HOME

Türkei: Suche nach Überlebenden geht weiter

Unter den Trümmern eines völlig eingestürzten Schülerwohnheimes werden noch etwa 80 Kinder vermutet. 35 Schüler und ein Lehrer wurden bislang tot geborgen.

Mehr als 24 Stunden nach dem schweren Erdbeben in der Südosttürkei geht die Suche nach Überlebenden weiter. Unter den Trümmern eines völlig eingestürzten Schülerwohnheimes werden noch etwa 80 Kinder vermutet. Insgesamt 200 Kinder hatten in dem mehrstöckigen Gebäude übernachtet, das bei dem Beben der Stärke 6,4 auf der Richterskala am frühen Donnerstagmorgen komplett zerstört wurde. 35 Schüler und ein Lehrer wurden bislang tot geborgen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Insgesamt dürften bei dem Beben der Stärke 6,4 auf der Richterskala weit mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sein.

Viele öffentliche Gebäude zerstört

In der Stadt Bingöl, in der vor allem auch zahlreiche öffentliche Gebäude schwer beschädigt wurden, verbrachten die Menschen die Nacht im Freien: einige in selbst errichteten Zelten, andere auf Matratzen und mit Decken. Die städtische Bäckerei verteilte frisches Brot. Der Rote Halbmond begann mit dem Aufbau einer Zeltstadt.

Bislang 83 Tote

In der mit 250.000 Bewohnern relativ dünn besiedelten Provinz Bingöl wurden nach offiziellen Angaben bis Donnerstagabend insgesamt fast 100 Tote gezählt. Allein 50 Bewohner kamen in der Provinzhauptstadt zu Tode. Todesopfer wurden auch aus anderen Ortschaften der Provinz gemeldet. Der nach dem Beben eingerichtete Krisenstab korrigierte die Zahl der bislang registrierten Todesopfer auf 83. Zunächst waren von offizieller Seite fast 100 Tote genannt worden. Fast 500 Menschen wurden durch das Beben verletzt. Zuletzt war Bingöl vor 32 Jahren von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden, bei dem rund 900 Menschen ums Leben kamen. Die gesamte Türkei gilt als Erdbeben gefährdet. Bei zwei schweren Beben im August und November 1999 waren im Nordwesten des Landes östlich von Istanbul mindestens 18.000 Menschen ums Leben gekommen.

Hilfsaktionen liefen an

Der türkische Rote Halbmond schickte Berichten zufolge 13.000 Decken, rund 3.000 Zelte, Feldküchen und Generatoren. Auch ein Feldlazarett, das wegen des Krieges im Irak in der türkischen Grenzstadt Silopi errichtet worden war, wurde nach Bingöl verlegt. Rettungsmannschaften und Ärzte aus umliegenden Provinzen brachen in das Katastrophengebiet auf. Das staatliche Krankenhaus von Bingöl war völlig überfordert. Die Verletzten wurden aus Angst vor Nachbeben in Zelten und im Garten des Hospitals versorgt. Andere wurden in die Nachbarstädte Elazig, Mus und Diyarbakir gebracht. Dem Hauptbeben folgten bis zum Abend nach Angaben des Erdbebeninstituts in Istanbul mehr als 250 leichte Nachbeben, die allerdings nicht über eine Stärke von 4,5 hinausgingen.