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Schweinegrippe: WHO ruft höchste Warnstufe aus

Die Schweinegrippe ist zur Pandemie geworden: Die Weltgesundheitsorganisation hat den Alarm wegen der Krankheit auf die höchste Stufe angehoben. Damit gilt die Influenza A als eine Krankheit mit weltweiter Ausbreitung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe zur Pandemie erklärt. Angesichts der anhaltenden Ausbreitung des Erregers hob die WHO ihre Warnstufe von 5 auf das höchste Niveau 6 an, wie die WHO am Donnerstag in Genf erklärte. Das bedeutet eine weltweite und rasche Verbreitung der neuartigen Krankheit. Damit hat die WHO zum ersten mal seit 41 Jahren eine weltweite Grippepandemie erklärt.

Die WHO warnte jedoch vor Panikmache. Zu diesem frühen Zeitpunkt weise die Pandemie insgesamt eine gemäßigte Stärke auf, erklärte die Organisation. Grenzen sollten geöffnet bleiben und der Welthandel nicht unterbrochen werden. Die WHO stehe in engem Kontakt mit den Herstellern der Grippemedikamente.

Zuvor waren UN-Gesundheitsexperten angesichts steigender Infektionszahlen in den USA, Europa, Australien und Südamerika am Sitz der Organisation in Genf zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetroffen. Die Schweinegrippe verläuft nach WHO-Angaben zumeist glimpflich. Beunruhigend war für Experten jedoch, dass unter den 141 Todesopfern viele junge und gesunde Menschen waren - die sonst kaum einer normalen Grippe zum Opfer gefallen wären. Zudem hat sich die Verbreitung des Virus' mit dem Beginn des Sommers in der nördlichen Halbkugel entgegen einem normalen Grippevirus kaum verlangsamt.

Die Feststellung der Pandemie durch die WHO soll die Produktion von Grippemedikamenten beschleunigen, zudem sollen sich die Regierungen noch stärker um eine Eindämmung der Epidemie bemühen. Dennoch darf auch in Phase 6 jeder Staat seine Betroffenheit selbst abschätzen und einordnen. Angesichts der aktuellen Lage ändert sich somit in Deutschland nach offizieller Darstellung zunächst faktisch nichts.

Weltweit mehr als 27.000 Infizierte

Die letzte Pandemie, die Hongkong-Grippe von 1968, hat rund eine Million Menschenleben gefordert. Den Folgen einer normalen Grippe erliegen weltweit jährlich rund 250.000 bis 500.000 Menschen. WHO-Generalsekretärin Margaret Chan hatte noch am Mittwoch erklärt, vor der Ausrufung einer Pandemie müsse zunächst zweifelsfrei bewiesen werden, dass sich das Virus tatsächlich außerhalb von Nordamerika selbstständig ausbreite.

Jüngsten Zahlen der WHO zufolge haben sich bisher mehr als 27.700 Menschen in 74 Ländern mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Die meisten Fälle traten in Nordamerika auf; Australien verzeichnete jedoch in den vergangenen Tagen einen deutlichen Anstieg.

Experte rechnet mit weiteren Fällen in Deutschland

In Deutschland ist die Zahl der Schweinegrippe-Fälle mit der Erkrankung von mindestens 30 Kindern einer japanischen Schule in Düsseldorf sprunghaft auf mehr als 100 gestiegen. Den zumeist zwölf Jahre alten japanischen Kindern gehe es überwiegend gut, zwei von ihnen seien schwerer erkrankt, teilte das Düsseldorfer Gesundheitsamt am Donnerstag mit. An der Schule wurden hunderte Eltern und Kinder auf das neue H1N1-Virus getestet. Alle betroffenen Kinder sowie ihre Geschwister und Eltern wurden zu Hause unter Quarantäne gestellt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet mit einem weiteren Anstieg der Fälle in Deutschland. "Die Zahlen nehmen schon zu", sagte RKI-Präsident Jörg Hacker in der ARD. "In den letzten Tagen ist es so, dass wir täglich Neuerkrankungen von zunächst fünf, dann zehn und jetzt über zehn Fälle haben." Andere Länder verzeichneten eine vergleichbare Entwicklung.

DPA/AP / AP / DPA