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Begräbnisse verboten China: Mann soll falsche Leiche für Einäscherung besorgen – und tötet kurzerhand einen Passanten

In China werden Menschen oft verbrannt und ihre Asche anschließend in solchen Urnenwänden aufbewahrt
In China werden Menschen oft verbrannt und ihre Asche anschließend in solchen Urnenwänden aufbewahrt
© GODONG / Picture Alliance
In manchen Teilen Chinas sind Beerdigungen verboten. Eine wohlhabende Familie wollte das nicht akzeptieren und ließ sich eine Ersatz-Leiche für ihren toten Angehörigen besorgen. Allerdings war ihnen wohl nicht klar, was der Auftragnehmer dafür tun würde.

Die Geschichte beginnt mit einem für unsere westlichen Verhältnisse abstrusen Fakt: In der chinesischen Stadt Shanwei muss jeder Verstorbene per Gesetz eingeäschert werden. Bürger haben hier, wie auch in anderen Teilen Chinas, nicht das Recht zu entscheiden, was mit ihren sterblichen Überresten passiert. Viele wünschen sich aber dennoch eine Beerdigung. So wie ein Mann, der im Februar 2017 in eben jenem Shanwei an Krebs gestorben war. Das berichten unter anderem die "South China Morning Post" und die britische BBC unter Berufung auf Gerichtsakten.

Der Mann hatte demnach vor seinem Tod seine wohlhabende Familie darum gebeten, wider dem Gesetz eine Beerdigung für ihn zu organisieren. Aber die chinesischen Behörden kontrollieren, dass jeder Tote eingeäschert wird. Also beschlossen seine Angehörigen, eine falsche Leiche zu besorgen, die statt seiner im Krematorium landen sollte. Etwas unter umgerechnet 14.000 Euro sollte der recht außergewöhnlich Handel kosten.

Was die Familie aber wohl nicht ahnte: Der Mann, den sie bezahlt hatte, besorgte nicht den Körper einer bereits verstorbenen Person – er ermordete kurzerhand selbst jemanden.

Auftragnehmer ermordet behinderten Mann

Der Auftragnehmer sprach Anfang März 2017 einen 36-jährigen Mann mit Downsyndrom an, der auf der Straße nahe dessen Wohnung Müll sammelte. Dann überredete er diesen, zu ihm ins Auto zu steigen. Dort gab er ihm offenbar Unmengen an Alkohol, bis der behinderte Mann das Bewusstsein verlor.

Ob der Auftragnehmer sein Opfer dann tötete oder lediglich bewusstlos in den Sarg legte, konnte auch vor Gericht nicht restlos geklärt werden. In jedem Fall versiegelte er den Sarg mit vier Nägeln und übergab ihn zwei Tage später wie besprochen der trauernden Familie. Die ließ den jungen Mann einäschern und beerdigte ihren Angehörigen heimlich an einem unbekannten Ort.

Das Verbrechen liegt zwar schon mehr als vier Jahre zurück, kam allerdings erst jetzt an die Öffentlichkeit, weil eine chinesische Zeitung eine Reportage über die Familie des Opfers herausbrachte und aus den Gerichtsakten zitierte. Tatsächlich blieb das Verschwinden des jungen Mannes mit Downsyndrom lange ungeklärt. Mehr als zwei Jahre galt der Mann als vermisst, ehe die Polizei den Fall mithilfe von Überwachungsaufnahmen klären konnte. In China wird der öffentliche Raum oft videoüberwacht.

Faktencheck: Plastikeier aus China

So kamen die Ermittler dem Mörder des Mannes im November 2019 auf die Schliche und letztlich auch der Familie, die ihn beauftragt hatte. Die wiederum konnte jedoch offensichtlich glaubhaft machen, dass sie nichts von den Tötungsabsichten des Auftragnehmers gewusst hätte. Während der Auftragnehmer und Mörder im September 2020 zum Tode verurteilt wurde, kam die Familie ohne Gefängnisstrafen davon. Die Todesstrafe des Mannes wurde jedoch ausgesetzt und in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Vorausgesetzt, er wird nicht innerhalb von zwei Jahren erneut straffällig.

Beerdigungen in China beliebt

In manchen Teilen Chinas verbieten die Behörden Beerdigungen – vor allem, um den Platz, den ein Friedhof einnehmen würde, für andere Vorhaben frei zu halten. Ein Gesetz von 1997 legt allen eng besiedelten Gebieten Chinas nahe, die Einäscherung von Leichen zu bevorzugen. Das traditionelle Begräbnis aber ist bei vielen Chinesen weiterhin beliebt. In die Särge und Zeremonien wird oft viel Geld investiert, als Zeichen des letzten Respekts für den geliebten Angehörigen.

Quellen:  "Sout China Morning Post" / BBC


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