eine "Distributed Denial of Service"-Attacke (DDoS). Bereits am Wochenende war Wikileaks Ziel eines solchen Angriffs geworden, bei dem Computerserver gezielt mit Anfragen bombardiert werden, bis sie wegen Überlastung zusammenbrechen.

Wikileaks-Kopf international gesucht

Die USA führen zudem strafrechtliche Ermittlungen gegen Wikileaks. Washington hatte die Veröffentlichung der US-Dokumente als "schweres Verbrechen" kritisiert. Am Dienstag erhob auch die NATO schwere Vorwürfe gegen Wikileaks. Die Veröffentlichungen seien "illegal, unverantwortlich und gefährlich". Assanges derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Die ecuadorianische Regierung bot ihm heute an, sich in dem südamerikanischen Land niederzulassen, betonte aber, es handle sich nicht um politisches Asyl. Gleichwohl gegen den Australier ein internationaler Haftbefehl wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung vor liegt. Zwei Frauen hatten bei der schwedischen Polizei diese Vorwürfe erhoben. Assange will in Schweden die Aufhebung des Haftbefehls gegen ihn wegen Vergewaltigungsverdachts durchsetzen. Dies soll vor dem Obersten Gericht in Stockholm erfolgen.

Ex-Mitarbeiter gründen Konkurrenzplattform

Auch von Seiten früherer Wikileaks-Mitarbeiter wird zunehmend Kritik an Assange laut. Wegen Differenzen über die Ausrichtung von Wikileaks sowie den Führungsstil des Australiers sei eine Alternative zu der Plattform geplant, die "sehr bald" an den Start gehen solle, sagte der Ex-Wikileaks-Mitarbeiter Herbert Snorrason. In der "taz" sprach der ehemalige Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg von Mitte Dezember. Domscheit-Berg war im Streit mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange aus der Organisation ausgetreten. Die Aussteiger kritisieren die autoritäre Führung des Australiers und die Informationspolitik von Wikileaks. Veröffentlicht werde vor allem Material aus den USA, während andere Informationen liegen blieben, zitierte die "taz" Domscheit-Berg. Es sei nicht nachvollziehbar, wann welches Dokument warum an die Öffentlichkeit gegeben worden sei.

swd/Reuters/AFP/DAPD/DPA / DPA / Reuters