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Lockerbie-Attentäter: Freigelassener Attentäter plant Autobiografie

Nach seiner Freilassung kündigt der Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed al-Megrahi ein Buch an, mit dem er seine Unschuld beweisen will. Unterdessen fordern Senatoren in den USA eine unabhängige Untersuchung der Begnadigung.

Der begnadigte Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed al-Megrahi schreibt laut einem Zeitungsbericht an einem Buch, in dem er neue Informationen über den Terroranschlag veröffentlichen will. Mit dem Buch wolle er seine Unschuld beweisen, zitierte die britische Tageszeitung "The Times" am Montag den libyschen Gesandten für Schottland, Abdurrhman Swessi. In der Autobiografie wolle Megrahi über sein Leben hinter Gittern berichten und alles veröffentlichen, was er über den Flugzeug-Anschlag wisse. Das Buch habe Megrahi allerdings lange vor seiner vorzeitigen Freilassung geplant.

Die schottische Regierung hatte am Donnerstag entschieden, dem todkranken Megrahi aus humanitären Gründen Haftverschonung zu gewähren. Noch am selben Tag wurde der Lockerbie-Attentäter vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, acht Jahre nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft im Jahre 2001. Er hatte erst vergangenen Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit einen Teil der Angehörigen enttäuscht, die auf eine Neuauflage des Verfahrens und weitere Erkenntnisse gehofft hatten.

270 Menschen starben

Beim Anschlag auf ein PanAm-Flugzeug, das über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte, waren 1988 270 Menschen getötet worden, unter ihnen 189 Amerikaner. Megrahi war der Einzige, der für das Attentat verurteilt wurde, doch an seiner Schuld hatte es stets Zweifel gegeben. So tauchte etwa die Theorie auf, dass Lockerbie die Vergeltung des Irans für den Abschuss eines iranischen Flugzeugs mit 290 Menschen an Bord durch ein US-Kriegsschiff im Jahr 1988 war. Libyen hatte 2003 formell die Schuld für den Tod der 270 Menschen übernommen und Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zugestimmt. Später verlautete aus der libyschen Führung, man habe die Verantwortung nur übernommen, um ein Ende der UN-Sanktionen zu erreichen.

Seit Donnerstagabend ist der begnadigte Lockerbie-Attentäter wieder in Libyen. Bei seiner Ankunft auf einem Militärflughafen in Tripolis versammelten sich Tausende überwiegend junge Männer, um Megrahi enthusiastisch zu begrüßen. Dieser verließ das Flugzeug in Begleitung von Saif al Islam Gaddafi, dem Sohn des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi. Am Freitagabend empfing Machthaber Gaddafi persönlich den todkranken Megrahi.

US-Senatoren fordern Untersuchung

In den USA fordern unterdessen Senatoren eine unabhängige Untersuchung der Hintergründe der Freilassung. Äußerungen von Libyens Machthaber Muammar Gaddafi, seinem Sohn Saif und dem Leiter des britisch-libyschen Wirtschaftsrats, wonach die Freilassung Megrahis in Zusammenhang mit britischen Erdölinteressen in Libyen stünden, seien "schockierend", sagte US-Senator Joe Lieberman am Sonntag. "Wir müssen wissen, was es mit diesem Öl-Deal auf sich hat", sagte auch der demokratische Senator Ben Cardin. Bereits die Freilassung am Donnerstag hatte in Washington für Empörung gesorgt. US-Präsident Barack Obama kritisierte die Haftentlassung scharf. Megrahis begeisterter Empfang in Libyen löste in Großbritannien und den USA Bestürzung aus.

DPA/AP/AFP/Reuters / AP / DPA / Reuters