HOME

Tod von George Floyd: Eigentümer, aus dessen Laden der Notruf kam: "Ich wünschte, die Polizei wäre nie angerufen worden"

Nach dem Tod von George Floyd hat sich jetzt der Besitzer des Ladens zu Wort gemeldet, aus dem die Polizei gerufen worden war, die den Afroamerikaner bei seiner Festnahme tötete.

George Floyds Bruder mahnt zu friedlichem Protest

George Floyd war ins Visier der Beamten geraten, weil er verdächtigt wurde, in einem Geschäft Zigaretten mit Falschgeld bezahlt zu haben. Der von der Polizei in Minneapolis getötete Afroamerikaner saß in der Nähe des Ladens in seinem Auto, als er von insgesamt vier Beamten zunächst kontrolliert und dann festgenommen wurde, und dabei durch das brutale Vorgehen der Polizisten starb.

Der Eigentümer von Cup Foods, dem Geschäft, aus dem heraus ein Angestellter den Notruf gewählt hatte, hat sich jetzt auf Facebook zu Wort gemeldet und angekündigt, in vergleichbaren Fällen nicht mehr die Polizei zu verständigen. Cup Foods stehe in regelmäßigem Kontakt mit Floyds Angehörigen und spreche ihnen, Floyds Freunden und der Gemeinschaft von Südminneapolis das tiefste Beileid aus, schrieb Mahmoud Abumayyaleh, dessen Familie den Laden US-Medien zufolge seit mehr als 30 Jahren führt. "Wir sind zutiefst betrübt und empört über das, was George Floyd vor unserem Laden passiert ist." Es gebe keine Rechtfertigung für die rücksichtslose Gewaltanwendung durch die Polizei. Cup Foods unterstütze die Protestierenden und teile ihren Zorn.

"George Floyd ist kein Einzelfall"

"Die Vorfälle, die zu diesem Ereignis geführt haben, lehren uns alle eine wichtige Lektion im Umgang mit der Polizei", heißt es in der Stellungnahme weiter. Das Gesetz verlange von den Geschäften, bei gefälschten Banknoten die Polizei zu rufen, dies sei Routinepraxis. "Wir melden gefälschtes Geld, dann kommt die Polizei und fragt die Kunden nach dem Geldschein, um seine Herkunft zu ermitteln", erklärte Abumayyaleh. Nach Erhalt eines gefälschten Geldscheins von George Floyd habe einer der Cup-Foods-Mitarbeiter dem Verfahren entsprechend die Polizei alarmiert. Abumayyaleh selbst sei zu diesem Zeitpunkt nicht im Geschäft gewesen.

Vier Beamte seien vor Ort erschienen und hätten die Situation mit zunehmender Anwendung von Gewalt und Zwang eskaliert, kritisierte der Ladenbesitzer. Sein Neffe habe den Polizisten zugerufen, sie mögen aufhören und sei daraufhin von einem der Beamten weggestoßen worden. Es sei wahrscheinlich, dass Floyd nicht einmal gewusst habe, dass er mit einem gefälschten Schein bezahlt hatte, mutmaßte Abumayyaleh: "Wir sind zutiefst betrübt über unseren Anteil an dieser Tragödie."

Cup Foods would like to extend its deepest condolences to George Floyd’s family, friends and the South Minneapolis...

Gepostet von Mahmoud Abumayyaleh am Sonntag, 31. Mai 2020

Die Polizei solle ihre Gemeinden schützen und ihnen dienen, forderte Abumayyaleh. Stattdessen missbrauche sie immer wieder ihre Macht und verletzte das Vertrauen der Menschen. George Floyd sei kein Einzelfall. Die Polizei habe immer wieder gezeigt, dass sie mit Konflikten in der Gemeinde nicht friedlich umgehen könne. "Bis die Polizei damit aufhört, unschuldige Menschen zu töten, werden wir Vorfälle wie diesen mit gewaltfreien Taktiken behandeln, an denen die Polizei nicht beteiligt ist", kündigte der Ladenbesitzer an. "Wir müssen zusammenstehen, um gegen institutionellen Rassismus zu kämpfen."

Neues Video aufgetaucht: Drei statt nur einem Polizisten knieten auf George Floyd

Abumayyaleh forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, in ihren Gemeinden daran zu arbeiten, "Alternativen zur Polizeiarbeit zu finden, bis zu dem Punkt, an dem lokale und staatliche Beamte beschließen, die Polizei ein für alle Mal ernsthaft zur Rechenschaft zu ziehen".  Seine Familie werde weiterhin mit der Gemeinde von Südminneapolis kämpfen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan sei, nicht nur für George Floyd, sondern für alle, die von Polizeigewalt in den USA betroffen seien.

George Floyd war am Montag vergangener Woche gestorben, nachdem der weiße Polizist Derek C. fast neun Minuten lang sein Knie auf den Nacken des 46-Jährigen gepresst hatte – obwohl Floyd wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr. Im ganzen Land breiteten sich daraufhin Proteste aus, die in zahlreichen Metropolen von Ausschreitungen und Plünderungen überschattet wurden. Derek C. wurde in der vergangenen Woche festgenommen und offiziell des Totschlags beschuldigt. Eine offizielle Autopsie bestätigte am Montag, dass Floyd durch die von der Polizei angewendete Gewalt getötet worden war.

Quellen: Mahmoud Abumayyaleh auf Facebook, "Huffington Post", "Sahan Journal"

mad