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Mordfall Ursula Herrmann: Das neue Leben des Werner M.

Ursula Herrmann war zehn Jahre alt, als sie erstickte, in jener Kiste, die ihr Entführer im Wald vergraben hatte. Erst in der vergangenen Woche, 27 Jahre nach der Tat, wurde ein Verdächtiger verhaftet. Er hatte sich inzwischen in Norddeutschland ein neues, bürgerliches Dasein aufgebaut. stern.de skizziert die zweite Existenz des mutmaßlichen Täters.

Von Tonio Postel, Kappeln

Die Hafenpromenade von Kappeln an der Schlei ist ein schmaler Betonstreifen. Ein paar Segelgeschäfte gibt es dort, Fischrestaurants, Cafés. Stattliche Segelschiffe in Weiß und Blau liegen im Hafen, sonnenbebrillte Touristen genießen ihre Getränke, ein Partyboot mit lauter Musik und feiernden Jugendlichen zieht vorbei, meckernde Möwen kreisen über dem Wochenend-Idyll.

Irgendwo in diesem Ort mit seinen rund 10.000 Einwohnern lebt der Geschäftsmann Werner M. mit seiner Frau. In der vergangenen Woche wurde er verhaftet. Seither sitzt er in Augsburg in Untersuchungshaft. Denn Werner M. ist jener Mann, dem die ermittelnde Augsburger Staatsanwaltschaft vorwirft, vor 27 Jahren in Bayern ein schweres Verbrechen begangenen zu haben. Es geht um "erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge", wie die Straftat im Juristendeutsch genannt wird. Gestorben ist die zehnjährige Ursula Herrmann. Sie erstickte in einer vergrabenen Holzkiste, in die sie ihr Entführer gesteckt hatte.

Ursula Herrmann lebte mit ihren Eltern in Eching am Ammersee. Im September 1981, am ersten Schultag nach den großen Ferien, wollte das Mädchen mit dem Rad vom benachbarten Schondorf nach Hause fahren. Aber dort kam sie nie an. Der Täter soll ihr im Wald aufgelauert, sie vom Rad gerissen und entführt haben.

Werner M. lebte damals nur rund 250 Meter vom Haus der Familie entfernt. Er habe Schulden gehabt, sagen die Ermittler der zuständigen Staatsanwaltschaft in Augsburg heute - in Höhe einer sechsstelligen D-Mark-Summe. Das Lösegeld sollte ihn von den Schulden befreien, mutmaßen sie.

Der Täter sperrte Ursula in eine 136 mal 60 mal 72 Zentimeter kleine Holzkiste. Diese ließ er 1,60 Meter tief in den Waldboden ein. Von den Eltern forderte er zwei Millionen Mark Lösegeld. In der Kiste hatte er Gebäck, Wasser, Comic-Hefte und ein Radio platziert. Für die Sauerstoffzufuhr sollte ein selbst konstruiertes Belüftungssystem sorgen. Doch das System versagte. Nasses Laub hatte die Luftzufuhr verstopft. Deshalb erstickte das Mädchen qualvoll.

Er war bereits tatverdächtig

Seither jagen die Augsburger Ermittler den Täter. Die Ermittlungsansätze füllen 400 Aktenordner. Werner M. war bereits damals tatverdächtig, allein die Beweise gegen ihn und seine möglichen Komplizen reichten bislang nicht aus.

Nun wird M. von neuen Indizien belastet. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2007 wurde im Haus des 58-Jährigen in Kappeln das laut Augsburger Staatsanwaltschaft möglicherweise entscheidende Beweisstück sichergestellt: Ein Tonbandgerät, mit dem der Entführer bei den neun Anrufen bei der Familie stets die Erkennungsmelodie des Radiosenders Bayern 3 abgespielt hatte. Beim beschlagnahmten Gerät sollen "technische Auffälligkeiten" festgestellt worden sein, die sich auch bei mitgeschnittenen Anrufen der Opferfamilie fanden.

