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Geschichtsprofessor Napoleon-Fan tötet und zerstückelt Freundin – Ärzte bescheinigen ihm geistige Gesundheit

Der Historiker Oleg Sokolow als Napoleon Bonaparte bei einer historischen Rekonstrukions-Show 
Der Historiker Oleg Sokolow als Napoleon Bonaparte bei einer historischen Rekonstrukions-Show 
© Kirill Kallinikov / Picture Alliance
Viermal schoss Oleg Sokolow seiner Freundin in den Kopf und zerteilte anschließend ihren Körper mit einer Säge. Den Mord hat der Historiker und Napoleon-Fan gestanden. Nun bescheinigen ihm Ärzte volle Schuldfähigkeit. 

Im vergangenen November erschütterte ein grausamer Mordfall Russland. Der Geschichtsprofessor Oleg Sokolow wurde an einem Samstagmorgen aus einem Fluss in Sankt Petersburg gezogen. Er hatte einen Rucksack dabei, darin fanden seine Retter die Arme einer Frau und eine Schusswaffe. In der Wohnung des Historikers fand die Polizei später den Rest der zerstückelten Leiche und eine Säge. Noch im Krankenhaus gestand der 63-Jährige, seine Geliebte und Studentin getötet zu haben.

Angesichts der Brutalität der Tat wurden schnell Fragen nach der Zurechnungsfähigkeit des Napoleon-Fans laut. Nun bescheinigten ihm die Experten des Nationalen Medizinischen Forschungszentrums für Psychiatrie und Narkologie in Moskau geistige Gesundheit. Dies sei die Schlussfolgerung einer umfassenden stationären psychologischen und psychiatrischen Untersuchung, berichtet die Zeitung "Fontanka". Zum Tatzeitpunkt habe er nicht an einer chronischen oder vorübergehenden psychischen Störung gelitten. Auch Demenz oder eine andere psychische Krankheit konnte nicht festgestellt werden. Darüber hinaus halten die Experten die Wahrscheinlichkeit einer Affekthandlung für unwahrscheinlich. 

Sokolow hatte ausgesagt, ein Streit mit seinem 24-jährigen Opfer sei der Grund für seine Tat gewesen. Während einer Gerichtsanhörung hatte er unter Tränen behauptet, die junge Frau habe ihn vor der Tat angegriffen. Der Bruder der Verstorbenen berichtete jedoch, dass seine Schwester ihn kurz vor ihrem Tod ihn angerufen und gesagt habe, dass Sokolow sie geschlagen hatte, weil sie zu ihrem Geburtstag mit ihren Freunden ausgehen wollte."Sie ist trotzdem gegangen", sagte der Bruder der Nachrichten-Website RBK.

Exzentriker und Tyrann 

Sokolow galt als bedeutender Napoleon-Forscher und Experte für europäische Militärgeschichte. Seit 2003 war er Mitglied in der französischen Ehrenlegion und lehrte er an der renommierten französischen Sorbonne. Der Wissenschaftler hat aber nicht nur über Napoleon geforscht, sondern sich selbst gern in der Rolle des Kaisers der Franzosen gesehen. Fotos zeigen Sokolow in der Galauniform Napoleons. Auf anderen ist er in Inszenierungen historischer Schlachten zu sehen. 

An der Staatlichen Universität von Sankt Petersburg, wo Sokolow seit 2000 als Hochschullehrer für Neue Geschichte unterrichtete, galt er als Exzentriker, gar als Freak und Tyrann. In den Vorlesungen habe er das Auditorium minutenlang pathetisch auf Französisch angeschrien, berichteten Studenten. 

Sokolow soll außerdem bereits vor dem Mord an seiner Freundin in Gewalttaten verwickelt gewesen sein. Eine Studentin, die 2008 eine Affäre mit Sokolow gehabt haben soll, behauptete in der Zeitung "Moskowskij Komsomolez", der Professor habe sie an einen Stuhl gefesselt, ihr ins Gesicht geschlagen und gedroht, sie zu töten, wenn sie ihn verlasse.

ivi

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