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Dreijähriger Junge erstochen: 15-jährige Mordverdächtige gefasst – ein Zeuge erkannte sie

Eine 15-Jährige soll in Detmold ihren dreijährigen Halbbruder erstochen haben. Rund zwölf Stunden nach der Tat kann die Polizei die Festnahme der Verdächtigen melden. Die Ermittler hatten öffentlich gefahndet, mit Erfolg.

Festgenommene 15-Jährige; Polizeibeamtin am Tatort in Detmold

Die Polizei hat die gesuchte 15-Jährige, die im Verdacht steht, in Detmold (Kreis Lippe, Nordrhein-Westfalen) ihren dreijährigen Bruder mit einem Messer umgebracht zu haben, festgenommen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei dem stern.

Die Gesuchte wurde demnach in Lemgo von einem Zeugen erkannt, der die Polizei alarmiert hat. Im Ortsteil Brake nahmen Beamte das Mädchen fest, rund zehn Kilometer vom Tatort entfernt. Die 15-Jährige soll nun befragt werden. Im Falle einer Verurteilung muss sie mit einer Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen. Weitere Details zu der Festnahme sind bisher noch nicht bekannt.

Hintergründe der Tat in Detmold noch unklar

Die Arbeit für die Ermittler fängt nach der Festnahme der Verdächtigen erst richtig an. Sie müssen jetzt das Motiv, weitere Hintergründe und den Ablauf der Tat klären. Hier sind noch viele Fragen offen. Zu den genauen Familien- und Wohnverhältnissen oder möglichen Augenzeugen der Bluttat konnte die Polizei am Donnerstagmorgen noch keine Angaben machen.

Bekannt ist, dass dem dreijährigen Jungen am Mittwochabend gegen 21 Uhr mit einem Messer tödliche Stichverletzungen in einem Mehrfamilienhaus in der Detmolder Neulandstraße zugefügt wurden und die Tatverdächtige zunächst in unbekannte Richtung flüchtete. Die betroffene Familie werde betreut, sagte der Polizeisprecher. Der Leichnam des kleinen Jungen soll im Tagesverlauf von Rechtsmedizinern untersucht werden.

Die Polizei richtete eine 15-köpfige Mordkommission "Neuland" ein und begann kurz nach der Tat mit einer Großfahndung. Unter anderem sollen ein Hubschrauber und Hunde im Einsatz gewesen sein.

Bemerkenswert in dem Fall ist die schnelle Einleitung einer Öffentlichkeitsfahndung inklusive Veröffentlichung eines Fotos und des vollen Namens der Jugendlichen rund neun Stunden nach der Tat. Für eine solche Fahndung gelten enge Grenzen. Mit Blick auf die Unschuldsvermutung und die Persönlichkeitsrechte der Gesuchten müssen zunächst andere erfolgversprechende Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Zudem muss ein Richter die Veröffentlichung genehmigen. Eine Polizeisprecherin: "Wir haben mit großem Aufgebot das gesamte direkte Umfeld der Jugendlichen abgesucht, ohne Erfolg." Die Voraussetzungen für eine Öffentlichkeitsfahndung nach der "dringend Tatverdächtigen" seien gegeben gewesen, ein Richter habe dann auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Beschluss gefasst. Letztendlich führte die Maßnahme zum Fahndungserfolg.

Quellen: Polizeipräsidium Bielefeld, Nachrichtenagentur DPA

wue