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Prozess: Heesters wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe

Der Entertainer Johannes Heesters wehrt sich gerichtlich gegen Behauptungen, 1941 im Konzentrationslager Dachau aufgetreten zu sein. Er habe zwar das KZ besucht, allerdings nicht als Sänger. Heesters feiert im Dezember seinen 105. Geburtstag.

Der Entertainer Johannes Heesters geht gerichtlich gegen Veröffentlichungen vor, wonach er im Jahr 1941 bei einem Besuch des Konzentrationslagers Dachau auch als Sänger aufgetreten sein soll. Die Verhandlung vor dem Landgericht Berlin findet am kommenden Donnerstag statt, wie Heesters Anwalt Gunter Fette am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP sagte.

Heesters kommt nicht zum Prozess

Heesters bestreitet nicht, das KZ besucht, wohl aber, dabei vor der SS gesungen zu haben. Heesters klage gegen den Berliner Autor Volker Kühn auf Unterlassung und Widerruf, sagte Fette, der mit seiner in München ansässigen Kanzlei auf Kunst und Unterhaltung spezialisiert ist. Kühn behaupte unter anderem, Heesters sei 1941 "zur Ertüchtigung und zum Vergnügen" vor der SS aufgetreten. Das sei falsch. Der am 5. Dezember 1903 geborene Heesters wird Fette zufolge nicht zur Verhandlung kommen.

Der Streit über den angeblichen Heesters-Auftritt vor Nazis im KZ Dachau geht schon viele, viele Jahre. Heesters hatte in der Vergangenheit stets betont, "dass ich mich für diesen von den Nazis vorgeschriebenen Besuch, auch wenn ich keinerlei Chance hatte, mich diesem zu entziehen, abgrundtief schäme". Auf seiner Homepage tritt er aber der "fälschlichen und immer wieder aufgekommenen Behauptung" entgegen, "dass ich bei dieser Gelegenheit auch vor dem SS-Wachkorps gesungen habe". Dies sei "mittlerweile glücklicherweise endlich widerlegt worden". 2006 habe endlich bewiesen werden können, dass es den entsprechenden Auftritt nie gegeben habe.

Musikverlag ist anderer Meinung

Kühn und der Berliner Musikverlag duo-phon, der Arbeiten von Kühn im Programm hat, sehen das jedoch anders. "Neuere Forschungen haben dagegen ergeben, dass es sehr wohl einen solchen Heesters-Auftritt gegeben hat", erklärte duo-phon. Heesters sei im Mai 1941 einer Einladung des KZ-Kommandanten Piorkowski gefolgt, gemeinsam mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters das Konzentrationslager Dachau zu besuchen. Kühn habe in mehreren Veröffentlichungen auf Zeugenaussagen verwiesen, die einen Heesters-Auftritt vor der SS bekräftigten. Auch der ehemalige Dachau-Häftling und spätere Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka habe in einem TV-Interview erklärt, damals im KZ für Heesters den Vorhang gezogen zu haben.

Insbesondere in Heesters’ niederländischer Heimat sorgt seine Karriere während der NS-Zeit immer noch für heftigen Unmut. Als Heesters im Februar dieses Jahres in seiner Geburtsstadt Amersfoort zum ersten Mal nach 44 Jahren wieder auftrat, wurde er von Demonstranten ausgepfiffen. "Ja, ich habe Filme im Dritten Reich gedreht, Unterhaltungsfilme, die unzählige Menschen in- und außerhalb Deutschlands vom Kriegsalltag abgelenkt haben", schreibt Heesters auf seiner Homepage. In Deutschland hätten ihn damals "die größeren Karrierechancen" gelockt.

Damals habe ihm niemand vorgeworfen, dass er nach Deutschland gehe. Er habe jedoch in keinem einzigen Propagandafilm mitgewirkt, der das faschistische System verherrlicht hätte, betont Heesters. "Von mir finden sie keine Wahlaufrufe für Hitler, und nach Fotos von mir, die mich an der Seite der braunen Parteiprominenz zeigen, suchen sie vergebens." Wo immer möglich, habe er Arbeitsüberlastung vorgeschoben, um Nazi-Empfängen zu entgehen.

"In der deutschen Filmbranche war es ein offenes Geheimnis, dass ich als liberal erzogener Niederländer mit den Nazis nicht viel anfangen konnte und dass ich mich den entsprechenden Vereinnahmungsversuchen so gut es ging entzogen habe." Er sei kein einziges Mal in den besetzen Niederlanden aufgetreten und habe sich "nicht vor den Karren der Nazis spannen lassen".

AP / AP