Ein im April dieses Jahres erstelltes phonetisches Gutachten sowie die seit 2004 mithilfe feinerer DNA-Erkennungsmethoden vorgenommenen, neuen Auswertungen von Spuren und Akten hätten schließlich zur Festnahme Werner M.s geführt, erläutert der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz in einer schriftlichen Erklärung. Und auch das Kistengefängnis soll aus einem Holz gefertigt gewesen sein, das üblicherweise zur Herstellung von Segelschiffen verwendet wird. Werner M. befasst sich beruflich mit der Seefahrt.

Die Indizien sind nun offenbar so eindeutig, dass die Augsburger Staatsanwaltschaft noch in diesem Sommer Anklage erheben will. Die Ermittlungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, eine Anklage im Sommer aber wahrscheinlich, sagte Nemetz am Montag.

Widersprüchliche Beschreibung der Nachbarn

Werner M.s Existenz in der Kleinstadt nahe der dänischen Grenze, wo man auch plattdeutsch spricht und es nur 500 Arbeitslose gibt, ist durchaus bürgerlich, er ist voll integriert, pflegt seinerseits gerne bayerisches Kulturgut. In Kappeln ist der volle Name des mutmaßlichen Täters bekannt. Es ist bekannt, was für ein Geschäft er betrieben hat, welche Veranstaltungen er genau organisiert hat. Und Nachbarn und Freunde berichten über ihn.

Die Aussagen sind widersprüchlich. Die einen, die sich nicht mit Namen nennen lassen wollen, beschreiben ihn als "unangenehmen Typen", der "ignorant, laut und dominant", häufig betrunken und stets knapp bei Kasse gewesen sei. Zwar wolle man ihn nicht vorab verurteilen, aber wenn er es denn gewesen sei, heißt es, dann solle er ja nicht zurückkehren. "Dann soll er die härteste Strafe kriegen, die es gibt", sagt eine energische Frau auf der Straße.

"Man kann den Leuten nicht hinter die Stirn gucken"

Andere, wie Nachbar Peter S., sprechen von einem "ruhigen, sehr zuvorkommenden" Herren. Ein Freund M.s kann schwer glauben, was M. vorgeworfen wird. Der Freund ist ein kräftiger Mann mit graumeliertem Haar und groben Gesichtszügen. Er sitzt auf seiner mit Holz ausgelegten Terrasse zwischen einem kleinen Goldfischteich und blühenden Blumen und blickt auf die Schlei. Gedankenverloren sagt er: "Man kann den Leuten ja nur vor die Stirn gucken, aber nicht dahinter." Beide stammten sie aus dem Ruhrgebiet, er selbst aus Essen, Werner M. aus einem Ort in der Nähe. "Das verbindet. Er ist ein kleiner Raubär, aber ein liebenswürdiger Mensch."

Letzten Dienstag hätten er und seine Frau noch den Geburtstag von Werner M.'s Frau gefeiert. Seit der Festnahme sei sie nicht erreichbar. Man sei auch schon mit zu seiner Familie nach Bayern gefahren. "Und einmal in der Woche fahren wir mit der Frau nach Eckernförde, ins Wellenbad", ergänzt die Frau des Freundes, die auch am Tisch Platz genommen hat.

"Alles ist offen"

Aber ist Werner M. wirklich der Täter? Und wenn ja, wer hat ihm geholfen? Gegen drei mutmaßliche Mittäter wird ermittelt, zwei weitere Verdächtige sind bereits tot. Werner M. selbst gibt dazu keine Auskünfte. Vor dem Augsburger Ermittlungsrichter schwieg er, berichtete am Montag Staatsanwalt Nemetz. M. werde derzeit auch nicht verhört.

In Ursulas Herrmanns Heimatort Eching am Ammersee rührt die Festnahme des Verdächtigen indes die Einwohner. "Es sind wieder alte Wunden aufgerissen worden", sagte Siegfried Luge, Bürgermeister der 1700-Einwohner Gemeinde, der Nachrichtenagentur DPA. Schon mehrfach seien in den vergangenen Jahren mutmaßliche Täter genannt worden, die dann nicht überführt werden konnten. "Wir sind jetzt vorsichtig und wollen niemanden vorverurteilen", sagte Luge. Die Bürger der Gemeinde hoffen nach Luges Angaben, dass es endlich zu einer Verurteilung im Fall Ursula Herrmann komme. "Aber so wie es derzeit ausschaut, ist alles offen", sagte Luge.

Mit DPA

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(