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Landwirtschaft: Jährlich sterben tausende Rehkitze durch Mähmaschinen – Drohnen sollen sie retten

Zwischen April und Juni werden Rehkitze geboren. Im gleichen Zeitraum müssen Wiesen gemäht werden – doch dort liegen die Jungtiere. Jäger und Tierschützer setzten Drohnen ein, um die Kitze zu finden und sie vor dem Mähtod zu bewahren.

Ein Rehkitz liegt in einer Wiese

Ein Rehkitz liegt im Gras und wartet auf die Wiederkehr seiner Mutter 

Getty Images

Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 100.000 Kitze durch Mäharbeiten. Rehkitze werden im Mai und Juni geboren. In den hohen Gräsern der Wiesen und Felder sind sie geschützt – bis die Mähzeit beginnt. Die Jungtiere werden von ihren Müttern, auch Ricken genannt, im hohen Gras abgelegt, während sie auf Nahrungssuche gehen. Dort holen sie ihre Jungen dann wieder ab. Doch in der Zwischenzeit droht den Kitzen der Mähtod. Denn in dieser Zeit müssen Wiesen gemäht werden, um Futter für Tiere zu gewinnen.

Große Mähmaschinen können pro Fahrt bis zu zwölf Meter abmähen. Die Jungtiere haben keine Chance, werden schwer verletzt oder sterben einen furchtbaren Tod – wenn sie nicht vorher von engagierten Jägern und Tierschützern entdeckt werden. Um den Kitzen diese Qual zu ersparen, nutzen Kitzretter Drohnen mit Wärmebildkameras, mit denen sie die Wiesen nach den Jungtieren absuchen. Tierschützer berichten im Interview mit n-tv, dass früher Hunde zum Einsatz kamen, um die Kitze aufzuspüren. Heute gibt es nicht mehr genug ausgebildete Spürnasen dafür.

Erfahrene Drohnenpiloten gesucht

Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera an der Unterseite ausgestattet. Sie zeichnet damit Temperaturunterschiede auf. "Ein Reh hat eine Körpertemperatur von 39 Grad Celsius, der Boden ist deutlich kühler", sagt Dagmar Seidenbacher vom Projekt Rehkitzrettung.

Dieses Jahr hat der Tierschutzbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Marco König, Vertreter der Landwirtschaft, Lohnunternehmen, der Jagd und Rehkitz-Helfer eingeladen, um über die sogenannte "Rehkitzhilfe" zu sprechen. Alle Parteien seien laut der "Mitteldeutschen Zeitung", bereit, an einer Lösung zu arbeiten. Für die Rettung der Jungtiere braucht man vor allem erfahrene Drohnenpiloten. Auf der Website kitzrettung-hilfe.de können sich sowohl Landwirte als auch Jäger, Hilfsorganisationen und Freiwillige registrieren. Mähtermine und Einsatzorte werden dort gesammelt und Freiwillige über Hilfegesuche informiert. 

Eine orangene Drohne mit Wärmebildkamera an der Unterseite fliegt über ein Feld

Die Drohne wird für die Suche nach Rehkitzen in einem Feld bei Gera benutzt 

DPA

Die abgebildete Drohe wurde vergangenes Jahr bereits in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen benutzt. In der Oberpfalz konnten ein Jäger und sein Sohn mit Hilfe ihrer eigenen Drohne innerhalb von drei Tagen bereits 40 Jungtiere retten, berichtete das lokale Onlinemedium "Onetz". 

Die Kitze werden an den Feldrand gebracht

Erfasst die Drohne eine Veränderung der Temperatur, suchen die Kitzretter an dieser Stelle. Die Jungtiere werden behutsam in eine Kiste gesetzt und an den Feldrand getragen. Dort rufen die Kitze nach ihrer Mutter. In den Wochen nach ihrer Geburt haben Rehkitze noch keinen natürlichen Fluchtinstinkt, sondern warten reglos auf die Rückkehr ihrer Mutter. Selbst vor den anfahrenden Maschinen flüchten sie nicht und fallen diesen so zum Opfer, wenn ehrenamtliche Kitzretter oder Jäger nicht bemüht wären, sie zu retten. 

Quellen: "Onetz", n-tv, "Mitteldeutsche Zeitung"kitzrettung-hilfe.de

fis