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Umweltkatastrophe in deutschem Fluss: Das große Fischesterben in der Jagst

Verseuchtes Wasser macht einen Nebenfluss des Neckars zur Todesfalle für Tausende Fische. Naturschützer sprechen von der größten Flusswasservergiftung in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten. Auch der Neckar ist in Gefahr.

Die Anwohner sammeln die toten Fische in Eigeninitiative ein. Tonnen haben sie bereits aus dem Fluss geholt.

Die Anwohner sammeln die toten Fische in Eigeninitiative ein. Tonnen haben sie bereits aus dem Fluss geholt.

Löscharbeiten bei einem Mühlenbrand in Baden-Württemberg haben eine verheerende Umweltkatastrophe ausgelöst. In der Jagst, einem Nebenfluss des Neckars, sind bereits tonnenweise Fisch und andere Tiere verendet. Bei einem Großbrand in der Nacht zum Sonntag in Kirchberg an der Jagst war auch ein Gebäude betroffen, in dem größere Mengen Düngemittel lagerten. Darin ist Ammoniumnitrat enthalten. Trotz Vorsichtsmaßnahmen der Feuerwehr gelangte verunreinigtes Löschwasser und mit ihm giftiges Ammoniumnitrat in den Fluss. Das Wasser wird zu einer Todesfalle für Tausende Fische.

Das Gift könnte den Fluss nach Einschätzung eines Experten auf einer Strecke von 120 Kilometern belasten. "Es wird sicherlich Jahre dauern, bis der Ausgangszustand wieder erreicht ist", sagt der Referatsleiter Gewässerschutz bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Kurt Kreimes, in Karlsruhe. Das Ausmaß des Schadens sei noch nicht abzusehen. 

Tonnenweise tote Fische

Silvan Maeker sieht die Folgen des verseuchten Löschwassers vor seiner Tür. Sein Schwiegervater besitzt die Mosesmühle,  eine alte Wassermühle mit Wehr in Bächlingen, einer kleinen Ortschaft in Hohenlohe, die direkt an der Jagst liegt. Die Welle mit dem giftigen Wasser hat den Ort bereits am Dienstag passiert und Spuren hinterlassen: "Wenn man am Ufer der Jagst entlangläuft, sieht man, dass viele tote Fische am Grund liegen", sagt Maeker dem stern. Bis zwei Uhr nachts seien gestern Einsatzkräfte des THW und der Feuerwehr vor Ort gewesen, doch zuvor sei wenig passiert, kritisiert der 44-Jährige.

"Wir haben von den Behörden kaum Informationen bekommen", sagt er. Auf Anfrage, ob es sinnvoll sei, den Durchfluss am Wehr der Mühle zu stauen und damit zu stoppen, um die giftige Brühe vorerst zurückzuhalten und den Überfluss auf die Felder zu pumpen oder ob das dies der Natur mehr schade, bekam er keine Antwort. Unklar sei  bis jetzt auch, welche Gifte genau in dem Wasser enthalten waren.

Zwar betrifft Maeker die ökologische Katastrophe auch persönlich: Der Biergarten und das Lokal der Familie liegen direkt an dem Fluss, Besucher lockt die Idylle, doch die ist erst einmal zerstört. Auch die Angler, die normalerweise Tageskarten für den Fischfang dort erwerben können, werden wohl erst einmal ausbleiben. Doch der ökologische Aspekt bereitet Maeker mehr Sorgen. Normalerweise tummeln sich unter anderem Hechte, Karpfen, Aale und Zander in der Jagst. Nun sammeln sich die toten Fische am Flussbett. Ob und wie sich der Unfall auf die Nahrungskette - etwa auf die Vögel - auswirkt, ist bis jetzt kaum absehbar.

Das Wasser erreicht bald den Neckar

In etwa drei bis sieben Tagen werde das verunreinigte Löschwasser den Neckar erreichen, sagt Referatsleiter Kreimes. Das zuständige Landratsamt teilte mit, man sei dabei, die noch lebenden Fische und Muscheln zu bergen. Zudem solle der Jagst Sauerstoff zugeführt und Wasser in den Fluss abgelassen werden, um den Schadstoff zu verdünnen.  

Die Naturschutzreferentin beim BUND sagte dem SWR: "Es ist die größte Flusswasservergiftung in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten, wahrscheinlich seit dem Chemieunfall 1986 bei Sandoz bei Basel, als im Rhein auf 400 Kilometern der Aalbestand ausgelöscht wurde." 

"Das ist ein ökologisches Desaster", betont auch Achim Thoma vom Angelsportverein Jagst Langenburg. Zum einen seien in der Jagst geschützte Fischarten wie Mühlkoppe, Schneider und Nase beheimatet. Zum anderen seien von der Vergiftung auch andere Lebewesen betroffen wie etwa unmittelbar Bachflohkrebse oder infolge des Fischsterbens auch der Eisvogel. "Der frisst lebende Fische. Nun werden ganze Populationen abziehen", sagt Thoma. "Es werden viele Jahre nötig sein, um das Ökosystem wieder aufzubauen."

Das Landratsamt im benachbarten Heilbronn machte auf Gefahren auch für Menschen aufmerksam und riet dringend davon ab, in der Jagst zu baden, zu fischen, Wasser zu entnehmen oder Kanu zu fahren. Die Warnung gilt bis Montag.


In einer früheren Version des Artikels war von Ammonium die Rede. Tatsächlich ist in dem verunreinigten Wasser Ammoniumnitrat enthalten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

lea mit DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.