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"The Bayou Strangler": Der unscheinbare Serienmörder, der 23 Männer vergewaltigte und tötete – und den keiner kennt

Denkt man an US-Serienmörder, denkt man an Namen wie Ted Bundy und Johny Wayne Gacy. An Ronald Joseph Dominique eher nicht. Dabei hat der unscheinbare, dickliche Mann fast zwei Dutzend Menschen getötet – und das vor gar nicht langer Zeit.

Ronald Joseph Dominique (r.) und die Bilder seiner Opfer

Ronald Joseph Dominique ist das, was der amerikanische Volksmund abfällig "White Trash" nennt, weißen Müll. Der Mitdreißiger jobbt in den 90er-Jahren als Pizzabote und Ableser für Zählerstände. Er hat einige Pfunde zu viel auf den Rippen und lebt in einem Wohnwagen, der im Garten seiner Schwester parkt. "Der Serienmörder ist weiß, arm und nicht sonderlich gebildet", wissen die FBI-Profiler bereits Jahre bevor sie herausfinden werden, wer da in der Bayou-Region Männer vergewaltigt, erdrosselt und am Straßenrand ablädt wie Müll.

Nachbarn werden Dominique später als den netten Kerl von nebenan beschreiben, der gerne mit anpackt, wenn jemand Hilfe braucht. Als einen, der wenig spricht und keine Probleme macht. Einen "Niemand" nennt ihn der örtliche Sheriff kurz nach seiner Festnahme.

Doch die liegt 1997 noch in weiter Ferne. Damals findet Dominique sein erstes Opfer und startet eine fast zehn Jahre lange Mordserie. Seine Masche ist simpel, seine Opferauswahl serienmördertypisch. Er spricht junge am Straßenrand an, Obdachlose, Prostituierte oder Drogenabhängige – zu allermeist sind sie schwarz. Er bietet ihnen entweder Geld für Sex oder zeigt ihnen ein Bild einer hübschen Frau, angeblich seiner Ehefrau, mit der die Männer schlafen sollen. Er wolle lediglich zusehen und sie obendrein noch dafür bezahlen. Dominique sieht nicht gefährlich aus, viele willigen ein.

Steigt ein Mann zu ihm ins Auto, fährt Dominique mit ihm zurück in seinen Wohnwagen oder parkt den Wagen irgendwo am Straßenrand. Dann – so wird er es später Ermittlern detailliert beichten – fragt er sein Opfer, ob er es fesseln darf. Der letzte Punkt, an dem die jungen Männer ihr Leben retten können. Stimmen sie zu, sind sie verloren. Sobald sie ihm wehrlos ausgeliefert sind, macht sich der kleine, dickliche Mann über sie her. Er vergewaltigt die jungen Männer und erdrosselt sie anschließend, mal mit einem Anschnallgurt, mal mit ihren eigenen Gürteln. Einige Opfer schlägt er vorher mit einer Eisenstange bewusstlos. Dann fährt er mit der Leiche im Kofferraum herum, lädt sie unter Brücken oder in sumpfigen Gebieten ab. Dominique gibt sich keine große Mühe, die Körper zu verstecken. Er will, dass sie gefunden werden.

Ronald Joseph Dominique, ein unscheinbarer, dicklicher Mann, der angeblich "keiner Fliege was zu Leide" tun könnte

Ronald Joseph Dominique, ein unscheinbarer, dicklicher Mann, der angeblich "keiner Fliege was zu Leide" tun könnte

Der Serienmörder, der zunächst keinen interessierte

Serienmörder faszinieren die Öffentlichkeit. Und Ronald Dominique gehört – so makaber das klingt – eigentlich in die erste Liga dieser Gilde. 23 Menschen, Männer zwischen 16 und 46 Jahren, fallen ihm zum Opfer. Über einen Zeitraum von fast zehn Jahren mordet er ungehindert. Treibt jemand wie er in einer Region sein Unwesen, kann man der Berichterstattung darüber in den regionalen Zeitungen und Fernsehsendern normalerweise kaum entkommen. Doch bei Dominique ist das anders. Jahrelang wird keiner sein Treiben bemerken. Niemandem fällt auf, dass hier jemand Gefallen am Töten gefunden hat. Immer wieder knappe Berichte über die Leichenfunde. Kein Journalist, geschweige denn ein Ermittler bringt die Fälle in Verbindung. Die Öffentlichkeit interessiert sich ohnehin kaum für ermordete Obdachlose, ermordete Prostituierte, ermordete Drogenabhängige. "Er tötete unsichtbare Mitglieder der Gesellschaft", fasst es ein Ermittler später zusammen.

Zudem geht Dominique clever vor. Er benutzt für die Vergewaltigungen ein Kondom, deponiert die Leichen oft bei gleißender Hitze in sumpfigen Gebieten. Ein Albtraum für Forensiker, die lange wenig bis keine Spuren werden finden können.

Erst im Jahr 2005, also acht Jahre nach dem ersten Mord wird eine Sondereinheit für den "Bayou Strangler", wie die Medien ihn nun taufen, gebildet. Zu dieser Zeit hat Dominique schon mehr als ein Dutzend Menschen auf dem Gewissen. 2005 erhöht er die Schlagzahl. Werden normalerweise lediglich ein bis zwei Leichen pro Jahr gefunden, liegt in diesem Jahr alle paar Wochen ein Toter im Sumpf oder unter der Brücke. Alle tragen seine Handschrift: Fesselspuren an Händen und Füßen, vergewaltigt und anschließend erdrosselt. Weil die Morde nun dichter zusammen liegen, gerät er in den Fokus der Ermittler – und sie sind ihm auf den Fersen. An einer Leiche wird -Material sichergestellt. Dominique war ein Kondom gerissen. Doch sein Erbgut ist nirgends gespeichert, die Datenbanken spucken keinen Treffer aus.

Die allermeisten Opfer von Ronald Joseph Dominique waren Afroamerikaner

Die allermeisten Opfer von Ronald Joseph Dominique waren Afroamerikaner,

Ronald Joseph Dominique vergewaltigte zuvor

Dabei hätte die durchaus auf den unscheinbaren Mann kommen können. 1993 und 1996 zeigen ihn Männer wegen einer Vergewaltigung an. Beim zweiten Mal kommt er in Untersuchungshaft. Im Gefängnis macht er schlimme Erfahrungen, wird selbst Opfer von Gewalt. Der Prozess platzt, weil das Opfer sich nicht mehr bei den Behörden meldet. Dominique wird wieder freigelassen – und schwört sich, nie wieder ins Gefängnis zurückzukehren. Aber seinen Trieb kann er nicht kontrollieren. Er vergewaltigt weiter, doch hinterlässt er nun keine Zeugen mehr. Fast zehn Jahre geht das so.

Anfang 2006 aber begeht er einen folgenschweren Fehler. Wieder hat er eines seiner Opfer zu sich nach Hause gelockt. Ricky Wallace, ein heterosexueller, schwarzer Mann, der hofft, mit der hübschen Frau auf dem Foto schlafen zu können. Doch als Dominique ihn fesseln will, wird Wallace misstrauisch. Er lehnt ab und will nach Hause gefahren werden. Der "Bayou Strangler" mag keine Gegenwehr, vergeht sich nur an wehrlosen, gefesselten Opfern. Er fährt Wallace sogar wieder dorthin, wo er ihn eingesammelt hatte. Wenige Tage später berichtet dieser seinem Bewährungshelfer von der seltsamen Begegnung. Der wiederum informiert die Polizei, die die Verbindung zu den offenen Mordfällen in der Region zieht.

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Der Serienmörder Karl Denke

Karl Denke ("Papa Denke", "Kannibale von Münsterberg") ermordete zwischen 1903 und 1924 in seiner Wohnung in Münsterberg (heute: Ziebice in Polen) mindestens 30 Menschen, zumeist Landstreicher. Er tötete seine Opfer, verarbeitete und aß ihr Fleisch, das er zudem – in Pökelsalz haltbar gemacht – auf dem Wochenmarkt in Breslau verkaufte. Über seine Taten führte er Buch. Sein 31. Opfer, das schwer verletzt fliehen konnte, war bereits vermerkt. Denke beging in der Haft Selbstmord. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei Hinterlassenschaften, die auf 42 Opfer schließen lassen – darunter Hosenträger und Schnürsenkel aus Menschenhaut.

Die Beamten lassen sich von Wallace zu dem Wohnmobil im Garten der Schwester von Dominique führen. Der unscheinbare, dickliche Mann öffnet ihnen freundlich die Tür. Wie er den Polizisten denn helfen könne, will er wissen. Dieser Typ soll bis hierhin 22 Männer auf dem Gewissen haben? Im Wohnmobil finden die Beamten nichts Belastendes. Die Taten streitet er in einer langen Befragung auf dem Revier ab. Die Ermittler haben nichts in der Hand. Doch Dominique begeht den nächsten folgenschweren Fehler. Freiwillig gibt er eine DNA-Probe ab.

"The Bayou Stranger" leistet keinen Widerstand

Doch nicht einmal bei der Polizei genießt der Fall Priorität. Das hauseigene Labor sei ausgelastet. Die Beamten müssen die Probe von einem privaten Anbieter untersuchen lassen. Zehn weitere Monate gehen ins Land. Dominique tötet in dieser Zeit sogar noch sein 23. und damit letztes Opfer, trotz intensiver Polizeiüberwachung. Dann der Anruf: Die an einem der Toten sichergestellte DNA ist die von Ronald Joseph Dominique.

Im Dezember 2006 fahren die Beamten zu der Obdachlosenunterkunft, in der der Mann mittlerweile lebt. Seine Schwester hat ihn rausgeworfen. Widerstandslos lässt er sich festnehmen, gesteht noch in der Nacht 23 Morde und gibt den Ermittlern detaillierte Informationen zu den einzelnen Taten. Die meiste Zeit weint er, beteuert, wie sehr ihm alles leid täte. Um der Giftspritze zu entkommen, plädiert er auf schuldig, kooperiert mit den Behörden. Wegen acht der 23 gestandenen Morde wird er zu achtmal lebenslänglich verurteilt. Abzusitzen hintereinander, wie das Gericht verkündet. Ein symbolisches Strafmaß, denn in den USA und vor allem in Louisana bedeutet bereits einmal lebenslänglich auch gerne mal eben genau das. Ronald Dominique wird nie wieder einen Fuß aus dem Gefängnis setzen - dem Ort, zu dem er nie wieder zurückwollte.

Wie perfekt seine Tarnung tatsächlich war, zeigte sich auch nach seiner Verhaftung. Bei den Ermittlern gingen Anrufe ein, man habe sicher den Falschen festgenommen. Mord? Doch nicht Ronald! Eine ältere Dame sagte: "Der liest jeden Sonntag unsere Bingo-Zahlen vor, der kann keiner Fliege was zu Leide tun."

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