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Pfandbon-Urteil: Kassiererin geht bis nach Karlsruhe

Ihr Fall sorgte für Diskussionen in der ganzen Republik: Kaiser's-Kassiererin Barbara E. verlor wegen eines Pfandbons über 1,30 Euro ihren Job. Die Rechtmäßigkeit mutete vielen absurd an. Nun könnte das Verfahren an allerhöchster Stelle noch einmal aufgerollt werden.

Das umstrittene Berliner Kassiererinnen-Urteil wird nun möglicherweise auch ein Fall für das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Die ehemalige Supermarkt-Kassiererin Barbara E. reichte am Mittwoch Verfassungsbeschwerde ein, wie ihr Anwalt Benedikt Hopmann am Mittwoch in Berlin sagte. Der 50-jährigen Frau war nach 31 Jahren im Beruf gekündigt worden, weil sie zwei Pfandbons über 48 und 82 Cent unterschlagen haben soll. Das Berliner Landesarbeitsgericht hatte die fristlose Kündigung Ende Februar für rechtens erklärt und eine Revision beim Bundesarbeitsgericht nicht zugelassen. In einer Beschwerde beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt will die Frau nun zunächst erreichen, dass in ihrem Fall eine Revision zugelassen wird.

Das Urteil hatte bundesweit Empörung bei Gewerkschaften und Sozialpolitikern ausgelöst. Frühere DDR-Bürgerrechtler sprachen von Klassenjustiz. Die Kassiererin berichtete am Mittwoch, sie erhalte nach wie vor zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland.

Nach den Worten Hopmanns würde die Verfassungsbeschwerde erst dann greifen, wenn auch das Bundesarbeitsgericht keine Revision zulassen sollte. Um die vorgeschriebene Monatsfrist nach dem letzten Urteil zu wahren, sei aber schon jetzt Karlsruhe angerufen worden. Hopmann sieht die Kassiererin in ihren Grundrechten verletzt, weil das Landesarbeitsgericht Berlin Fakten wie die Länge ihrer Betriebszugehörigkeit, ihr Alter und den Schaden für den Arbeitgeber nicht in ausreichendem Maße abgewogen habe.

DPA / DPA