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Unter Auflagen Skandal-Tierversuchslabor LPT darf in Hamburg weitermachen – Tierschützer sind entsetzt

Tierversuchsanstalt LPT bei Hamburg; Hund
Das Unternehmen LPT aus Hamburg geriet nach der Veröffentlichung von Aufnahmen aus dem Inneren der Tierversuchsanstalt in die Negativschlagzeilen – und in den Fokus von mehreren Staatsanwaltschaften
© Bodo Marks / DPA, Soko Tierschutz
Das im Februar geschlossene Tierschutzlabor LPT darf unter Auflagen in Hamburg den Betrieb wieder aufnehmen. Tierschützer kritisieren die Entscheidung scharf. 

Rolle rückwärts: Das stark umstrittene Unternehmen Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) darf einige Monate nach dem Entzug aller Genehmigungen den Betrieb in Hamburg wieder aufnehmen. Wie die Hamburger Behörde für Justiz und Verbraucherschutz mitteilt, soll das Tierversuchslabor mit strengen Auflagen belegt werden. So sollen künftig in allen Betrieben mit Tierversuchen strengere Kontrollen stattfinden, heißt es. Darüber hinaus müsse LPT genaue und ausführliche Informationen zu personellen Veränderungen und zum Wohlergehen der Tiere liefern. Außerdem wolle sich Hamburg im Bundesrat dafür einsetzen, dass Tierversuche, wo möglich, vermieden und Tierleid gemindert werde.

Interne personelle Veränderungen bei LPT – unter anderem wurden ein neuer Geschäftsführer, ein neuer Tierschutzbeauftragter und ein neuer Tierversuchsleiter bestellt – wurden als ein Grund für die Erteilung einer neuen Genehmigung angeführt.

"Verbesserungen beim Versuchstierschutz sind dringend notwendig und längst überfällig", wird Justiz- und Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina zitiert. Und weiter: "Tierversuche sollen, wo irgend möglich, vermieden werden. Wir wollen daher jetzt mit unserer Initiative wichtige Schritte in die richtige Richtung unternehmen und dafür sorgen, dass deutlich mehr und unangekündigte Kontrollen stattfinden und die Unternehmen verpflichtet werden, Alternativen zum Tierversuch voranzubringen."

"Soko Tierschutz" verurteilt die Entscheidung scharf und kündigt schwarze Liste an

Der Hintergrund: Im Februar musste LPT sein Tierversuchslabor in Hamburg nach heftiger Kritik schließen: Ausschlaggebend für den Entzug der Tierhalteerlaubnis waren seinerzeit Ermittlungen mehrerer Staatsanwaltschaften gegen Verantwortliche des Unternehmens. Zuvor hatte die  Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz" im vergangenen Jahr durch heimlich gedrehte und später veröffentlichte Videoaufnahmen Missstände aus dem LPT-Tierversuchslabor in Mienenbüttel in Niedersachsen aufgedeckt.

Die "Soko Tierschutz" verurteilte die Wiedererteilung der Betriebsgenehmigung für LPT scharf und warf der Behörde vor, den Profit vor den Schutz von Tieren und Menschen zu stellen. Die Verantwortlichen hätten sich von Personalrochaden blenden lassen, so der Vorwurf. "Soko Tierschutz wird nun Maßnahmen gegen alle Firmen einleiten, die wieder Tiere im LPT vergiften lassen", heißt es auf der Webseite der Organisation. Ein Sprecher wird zitiert: "Wir bereiten eine schwarze Liste vor. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, welche Pharma- und Chemiefirmen im LPT Tiere quälen lassen". Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die mögliche Wiederaufnahme von Tierversuchen bei LPT in Hamburg und zeigte sich darüber "entsetzt". "Die Wiederaufnahme von Tierversuchen in Hamburg-Neugraben ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes ein Schritt in die völlig falsche Richtung", heißt es in einer Pressemitteilung.

Hintergrund: Der LPT-Skandal

Der stern berichtete ausführlich über den Skandal rund um das Tierschutzlabor. Mehr zum Thema lesen Sie hier: 

stern 1982
Blick ins stern-Archiv: Das LPT-Labor bei Hamburg stand schon 1982 in der Kritik
© stern

Quellen:Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, "Soko Tierschutz", Deutscher Tierschutzbund (Pressemitteilung)

rös

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