Papst-Politik Strenger Kurs


Johannes Paul II. wird nicht als großer Reformer in die Geschichte des Papsttums eingehen. In Fragen der Ökumene und des Zölibats sowie in der Frage, ob Frauen Priesterinnen werden können, blieb er unnachgiebig.

Auch wenn das Pontifikat von Johannes Paul II. noch nicht zu Ende ist, steht eines fest: Er wird nicht als großer Reformer in die Geschichte eingehen. Im Gegenteil hat er in den 25 Jahren seit seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche einen betont konservativen Kurs gefahren, der innerkirchlich für nicht wenige Spannungen und Unzufriedenheit an der Basis gesorgt hat. Auch in der Ökumene, die zu seinen Herzensanliegen zählt, hat der Papst nur wenig vorangebracht. Vor allem die angestrebte Versöhnung mit der Orthodoxie ist ihm nicht gelungen. Der erhoffte Besuch in Moskau dürfte wohl nicht mehr zu Stande kommen.

Vorwürfe von Kritikern

Auch wenn er als junger Bischof das Zweite Vatikanische Konzil Anfang der 60er Jahre maßgeblich mitgestaltet hatte, sperrte sich Karol Wojtyla als Papst gegen weitere Änderungen in der Kirche. Kritische Theologen werfen ihm vor, den unter Papst Johannes XXIII. eingeleiteten Reformprozess gestoppt zu haben.

Tatsächlich fährt Johannes Paul II. kirchenintern einen besonders strengen Kurs. So erhielten Priester unter seinem Vorgänger Paul VI. noch problemlos die Erlaubnis, ihr Amt niederzulegen und zu heiraten. Diese Praxis wurde von Wojtyla beendet. Wenn ein Priester heiraten will, wird er heute quasi aus der Kirche ausgestoßen. Das Zölibat (Eheverbot) für Priester darf nach Ansicht von Johannes Paul II. nicht angetastet werden - obwohl sich einige Bischöfe schon dafür ausgesprochen haben, angesichts des zunehmenden Priestermangels vor allem in den Industriestaaten auch verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen.

Taube Ohren im Vatikan

In der Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt hat der Papst sogar ein Diskussionsverbot erteilt. Reformorientierte Gruppen - wie etwa in Deutschland und Österreich - stoßen im Vatikan auf taube Ohren. So ist bei der künstlichen Empfängnisverhütung Johannes Paul II. zu keinen Konzessionen an die eigenen Gläubigen bereit. Selbst den Gebrauch von Kondomen zum Schutz gegen Aids lehnt der Vatikan aus theologischen Gründen weiterhin ab. Die Anti-Baby-Pille wurde schon von Paul VI. geächtet. Katholische Ehepaare sollten sich nach Ansicht des Papstes nur auf natürliche Methoden verlassen, um Schwangerschaften zu vermeiden.

Nur eine Minderheit der Katholiken hält sich an die strenge Sexualmoral, die keinen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe erlaubt. Dasselbe gilt für die Aufrufe des Papstes an die Jugend, sich in Keuschheit zu üben. Das ändert jedoch nichts daran, dass der schwer kranke Papst vor allem bei der Jugend besonders beliebt ist.

Extrem konservative Gruppen gewinnen an Einfluss

Trotz seiner zahlreichen Auslandsreisen ist die von Johannes Paul II. geforderte "Neuevangelisierung Europas" nicht recht voran gekommen. Im Gegenteil haben unter seinem Pontifikat extrem konservative Gruppen wie das Opus Dei kirchenintern an Einfluss gewonnen. Sie schrecken vielfach sogar liberal orientierte Gläubige ab. Geächtet wurde vom Papst die so genannte "Befreiungstheologie", deren Vertreter wie Leonardo Boff in Lateinamerika wegen der Forderung nach mehr Rechten für die verarmte Bevölkerung mit den politischen Machthabern in Konflikt geraten waren.

Giovanni Facchini DPA

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