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Cameron im Weißen Haus Britischer Premier bestreitet Einfluss von BP auf Lockerbie-Affäre


Der britische Premierministers David Cameron hat am Dienstag Vorwürfe zurückgewiesen, das britische Unternehmen BP habe Lobbyarbeit für die Freilassung des Lockerbie-Attentäters geleistet. Auf einer Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus verurteilten beide Politiker die Freilassung des Attentäters 2009.

Die umstrittene Freilassung des Lockerbie-Attentäters hat den Antritts-Besuch des britischen Premiers David Cameron im Weißen Haus überschattet. Cameron kündigte dabei am Dienstag an, er wolle die USA bei einer Untersuchung über die Hintergründe der Freilassung nach Kräften unterstützten. US-Präsident Barack Obama begrüßte die Ankündigung: Es seien alle Informationen willkommen, "die uns einen Einblick und mehr Verständnis dafür geben, warum die Entscheidung getroffen wurde", sagte Obama. Beide unterstrichen nach ihrer Unterredung den Willen zu einer weiterhin engen Kooperation, unter anderem beim Krieg in Afghanistan.

Mit Blick auf eine entsprechende Anhörung in einem Senatsausschuss des US-Kongresses Ende Juli sagte Cameron am Dienstag nach seinem Treffen mit Obama: "Meine Regierung wird sich an dieser Anhörung konstruktiv beteiligen." Mehrere US-Senatoren werfen dem britischen Ölkonzern BP vor, die Freilassung Abdel Basset al-Megrahis vorangetrieben zu haben, um ein Millionengeschäft mit Libyen abzuschließen. Cameron sagte dazu, er habe keine Beweise gesehen, die eine Einflussnahme durch den Ölmulti belegten.

Der britische Premier wies die von US-Außenministerin Hillary Clinton erhobene Forderung zurück, eine eigene Londoner Untersuchung der Vorwürfe einzuleiten. Er brauche keinen solchen Schritt, um zu erfahren, dass die Freilassung eine "schlechte Entscheidung" gewesen sei. Cameron kündigte aber eine weitere Prüfung aller Dokumente zu dem Fall an. Er habe dem Kabinettsminister Gus O'Donnell beauftragt, "noch einmal über alle Papiere zu schauen, die mit dem Fall zusammenhängen, um zu sehen, ob es weitere Informationen gibt, die veröffentlicht werden können", sagte er dem US-Fernsehsender ABC.

Der Premier rief dazu auf, die Ölpest von der Freilassung des Lockerbie-Attentäters zu trennen. Er könne die Verärgerung in den USA über die von BP verursachte Umweltkatastrophe verstehen. Angesichts der viel damit verbundenen Arbeitsplätze sei es aber im Interesse der USA und Großbritanniens, dass der Ölkonzern in der Zukunft ein "starkes und stabiles Unternehmen" bleibe.

Bei dem Flugzeug-Attentat nahe der schottischen Stadt Lockerbie 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 189 US- Bürger. Als Grund für die Freilassung durch die schottische Regierung des Libyers war damals die Krebserkrankung des Attentäters angeführt worden, die angeblich bereits schon sehr weit fortgeschritten war. Aus Libyen hört man inzwischen, Al-Megrahi sei schon vor längerer Zeit aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er sei noch in ärztlicher Behandlung. Sein Zustand sei jedoch stabil.

US-Außenministerin Clinton hatte die Briten am Montag aufgefordert, die Umstände der Freilassung zu untersuchen. "Wir ermutigen die schottischen und britischen Behörden, die Fakten noch einmal zu prüfen und die neuen Informationen einzubeziehen, die seit der Entlassung ans Licht gekommen sind", schrieb sie an die Senatoren. Nach einem Hin und Her stimmte der britische Premierminister am Dienstag kurzfristig ein Treffen mit Senatoren zu. Zunächst hatte Cameron erklären lassen, er habe zu viele Termine.

Mit Blick auf den Afghanistan sagte Cameron, es gebe "keine klarere und greifbarere Verdeutlichung, wie Großbritannien und Amerika Schulter an Schulter stehen". Obama betonte, er und Cameron hatten einen "brillanten Start als Partner" gehabt.

APN/DPA DPA

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