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Religiöse Unruhen in Kairo 13 Tote nach Gewalt zwischen Christen und Muslimen


Die Hochzeit zwischen einer Muslimin und einem Christen stachelte den Konflikt an: Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen koptischen Christen und Muslimen in Kairo sind 13 Menschen gestorben.

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen in Ägyptens Hauptstadt Kairo sind am Dienstagabend nach Angaben der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft mindestens 13 Menschen, Christen und Muslime, gestorben.

Mindestens 110 Menschen seien verletzt worden. Die Zusammenstöße begannen am Dienstagabend, als koptische Christen am Fuße des Mokattam-Hügels mit einem Sitzstreik die Zugänge zu den darüber liegenden Vierteln blockierten. Sie wollten damit gegen die Zerstörung einer koptischen Kirche südlich von Kairo am letzten Wochenende protestieren. Muslimische Anwohner waren wegen der Blockade erbost. Eine Menge von Muslimen ging daraufhin mit Messern, Brandsätzen und abgebrochenen Flaschenhälsen gegen die demonstrierenden Kopten vor. Auch Schusswaffen sollen zum Einsatz gekommen sein.

Die Spannungen, die zu der Tragödie führten, bauten sich über mehrere Tage auf. Am vergangenen Wochenende gerieten in der Ortschaft Sol südlich von Kairo, Christen und Muslime aneinander. Anlass war die Eheschließung eines christlichen Mannes mit einer Muslimin. Für die Muslime war dies unzulässig, weil aus ihrer Sicht - und nach den ägyptischen Gesetzen - ein Nicht-Muslim eine Muslimin nur dann heiraten darf, wenn er vorher zum Islam konvertiert. Bei dem handgreiflichen Streit zwischen den beiden Familien kamen beide Clan-Vorsteher ums Leben.

Muslimische Hitzköpfe zogen daraufhin durch die Ortschaft und steckten die koptische Märtyrer-Kirche in Brand. Seit dem Wochenende demonstrieren deshalb Hunderte Kopten vor dem Fernsehgebäude in Kairo, um vom Militär einen besseren Schutz für ihre Glaubensgemeinde und Gotteshäuser zu verlangen.

Die Muslimbruderschaft, die zu den größten Oppositionsgruppen in Ägypten gehört, machte Handlanger des Ex-Präsidenten Mubarak für die Ausschreitungen verantwortlich. "Diese Menschen folgen dem Prinzip 'aufspalten, um zu erobern'." Sie hätten eine Gruppe extreme Muslime angestachelt, den Konflikt anzuheizen, zitierte sie das Onlineportal Almasryalyoum

In Ägypten liefern sich Kopten und Muslime immer wieder heftige Auseinandersetzungen. Bei einem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria waren in der Neujahrsnacht 23 Menschen getötet worden. Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Sie sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt.

liri/AFP/DPA DPA

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