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Geschlechtsidentität: Transgender-Frau muss in den Männerknast, weil sie eine Affäre mit einer Insassin begann

Eine britische Transfrau hat ihre Haft im Männergefängnis verbracht und klagte dagegen – mit Erfolg. Sie wurde in ein Gefängnis für Frauen verschoben. Doch nun muss sie zurück in den Männerknast, weil sie eine Affäre mit einer Insassin begann. 

Frauenhände mit halb abgesplittertem Nagellack umklammern rote Gefängnisstäbe

Als Frau im Männergefängnis – für Transfrauen kann es zu gefährlichen Situationen kommen (Symbolbild)

Getty Images

Gefesselt, an den Handgelenken aufgehängt, erstochen, die Kehle aufgeschnitten und verblutet – so starb Bethany H. Die Mörderin, Kayleigh W., wurde zu einer Haftstrafe von 26 Jahren verurteilt. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Freund die Mitbewohnerin umgebracht und den Mord zuvor an einer Voodoo-Puppe geübt. Kurz nach ihrem Haftbeginn im Jahr 2017 beantragte sie eine Überweisung in ein Frauengefängnis. Denn: Kayleigh hieß einmal Kyle und wurde als Mann geboren. Als Transfrau identifiziert sie sich jedoch mit dem weiblichen Geschlecht und bestand auf ihr Recht, in einem Frauengefängnis untergebracht zu werden.

Doch ihre Geschlechtsänderung wurde offiziell nie anerkannt. Deshalb wird sie auf ihren Papieren weiterhin dem männlichen Geschlecht zugeordnet. Eine britische Transgender-Fallbehörde entschied zu ihren Gunsten. Die Frau stelle keine Gefahr für weibliche Insassinnen dar, weil sie nie eine Sexualstraftat begangen hatte. So wurde ihrem Antrag stattgegeben und man verlegte sie in ein Frauengefängnis. 

Einige Wochen später fiel erneut eine Entscheidung über den Ort ihrer Haft. Die Transfrau sollte zurück ins Männergefängnis. Der Grund: Es war eine Affäre mit einer Insassin bekannt geworden. Die Gefängniswärter erwischten die beiden auf einer Toilette. Die Transfrau wurde daraufhin zurück in das HMP Hewell Männergefängnis gebracht.

Der Geschlechtseintrag im Ausweis ist entscheidend

In Großbritannien wird immer wieder darüber diskutiert, in welchem Gefängnis Transmänner und -frauen untergebracht werden sollen. In den meisten Fällen gilt die Regel: Straftäter kommen in das Gefängnis, das ihrem rechtlich anerkannten Geschlecht entspricht. Dabei zählt das Geschlecht, das auf den Ausweisdokumenten angegeben ist. Gerichte entscheiden aber immer wieder individuell über Einzelfälle. Wie das britische Nachrichtenportal iNews im März berichtete, eröffnete ein Gefängnistrakt für Transfrauen in einem Gefängnis südlich von London. "Das umfassendere Management von Transgender-Straftätern ist ein hochsensibles Thema, das einzigartige und komplexe Herausforderungen mit sich bringt und wir sind entschlossen, es richtig zu machen", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. "Die Sicherheit der Gefangenen ist unser wichtigstes Anliegen. Bei allen Entscheidungen, die wir treffen, wird versucht, die Risiken, die von jedem Täter ausgehen, bestmöglich zu beherrschen."

In Deutschland ist die Gesetzeslage ähnlich

Auch in Deutschland wird ein Straftäter entsprechend des anerkannten Geschlechts einem Gefängnis zugewiesen. Doch auch hierzulande müssen immer wieder Einzelfallentscheidungen getroffen werden. 2016 berichtete die "Südwest Presse" von einer Transfrau, die in einem Männergefängnis saß, obwohl ihr Personenstand bereits geändert wurde. Das heißt, dass sie rechtlich anerkannt eine Frau ist. Eine Trans-Ratgeber-Gruppe veröffentlichte eine Broschüre mit Informationen für transsexuelle Häftlinge. Darin weisen sie auch darauf hin, dass Transmenschen oft zu ihrer eigenen Sicherheit von den anderen Häftlingen isoliert werden. Transmänner und -frauen, die im falschen Gefängnis untergebracht werden, können dies rechtlich anfechten. Dabei sollen sie sich auf das Trennungsgesetz beziehen.

In Deutschland wird durch dieses Gesetz geregelt, dass Männer und Frauen in den Gefängnissen getrennt werden. Erfolg können dabei nur Transmenschen haben, deren Geschlecht bereits umgetragen wurde. Fühlen sie sich dem anderen Geschlecht zwar zugehörig, aber wurde ihr Personenstand noch nicht geändert, haben sie nur eine sehr geringe Chance, das Gefängnis wechseln zu dürfen.

Quellen: "Daily Mail", "Südwest Presse"iNews, Informationen für trans*Menschen in Haft 

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fis