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Lügde und Bergisch Gladbach: Mögliche Zusammenhänge zwischen den beiden Missbrauchsfällen – alles nur Zufall?

Der massenhafte sexuelle Kindesmissbrauch in Lügde und Bergisch Gladbach sorgt für Entsetzen. Die Ermittler prüfen, ob es Zusammenhänge zwischen beiden Fällen gibt.

Polizisten auf einem Campingplatz in Lügde

Polizisten auf dem Campingplatz in Lügde vor der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters

Gibt es eine Verbindung zwischen den schockierenden Fällen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder in Lügde und Bergisch Gladbach? Das zumindest berichten zahlreiche Medien übereinstimmend. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat zwar nach Auskunft eines Sprechers keine Erkenntnisse über einen strafrechtlich bedeutsamen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen – dennoch gibt es den Berichten zufolge mehrere Verbindungen zwischen den Tatkomplexen:

  • Der wegen Kindemissbrauchs vorbestrafte Großvater eines der Beschuldigten im Fall von Bergisch Gladbach soll in den 1980er und 1990er Jahren mehrfach seinen Urlaub auf dem Campingplatz in Lügde verbracht haben, berichtet unter anderem RTL. Dort, wo Andreas V., der verurteilte Haupttäter im Lügder Fall, seit mehr als 30 Jahre wohnte und mit Komplizen über zehn Jahre hinweg seine Taten beging.
  • Der Cousin desselben Beschuldigten war ebenfalls  Camper. Seinen Wohnwagen verkaufte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zufolge jedoch – und zwar ausgerechnet an Andreas V. Ob es sich bei dem Caravan auch um einen Tatort handelte, ist nicht bekannt.
  • Der Westdeutsche Rundfunk berichtet zudem, dass Ermittler beim Beschuldigten aus Bergisch Gladbach Aufnahmen mit Missbrauchsdarstellungen sichergestellt und ausgewertet haben, darunter auch die Geodaten der Dateien. Sie verweisen auf Lügde als Aufnahmeort.

Es gibt mindestens drei Verbindungen zwischen den beiden größten Fällen sexueller Misshandlung von Kindern der vergangenen Jahre in Deutschland – alles nur Zufall?

Der Kölner Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn erklärt auf stern-Anfrage, seine Behörde verfüge über keine Erkenntnisse, dass sich Täter- oder Opfergruppen von Lügde und Bergisch Gladbach überschneiden.

"Ungewöhnliche Zufälle – aber so ist es manchmal"

Sicherheitskreise hatten bestätigt, dass die Ermittler bereits seit längerem mögliche Querverbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Haupttäters von Bergisch Gladbach bei Köln und dem Campingplatz in Lügde bei Detmold prüfen. "Dabei haben sich aber keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben", so Willuhn.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, dass das Polizeipräsidium Bielefeld seit Anfang Dezember eine mögliche Querverbindung prüfe. Diese sei nach aktuellem Ermittlungsstand verwandtschaftlicher Natur. Der Politiker sagte, dass es sich um Zufälle handeln könnte: "Ungewöhnliche Zufälle - aber so ist es eben manchmal."

Den Medienberichten zufolge bestreitet der 84-jährige Großvater des Beschuldigten von Bergisch Gladbach, Andreas V. persönlich zu kennen. Ob der Cousin neben dem Verkauf des Wohnwagens noch eine weitere Rolle in dem Fall spielt, ist nicht bekannt.

Lügde und Bergisch Gladbach – die Fälle

Im Fall Lügde geht es um jahrelangen schweren Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in der Stadt im Kreis Lippe. Das Landgericht Detmold hatte im September zwei Angeklagte zu Freiheitsstrafen von 12 und 13 Jahren verurteilt. Ein weiterer Mann erhielt eine Bewährungsstrafe.

In dem anderen Fall stießen Ermittler ausgehend von Bergisch Gladbach auf ein bundesweites Netzwerk von Verdächtigen, die – teilweise ihre eigenen – Kinder missbraucht und Bilder der Taten getauscht haben sollen. Die Ermittler arbeiten sich derzeit durch riesige Datenmengen mit kinderpornografischem Material. Inzwischen sind 35 Opfer identifiziert, dazu 51 Beschuldigte aus zwölf Bundesländern. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Zahlen noch steigen werden.

Quellen: "Kölner Stadt-Anzeiger" (kostenpflichtiger Inhalt), RTL, Westdeutscher RundfunkPolizei Köln, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue