Terrorismus Todkranker Attentäter von Lockerbie soll freikommen


21 Jahre nach dem tödlichen Bombenanschlag von Lockerbie soll der Drahtzieher vorzeitig aus einem schottischen Gefängnis entlassen werden. Laut Medienberichten ist der Libyer Mohammed el-Megrahi schwer krank und soll noch in diesem Monat in seine Heimat gebracht werden.

Der todkranke Lockerbie-Attentäter Abdel Bassit Ali Mohammed el-Megrahi wird laut Medienberichten fast 21 Jahre nach dem Anschlag vorzeitig freigelassen. Der schottische Justizministers Kenny MacAskill werde voraussichtlich in der kommenden Woche die Entscheidung verkünden, berichtete der britische Sender Sky News am Mittwochabend.

Die schottische Regionalregierung hatte im Juli bekanntgegeben, Megrahi habe um Haftverschonung gebeten. Bereits im Mai hatte Libyen die Rückführung Megrahis unter Verweis auf ein Abkommen mit Großbritannien zum Gefangenen-Transfer beantragt. Vergangene Woche hatte MacAskill den 57-jährigen Megrahi in der westschottischen Haftanstalt Greenock besucht. Zudem nahm der Justizminister Kontakt zu Angehörigen der Lockerbie-Opfer auf.

Die BBC berichtete, es gebe einen Konsens darüber, dass Megrahi zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan kommende Woche wieder in Libyen sein solle. Die Berichte stießen bei einigen Angehörigen britischer Lockerbie-Opfer auf Zustimmung, die Megrahis Verurteilung für nicht rechtens halten. So sagte Jim Swire, dessen Tochter bei dem Anschlag starb, Sky News, es sei "unmenschlich", Megrahi weiter in Haft zu halten. Es spräche für Schottland, ihn nach Hause zurückkehren zu lassen, sagte Swire weiter.

Regierungssprecher: "Reine Spekulation"

Ein Sprecher der schottischen Regionalregierung sagte allerdings, es sei noch keine Entscheidung wegen Megrahi gefallen - "weder zum Antrag auf Haftverschonung noch zum Abkommen über den Gefangenen-Transfer". Es handle sich bei den Berichten um reine Spekulation.

Der ehemalige Geheimdienstagent Megrahi war 2001 als Drahtzieher des Attentats auf eine PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Bei dem Attentat im Dezember 1988 mit 270 Toten handelt es sich um den bislang schwersten Terroranschlag in Großbritannien.

Megrahi beteuert seine Unschuld und hat zwei Mal Berufung gegen das Urteil eingelegt, sein erster Antrag war allerdings bereits 2002 gescheitert. Vergangenes Jahr wurde Prostatakrebs bei Megrahi diagnostiziert, nach Angaben seiner Anwälte ist das Krebsleiden in fortgeschrittenem Stadium. Megrahis Frau Aischa sagte vor einigen Monaten, ihr Mann schwebe in Lebensgefahr.

AFP/DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker