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Strauss-Kahn: Die Last wird täglich schwerer

Der Prozess gegen Strauss-Kahn beginnt frühestens Ende 2011. Aber auch ohne die Verhandlung fällt der zurückgetretene IWF-Chef immer tiefer. US-Medien bieten fast täglich neue Details von seiner angeblichen Vergewaltigung einer Muslimin. Was stimmt, weiß niemand.

Sperma, Bestechung und ein aufgeblasenes Ego: Amerika erfuhr am Dienstag aus den Medien eine Fülle neuer Einzelheiten zum Fall des ehemaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Der TV-Sender NBC, das angesehene "Wall Street Journal" und etliche andere Medien berichteten, dass Spermaspuren auf der Uniform des Zimmermädchens mit der DNA des 62-jährigen Franzosen übereinstimmen.

Glaubt man der "New York Post", so versuchen Freunde von "DSK" zurzeit, den Angeklagten mit Geld reinzuwaschen. Sie hätten der bettelarmen Familie der Frau im westafrikanischen Guinea eine siebenstellige Summe für ihr Schweigen geboten. Die "Post" erfuhr angeblich auch, dass Strauss-Kahn das Zimmermädchen während der Sexattacke mehrfach fragte: "Weißt Du denn nicht, wer ich bin?".

CNN und die "New York Daily News" steuern Aussagen vom Personal des Sofitel Hotels am New Yorker Times Square bei. Dort war der auch daheim als Schürzenjäger bekannte Strauss-Kahn vor gut einer Woche in der Penthouse-Suite abgestiegen. Zunächst habe er mit einer Empfangsdame heftig geflirtet und eine andere Hausangestellte zum Drink auf sein Zimmer eingeladen, bevor er splitternackt über das Zimmermädchen herfiel und sie nach ihren Angaben zum Oralsex zwang.

Allen Anschuldigungen zum Trotz gibt sich die Verteidigung des einst mächtigsten Bankers der Welt optimistisch. Strauss-Kahn werde sich nicht schuldig bekennen und am Ende des Verfahrens freigelassen werden, prophezeite sein New Yorker Anwalt Benjamin Branfman. Nach Meinung der Medien wird Branfman darauf pochen, dass der Oralsex im Einvernehmen mit dem Zimmermädchen stattfand.

Strauss-Kahns Pech soll gewesen sein, dass es sich bei der Frau um eine strenggläubige Muslimin handelt. Die Frau könne nur ihren Namen schreiben und habe von dem damaligen IWF-Chef wohl wirklich noch nie gelesen oder gehört. Ihre Nachbarn und die Medien sind voll des Lobes für sie: Die 32-jährige Witwe arbeite hart, um sich und ihre 15-jährige Tochter allein durchzubringen. Damit steht das erwartete Argument seiner Verteidiger vom einvernehmlichen Verkehr vermutlich auf wackeligen Füssen.

Strauss-Kahn ist wegen versuchter Vergewaltigung in insgesamt sieben Punkten angeklagt und könnte eine Freiheitsstrafe von 25 und mehr Jahren bekommen.

Der Tatverdächtige saß knapp eine Woche in New York hinter Gittern, bevor er mit Hilfe seiner Frau, Anne Sinclair, eine Kaution in Höhe von zusammen sechs Millionen Dollar (rund 4,2 Millionen Euro) aufbrachte. Dafür wartet er jetzt unter Hausarrest in einem Appartement in Manhattan auf den Prozess. Wegen der Fluchtgefahr muss er eine elektronische Fessel am Fußgelenk tragen und wird rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsbeamten bewacht.

Dass es bei der "versuchten Vergewaltigung" zum Samenerguss kam und dass das Sperma tatsächlich von Strauss-Kahn stammt, ist eine der wenigen Sensationszeilen, die bisher von der Justiz bestätigt wurden. Bei der Anhörung zur Freilassung gegen Kaution ließ der New Yorker Staatsanwalt John McConnell schon vor Tagen durchblicken, dass das forensische Beweismaterial mit der Aussage des Opfers übereinstimmt.

Das heißt nach Auskunft aus Juristenkreisen, dass die Anklage gegen Strauss-Kahn selbst dann weiterlaufen könnte, wenn die Frau auf ein finanzielles Angebot eingehen und künftig schweigen würde. Vorausgesetzt, das Angebot gibt es wirklich und ist nicht nur eine Zeitungsente.

Gisela Ostwald/DPA / DPA