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Vermisste Kinder: Seit 16 Monaten verschwunden: Wo ist der kleine Aref?

Tausende Kinder werden jährlich bei der Polizei in Deutschland als vermisst gemeldet. Viele tauchen schnell wieder auf, wenige bleiben verschwunden. Der stern ruft in einer Serie Fälle in Erinnerung, an denen die Ermittler zum Teil seit Jahren arbeiten. Einer ist der Fall Aref Ismaili.

Der Junge Aref aus Wanfried in Hessen wird seit April 2016 vermisst

Der Junge Aref aus Wanfried in Hessen wird seit April 2016 vermisst

Montag, 4. April 2016 in der nordhessischen Kleinstadt Wanfried, es ist Nachmittag: Der damals vierjährige Aref Ismaili macht mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern einen Ausflug zum Spielplatz an der Werra, die durch den 4000-Seelen-Ort fließt. Es sollen ein paar unbeschwerte Stunden beim Toben und Spielen werden, erst wenige Monate zuvor ist die Familie nach langer Flucht aus Afghanistan nach Deutschland gekommen.

Für die Familie aber wurde es der womögliche schlimmste Tag im Leben: Gegen 18 Uhr verliert die Mutter ihren Sohn aus den Augen, danach hat sie ihn nie wieder gesehen.

Sie sucht ihr Kind. Zu Hause: nichts. Auf dem Spielplatz am Hafen: nichts. Sie befragt mit einer Bekannten Passanten: nichts. Sie alarmiert die Polizei. Man befürchtet, der kleine Junge könnte in die Werra gefallen sein. Anwohner, Feuerwehrleute, Polizisten, Helfer von DLRG und DRK, sie alle suchen stundenlang die Umgebung ab: wieder nichts.

Trotz Großeinsatzes weiter keine Spur von Aref Ismaili

Die Polizei zieht in den Folgetagen alle Register: Taucher, Hubschrauber, Sonarboote, Spürhunde machen sich auf den Weg nach Wanfried, sogar der Pegel des Flusses wird abgesenkt. Nichts.

Der Junge Aref aus Wanfried in Hessen wird seit April 2016 vermisst

Der Junge Aref aus Wanfried in Hessen wird seit April 2016 vermisst

Die Ermittler gehen an die Öffentlichkeit, auch mit der Beschreibung des Jungen: Er war zum Zeitpunkt seines Verschwindens etwa einen Meter groß, hat einen dunklen Teint und schwarzes, lockiges Haar. An dem Montag im April 2016 war er mit einem grünen Oberteil und einer dunklen Hose bekleidet.

Zeugen melden sich bei der Polizei. Gesehen hat den Jungen niemand, aber in dem kleinen Ort haben sie am Tag von Arefs Verschwinden einen schwarzen BMW beobachtet. Unter anderem stand er vor der Flüchtlingsunterkunft, in der die Familie lebte und er war in der Nähe des Spielplatzes, an dem Aref verschwand, unterwegs. Auch der Mutter des Jungen ist der Wagen aufgefallen.

Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich auf BMW

Auf dieses Auto konzentrieren sich die Ermittlungen der Polizei. Möglicherweise hat der Fahrer des Wagens mit dem Verschwinden des Vierjährigen zu tun, möglicherweise kann er aber auch als Zeuge wichtige Hinweise geben. Zeichner des Landeskriminalamtes erstellten ein Phantombild des Mannes.

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem Fahrer des BMW

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach dem Fahrer des BMW


Er soll etwa zwischen 60 und 70 Jahre alt sein, einen grau-weißen Haarkranz mit gelocktem Haar und eine markante Nase haben. In den BMW ist nach Zeugenaussagen am Mittag zudem eine dunkelblonde Frau eingestiegen. Sie soll Ende 30, Anfang 40, circa 1,55 bis 1,60 Meter groß und sehr dünn gewesen sein. Ihre Haare reichten bis zum Gesäß.

Bei dem Auto handelt es sich wahrscheinlich um einen schwarzen BMW X5 mit getönten Scheiben und Berliner Kennzeichen, an dessen Innen-Rückspiegel ein Traumfänger oder Ähnliches hing.

Einen solchen BMW X5 soll der Verdächtige oder Zeuge gefahren sein

Einen solchen BMW X5 soll der Verdächtige oder Zeuge gefahren sein


Bei Mutter Mozhda Ismaili wuchs die Verzweiflung immer mehr: "Ich schaue jede Sekunde, jede Minute zur Tür und denke, dass mein Kind hereinkommt", erzählte sie später in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". "In der Nacht fühlt es sich an, als wolle mich der Tod holen." Und unter Tränen flehte sie: "Ich bitte einen möglichen Entführer, mein Kind zurückzubringen!"


"Wir ermitteln in alle Richtungen"

Dennoch: Auch die Ausstrahlung in der Fahndungssendung und anschließende Hinweise brachten die Polizei bei der Suche nach dem kleinen Jungen nicht weiter. "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen. Weder eine eine Straftat noch einen Unfall können wir ausschließen", sagte eine Beamter dem stern 16 Monate nach dem Verschwinden von Aref. Die Hoffnung gibt man nicht auf in Nordhessen.

Wer Hinweise zum Verbleib von Aref Ismaiili oder zu den gesuchten Personen bzw. dem BMW machen kann, wird gebeten sich an die Kriminalpolizei Eschwege unter (05651) 9250 wenden. Weitere Informationen zu dem Fall hat die hessische Polizei auf einer Internetseite zusammengestellt.

Maddie