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Nirvana-Sänger "Mörder ist immer noch da draußen": FBI veröffentlicht Akte mit Briefen zu Kurt Cobains Tod

Kurt Cobain, Sänger der US-amerikanischen Kult-Rockband Nirvana, im Dezember 1993 bei einem Auftritt in Seattle
Kurt Cobain, Sänger der US-amerikanischen Kult-Rockband Nirvana, im Dezember 1993 bei einem Auftritt in Seattle
© Robert Sorbo / DPA
Im April 1994 starb Kurt Cobain. Die Ermittlungen der Polizei brachten ein klares Ergebnis: Der Rockstar hatte sich das Leben genommen. Doch nicht jeder wollte das glauben. Einige Zweifler wandten sich sogar ans FBI.

27 Jahre nach dem Suizid von Kurt Cobain hat die US-Bundespolizei FBI in aller Stille eine Akte zum Tod des Nirvana-Frontmanns veröffentlicht. Dreh und Angelpunkt des zehnseitigen Berichtes sind ein Brief und eine E-Mail von Personen, die behaupteten, dass Cobain womöglich ermordet worden sei. Die Namen der Absender wurden in den Akten unkenntlich gemacht.

Cobain starb am 5. April 1994 in seinem Haus in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Der drogensüchtige Musiker hatte sich mit einer Schrotflinte erschossen, wie die Ermittlungen der Polizei belegten. Neben seiner Leiche wurde ein Abschiedsbrief gefunden.

Absender fordern weitere Untersuchungen im Fall Cobain

In den nun veröffentlichten Schriftstücken stellen die Absender die Untersuchungsergebnisse infrage und mutmaßen, dass Cobain ermordet worden sei – ohne allerdings irgendwelche Beweise dafür zu liefern. Der Absender der Mail beruft sich stattdessen auf das 1998 erschienene Buch "Who Killed Kurt Cobain? The Mysterious Death of an Icon", den Film "Kurt & Courtney" von 1998 über Cobain und seine Frau, die Musikerin Courtney Love, und auf einen vom kalifornischen Staat lizensierten Privatdetektiv, der von Love angeheuert worden war und glaubte, dass diese ein falsches Spiel spielte und selbst "etwas damit zu tun hatte".

"Ich schreibe Ihnen in der Hoffnung, dass Sie dabei helfen, auf eine erneute Untersuchung des Todes von Mr. Cobain zu drängen. Millionen von Fans auf der ganzen Welt würden gerne sehen, dass die Ungereimtheiten rund um den Tod ein für alle Mal aufgeklärt werden", heißt es in der E-Mail vom 24. September 2003. "Es ist traurig zu denken, dass eine Ungerechtigkeit dieser Art in den Vereinigten Staaten zugelassen werden kann."

Der per Post verschickte Brief wurde am 20. November 2006 abgestempelt. Die Absenderin behauptet darin ebenfalls ohne Belege vorzuweisen, es gäbe mehr als ausreichend Beweise, um den Fall Cobain wieder aufzurollen und die Todesursache von Suizid in Mord zu ändern. Ihre größte Sorge sei, dass Cobains "Mörder immer noch da draußen ist und jetzt, wegen der Eile der Polizeibehörde, die Chance hat, andere Opfer zu fordern."

FBI weist auf fehlende Zuständigkeit hin

Das FBI beantwortete beide Schreiben gleichlautend mit dem Hinweis, dass eine solche Untersuchung außerhalb seiner Zuständigkeit läge. "Wir wissen Ihre Besorgnis, dass Mr. Cobain das Opfer eines Mordes gewesen sein könnte, zu schätzen" heißt es in beiden Antwortbriefen. "Allerdings fallen die meisten Mord-/Todesfalluntersuchungen für gewöhnlich in die Zuständigkeit der staatlichen und lokalen Behörden. [...] Basierend auf den Informationen, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben, sind wir nicht in der Lage, einen Verstoß gegen Bundesgesetze innerhalb der Ermittlungszuständigkeit des FBI zu erkennen."

Eine identische Korrespondenz führte das FBI der Akte zufolge mit einer weiteren Person, die im Jahr 2000 mit der damaligen US-Justizministerin Janet Reno kommunizierte. Die Details des ursprünglichen Anliegens dieser dritten Person sind allerdings nicht in der Akte enthalten.

Nirvana-Sänger: "Mörder ist immer noch da draußen": FBI veröffentlicht Akte mit Briefen zu Kurt Cobains Tod

Darüber hinaus enthält die Akte ein Fax vom 30. Januar 1997, welches die Produzenten der Dokumentarserie Unsolved Mysteries, Cosgrove/Meurer-Productions (CMP), an die FBI-Büros in Los Angeles und Washington sowie mehrere Führungskräfte des US-Senders NBC geschickt hatten. Unsolved Mysteries befasste sich im Februar 1997 in einer Episode mit den über Cobains frühen Tod kursierenden Theorien. In dem Fax wird darauf hingedeutet, dass Tom Grant, ein in Los Angeles ansässiger Privatdetektiv und ehemaliger Polizist der Meinung sei, dass die Bewertung von Cobains Tod als Suizid aufgrund der "Ungereimtheiten" in dem Fall "eine voreilige Entscheidung" gewesen sei. Grant scheint derselbe Privatdetektiv zu sein, den Love aus Sorge um das Wohlergehen ihres Mannes anheuerte und der in dem 2003 datierten Brief an das FBI erwähnt wurde.

Er könne sich kaum noch daran erinnern, aber "das war eine typische Kommunikation", erklärte CMP-Mitbegründer Terry Meurer jetzt dem "Rolling Stone"-Magazin das 24 Jahre alte Fax: "Wir wenden uns wegen vieler Geschichten an das FBI und versuchen, Informationen darüber zu bekommen. Das tun wir immer noch – gerade gestern haben mit dem FBI über eine Anfrage gesprochen. Wir sind in ständigem Kontakt mit ihnen."

Quellen: Federal Bureau of Investigation, "Rolling Stone", "Billboard"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

mad

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