Orkantief "Franz" Niedersachsen erwartet Sturmflut


Das Orkantief "Franz" hat Europa mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern fest im Griff: Etliche Bäume stürzten bereits um, ein Mann in England kam dabei zu Tode. Und Niedersachsen richtet sich auf eine Sturmflut ein.

Die niedersächsische Norseeküste richtet sich auf eine Sturmflut ein. Laut Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) werde das Tidehochwasser am frühen Freitagmorgen eineinhalb bis zwei Meter höher als normal auflaufen. Man rechne mit einer Überflutung von Hafenflächen und Stränden. Auf den ostfriesischen Inseln werde das mittlere Tidehochwasser voraussichtlich um eineinhalb Meter, in der Emsmündung um zwei Meter überschritten. Es sei mit Windstärke neun und Orkanböen zu rechnen. In Hamburg wird ein Hochwasser erwartet.

Im restlichen Deutschland richte das Orkantief "Franz" bereits jetzt schwere Schäden an. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern mussten Feuerwehr und Polizei in Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin mehrmals wegen umgestürzter Bäume, Blitzeinschlägen und umher fliegender Bauteile ausrücken. Der Schiffsverkehr an der Küste in Niedersachsen und Schleswig-Holstein war stark eingeschränkt. Während es in Deutschland zunächst keine Berichte über Verletzte gab, wurde in England ein Autofahrer von einem Baum erschlagen.

Geschwindigkeit von fast 160 Stundenkilometern

Mit einer Geschwindigkeit von fast 160 Stundenkilometern pfiff der Wind nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia am kräftigsten auf dem Brocken im Harz. Im Oberharz riss der Sturm in der Nacht Bäume um. Auf den Nordseeinseln Sylt und Helgoland bliesen die Orkanböen mit mehr als 120 Stundenkilometern. In der Nähe von Husum wehte der Wind einen Lastwagen um. Fast alle Fährverbindungen zu den nordfriesischen Inseln fielen aus. Inseln wie Föhr oder Amrum waren vom Festland abgeschnitten.

Auch die Schifffahrt zu einigen ostfriesischen Inseln war eingeschränkt. Die einzige Winterverbindung von Cuxhaven nach Helgoland musste eingestellt werden. In Bremerhaven deckte der Wind unter anderem ein Hallendach ab. Bei Oldenburg beschädigte ein Baum eine Bahn-Oberleitung. In Nordrhein-Westfalen entwurzelten heftige Böen zahlreiche Bäume, einem Taxifahrer im Kreis Aachen krachte ein Fassadenteil auf das Auto. Im Münsterland stockte der Berufsverkehr wegen herabgestürzter Dachziegel.

Unterdessen waren in Nordostpolen nach dem nächtlichen Sturm rund 2500 Haushalte ohne Strom. Umstürzende Bäume hatten zahlreiche Stromleitungen unterbrochen. An der Kanalküste in Frankreich kam der Schiffsverkehr zum Erliegen, weil der englische Hafen Dover geschlossen wurde. In Großbritannien richteten Wind und Regen erhebliche Schäden an. In Wales waren 80.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.

DPA/AP AP DPA

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