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Pro & Contra zu Cannabis-Clubs: Ziehen oder nicht ziehen - das ist hier die Frage

Am Joint oder Hanfpflänzchen im Garten ziehen - das ist eine prima Sache. Oder doch der Einstieg in die Kriminalität? Die Drogenpolitik der Linken stürzt unsere Autorin in einen gewissen Zwiespalt.

Von Mareike Rehberg

Im Garten Eden der Hanfgewächse

Welch' paradiesische Vorstellung für jeden Sympathisanten des gelegentlichen Kräuterkonsums, auch wenn er sich, wie ich, nicht sicher ist, auf welcher Seite er eigentlich steht: Findet die Idee der Linkspartei Gehör, so könnte es dereinst flächendeckend Cannabis-Clubs nach spanischem Vorbild geben, in denen Mitglieder gegen einen Vereinsbeitrag ihr Gras zum Eigenbedarf abholen können. Verspüren sie die Lust auf einen gepflegten Joint, müssen sie nicht mehr irgendwelche zwielichtigen Kontakte aktivieren und in dunklen Parks oder Gassen herumlungern. Sie werden nicht mehr gezwungen, in aufwendig getarnten Schränken mit Kunstlicht ein paar mickrige Pflanzen zu ziehen und ihren Stromverbrauch in die Höhe zu treiben. Ihr Drogenkonsum wäre ebenso legal wie der von Alkohol oder Tabak und würde sich deutlicher von wirklich harten Substanzen abgrenzen.

Denn genau hierin liegt die Paradoxie des derzeitigen Verbots: Die schädliche Wirkung von Marihuana oder Haschisch ist nicht ansatzweise mit der von Heroin oder Kokain zu vergleichen, Studien schätzen das Schadenspotential von Cannabis sogar noch geringer ein als das von Alkohol und Zigaretten. Als logische Konsequenz aus dem Cannabisverbot müsste die Regierung also eigentlich auch die Prohibition einführen und Rauchen unter Strafe stellen.

Eine Legalisierung der aromatischen Grünpflanze hätte noch einen weiteren Vorteil: Der Konsument weiß, was er bekommt und ist auf der sicheren Seite. Wer nicht selbst anbaut, sondern seinen Bedarf auf dem Schwarzmarkt deckt, muss immer damit rechnen, verunreinigten Stoff zu bekommen, dessen Folgen für die psychische und physische Gesundheit nicht absehbar sind. Wer kifft, nimmt das Risiko für Atemwegs- und andere Erkrankungen bewusst in Kauf, auf Bleivergiftungen oder Horrortrips kann er aber getrost verzichten.

Beschaffungskriminalität wird der Nährboden entzogen

Der kontrollierte und auf bestimmte Mengen beschränkte Eigenanbau von Hanfpflanzen in Cannabis-Clubs würde außerdem womöglich auch dafür sorgen, dass der "Reiz des Verbotenen" entfällt, den die Dämonisierung jeder Droge unvermeidlich nach sich zieht. Der Ruf der "Einstiegsdroge", der Cannabis hartnäckig anhaftet, würde sich verflüchtigen. Zudem dürfte die vereinsmäßige Organisation der legalen Kiffer-Stübchen eher die Piefigkeit einer Kleingartenanlage versprühen als den Charme der dekadenten Coolness - und damit suchtgefährdete Charakter eher abschrecken als an sich binden.

Nicht zuletzt würden Cannabis-Clubs und die damit einhergehende Legalisierung der gesamten Beschaffungskriminalität wenn nicht einen Riegel vorschieben, so diese doch zumindest eindämmen. Die "Einstiegsdroge" begründet nämlich in vielen Fällen weniger eine steile Konsumenten- als vielmehr eine geradewegs in kriminelle Abgründe driftende Dealerkarriere. Illegale Importe aus Afghanistan, Marokko oder dem Libanon wären überflüssig, wenn Konsumenten ihr Gras aus dem Club um die Ecke beziehen könnten.

Ein maßvoller Kiffer, der Marihuana und Haschisch ebenso verantwortungsvoll konsumiert wie Alkohol, kann den Vorstoß der Linkspartei deshalb nur begrüßen.

Kiffer-Clubs gefährden unsere Jugend

Wie naiv bitte ist die Vorstellung, die Etablierung von Cannabis-Clubs diene dem Gesundheitsschutz und helfe Süchtigen, sich vom Gras zu befreien? Sicher wäre ein paar Althippies damit gedient, wenn sie nicht mehr dauernd in die Niederlande fahren müssten, um sich in einer Wolke aus Wohlgefallen aufzulösen. Auch ich stehe der Legalisierung von Cannabis durchaus zwiespältig gegenüber. Dass aber die von der Linkspartei vorgeschlagenen Kiff-Vereine nur Volljährigen vorbehalten sein werden und Cannabis nicht an Dritte weitergegeben wird, ist völlig utopisch.

Wer bis drei zählen kann, ist in der Lage sich vorzustellen, dass die eigentlich gefährdete Konsumentengruppe, nämlich Jugendliche unter 20 Jahren, durch Cannabis-Clubs noch leichter an Marihuana und Haschisch kommt als über den Schwarzmarkt. Jeder Halbwüchsige hat einen volljährigen Bekannten, der in solch einen Verein eintreten kann. Der erlaubte Besitz von 30 Gramm pro Person reicht außerdem für mehrere Bong-Sessions unter Freunden, zumal im Antrag der Linken nicht näher festgelegt ist, auf welchen Zeitraum sich diese Menge erstreckt. Gelegenheitsdealern eröffnet sich so außerdem eine attraktive zusätzliche Beschaffungsmöglichkeit.

Nur noch ein riesiges verquarztes Nichts im Kopf

Erwachsene Gelegenheitskiffer können noch so oft die Harmlosigkeit ihres Suchtstoffes betonen - wer regelmäßig mit lethargischen jungen Männern zu tun hat, die kein vernünftiges Gespräch mehr führen können und statt Schule oder Studium nur noch ein riesiges verquarztes Nichts im Kopf haben, weiß, dass das Quatsch ist. Der Körper mag zwar vom THC nicht abhängig werden, die Psyche wird es dafür unter Umständen umso mehr. Erst im vergangenen Jahr haben niederländische Wissenschaftler zudem nachgewiesen, dass langfristiger Cannabiskonsum tatsächlich psychotische Störungen wie Schizophrenie befördert, insbesondere bei Menschen, die dafür ohnehin anfällig sind.

Natürlich, Kiffer sind friedlicher als randalierende Horden unter Alkoholeinfluss, sie ruinieren sich nicht die Leber und übermäßiger Haschischkonsum führt auch nicht sofort zum Tod. Aber wenn es stimmt, dass Cannabis einen viel höheren Wirkstoffgehalt hat als noch vor 20 oder 30 Jahren, dann kann man heutige Rauschzustände auch nicht mehr mit denen der 60er- und 70er-Jahre vergleichen.

Dass die Droge Cannabis entkriminalisiert werden und in ihrer Gefährlichkeit Alkohol und Tabak zumindest gleichgestellt werden muss, steht außer Frage. Ob Cannabis-Clubs und die von den Linken geforderte langfristige komplette Legalisierung inklusive Coffeeshops allerdings die richtige Strategie darstellen, darf bezweifelt werden. Viel eher sollten sich die Linken und die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans fragen, ob nicht auch bei der Prävention von Alkohol- und Tabakmissbrauch unter Jugendlichen noch viel Luft nach oben ist.