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Oettingers leuchtender Vorstoß: "Achtung, Achtung, hier spricht die Glühbirnenpolizei!"

EU-Kommissar Günther Oettinger fordert zur Durchsetzung des Verkaufsverbots von Glühlampen schärfere Kontrollen in den Supermärkten. Ein Vorschlag mit fatalen Folgen, der unser Land verändern wird.

Eine Glosse von Tobias Schülert und Björn Erichsen

Seit Günther Oettinger zum EU-Kommissar für Energiefragen in Brüssel berufen wurde, sprüht der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident nur so vor Ideen: Atomkraft stärken, deutsche Ökostromumlage abschaffen, EU-Kontrolleure in die griechische Verwaltung schicken. Unvergessen auch sein, nun ja, unkonventioneller Vorschlag zur Eurokrise: Einfach die Flaggen der größten Schuldenstaaten zur Strafe auf Halbmast hängen. Nun gibt es einen neuen Plan aus Oettingers Ideenschmiede: Um das ab dem 1.September in Kraft tretende Verkaufsverbot durchzusetzen, fordert der Kommissar aus Schwaben die ultimative Glühbirnenkontrolle.

Vor allem sie steht im Visier der Leuchtfaden-Fahnder: die "stoßfeste Spezialglühlampe". Für die gilt nämlich eine Ausnahmeregelung, weil sie in Handwerk und Bergbau benötigt wird. Damit jedoch ihr weiches, warmes Licht die auf Energieentzug gesetzten Deutschen nicht in Versuchung führt, sollen Überwachungspatrouillen durch die Märkte streifen und darauf achten, dass die Speziallampen nicht "im gleichen Regal mit LED oder Energiesparlampen für Normalhaushalte" liegen. Brillante Idee vom Oettinger: Was der Kunde nicht gleich sieht, wird er schon nicht kaufen. Und welcher notorisch faule Konsument würde schon einfach so ins Nachbarregal greifen?

Hausbesuche der Stromsparhelfer

Die Bundesländer allerdings finden den Vorschlag von Energy-Günther höchstens halbsuper. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen etwa möchte man derzeit lieber kein Extra-Personal zur Glühlampenkontrolle einstellen. Brandenburg teilte mit, es brauche dafür zehn Leute, habe aber keine. Einzig das ewig klamme Berlin will sieben neue Stellen zur Marktüberwachung schaffen. Die zugehörige Ausschreibung kann man sich schon vorstellen: "Stromstoßresistente Mitarbeiter unter Hochspannung gesucht." An dieser Stelle könnte Oettinger erneut punkten und wieder mal die arbeitslosen Schlecker-Frauen ins Spiel bringen – die haben schließlich Zeit und kennen sich aus mit Haushaltswaren.

Aber warum sollten die Kontrollen der Glühbirnenpolizei eigentlich auf den Handel beschränkt bleiben? Wer es als Bürger mit der Energiewende ernst meint, muss sich eben auch zu Hause unter den Lampenschirm schauen lassen. Oettingers Gedanken treffen da auf die Idee eines anderen großen Denkers aus der CDU: Umweltminister Peter Altmaier, der gerade erst vorgeschlagen hat, dem Volk mit "Stromsparhelfern" auf die Pelle zu rücken. Selbstverständlich nur, um dadurch "steigende Strompreise auszugleichen". Man kann sich diese Hausbesuche schon vorstellen: Da klingelt es spät nachts an der Tür, man habe noch Licht gesehen und wolle nun gerne mal wissen warum. Und wehe, wehe, es steht auch noch der Fernseher auf Standby …

And the winner is: Günther Oettinger

Wohin das führt, ist abzusehen: Mit Beginn der Glühlampen-Prohibition im September werden sich die Menschen hierzulande heimlich in Hinterzimmern treffen, im warmen Schein von Leuchtfadenlampen und nach Herzenslust Elektrogeräte ein- und ausschalten. Zutritt nur für Reiche, denn selbstverständlich kommt der Schwarzmarkt schnell in Gang. Mafia-Banden kämpfen um die fettesten Birnendeals, selbst in Afghanistan lassen sie den Mohnanbau links liegen und fangen an, an Glühbirnen zu schrauben. Der deutschen Regierung bleibt irgendwann keine andere Wahl: Der Energie-Anarchie wird man nur noch Herr mit dem Einsatz der Bundeswehr im Inland.

Und Oettinger? Der fühlt sich weiterhin pudelwohl in Brüssel. Da niemand mehr Strom verbraucht, hat er die Energiewende überflüssig gemacht und vertickt die überschüssigen Kilowattstunden für günstiges Geld an die Pleitestaaten, die damit ihre Haushalte sanieren. Schluss mit der Eurokrise, da muss keine Flagge mehr auf Halbmast hängen. Der 58-Jährige hat gerade erst in einem Interview geäußert, dass er auch nach dem Ende seiner Amtszeit als EU-Kommissar Politik und Wirtschaft noch möglichst lange erhalten bleiben möchte. Da kann man sicher sein: Früher oder später gehen dann wirklich alle Lichter aus.