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Rom: Vatikan fordert Widerstand gegen Schwulen-Ehe

"Homosexuelle Beziehungen verstoßen gegen das natürliche Sittengesetz", so ein Zitat aus dem neuesten Papier des Vatikans. Alle Gläubigen werden darin zum Widerstand gegen die Legalisierung homosexuellen Partnerschaften aufgerufen.

Der Vatikan hat alle Gläubigen und katholischen Politiker zum Widerstand gegen die Legalisierung von Ehe-ähnlichen Partnerschaften von Homosexuellen aufgerufen. "Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Dokument der Glaubens-Kongregation.

"Sittliche Pflicht"

Der katholische Parlamentarier habe "die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern". Wer einer rechtlichen Anerkennung der so genannten "Schwulen-Ehe" zustimme, begehe "eine schwerwiegende unsittliche Handlung", heißt es weiter.

Adoptierten homosexuelle Paare Kinder, würde dies "faktisch eine Vergewaltigung der Kinder" bedeuten. Homosexuelle Praktiken "gehören zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen".

Das Vatikan-Dokument ist vom Präfekten der Glaubens-Kongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, unterzeichnet. Ausdrücklich heißt es, auch Papst Johannes Paul II. habe es angenommen. Das 14-Seiten-Dokument trägt den Titel "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen".

Gleichgeschlechtliche Ehe "entwertet eheliche Institution"

Zur Begründung des Widerstands gegen die "Schwulen-Ehe" heißt es, die Ehe sei eine Gemeinschaft von Mann und Frau zur Fortpflanzung. Daher werde sie von der Gemeinschaft geschützt und gefördert. "Die homosexuellen Lebensgemeinschaften bedürfen hingegen keiner spezifischen Aufmerksamkeit von Seiten der Rechtsordnung, da sie nicht die genannte Aufgabe für das Gemeinwohl besitzen." Eine Legalisierung der Homosexuellen-Ehe führe dazu, "dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde".

"Homosexuellen mit Achtung und Takt begegnen"

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat das Vatikan-Dokument ausdrücklich begrüßt. Zugleich betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann am Donnerstag in Bonn, Homosexuelle dürften nicht diskriminiert werden. Homosexuellen sei mit "Achtung und Takt zu begegnen". Die Legalisierung Ehe-ähnlicher homosexueller Partnerschaften füge dem Allgemeinwohl aber schweren Schaden zu.

"Es ist ein Kardinalfehler die Liebe zu bekämpfen"

Dagegen hat der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, das Papier zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft als ein "trauriges Dokument eines engstirnigen Fanatismus" bezeichnet. "Es ist ein Kardinalfehler, die Liebe zu bekämpfen", sagte Beck am Donnerstag in Berlin. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften hätten einen Anspruch auf Respekt und auf gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung, betonte Beck.

Beck erklärte: "Wenn Rom nun einen Kreuzzug gegen die Bürgerrechte der Lesben und Schwulen startet, ist das ein bedenklicher Schritt zur Selbstisolierung der katholischen Kirche in Deutschland." Er forderte alle demokratischen Politiker auf, den Abbau von Diskriminierungen "jetzt erst recht beherzt anzupacken". Den "fundamentalistischen Ausbruch" des Präfekten der Glaubens-Kongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, bezeichnete Beck als einen "Ausdruck der Schwäche". Er greife die homosexuelle Lebensgemeinschaft an, weil der Vatikan mit der Realität nicht mehr zurecht komme.

Whlversprechen einlösen

Unterdessen mahnt der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) eine umfassende Gleichberechtigung an. Bereits vor zwei Jahren war die Eingetragene Lebensgemeinschaft in Kraft getreten. Bislang seien etwa 7.000 derartige Partnerschaften geschlossen worden, teilte der Verband am Donnerstag in Berlin mit. Die Bundesregierung solle endlich aktiv werden und die im Wahlkampf versprochene Überarbeitung und Ergänzung des Lebenspartnerschaftsgesetzes angehen. Dabei sollten sich Politiker "nicht von fundamentalistischen Weisungen des Vatikans" leiten lassen.

Die ersten Ehen schlossen Homosexuelle in Deutschland am 1. August 2001. Damals gaben sich bundesweit Dutzende Paare das Ja-Wort. In Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern wurde das „Homo-Ehe„-Gesetz damals allerdings nicht fristgerecht umgesetzt.

Das Bundesverfassungsgericht entschied in einem Urteil vom 17. Juli 2002, dass das Lebenspartnerschaftsgesetz verfassungskonform sei. Der besondere Schutz der Ehe hindere den Gesetzgeber nicht, für die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft Rechte und Pflichten vorzusehen, die denen der Ehe gleich oder nahe kämen. Der LSVD fordert die Bundesregierung auf, die bestehenden Unterschiede in der Hinterbliebenenversorgung und im Steuer- und Beamtenrecht aufzuheben.

In den Niederlanden und in Belgien dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten. In Deutschland und Frankreich dürfen sie zwar keine Ehe eingehen, können aber eine ehe-ähnliche Lebenspartnerschaft schließen; Kinder adoptieren dürfen sie in beiden Ländern nicht. In Großbritannien gibt es entsprechende Pläne. In Kanada wird diskutiert, wie in den Niederlanden und Belgien die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zu erlauben.

DPA