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Corona-Impfkampagne US-Gesundheitsdienstleister suspendieren Tausende Impfunwillige

Ein Mann hält in New York ein Schild mit der Aufschrift "Medizinische Freiheit ist ein Menschenrecht"
Im September kündigte Präsident Biden eine Impfpflicht für die große Mehrheit der Bundesbediensteten an – infolgedessen verloren tausende Impfgegner ihren Job im Gesundheitswesen (Symbolbild)
© Ron Adar / Picture Alliance
Im Rahmen der US-Impfkampagne sind alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen zur Corona-Impfung verpflichtet. Wer nicht spurt, ist seinen Job los. Genau so ist es bereits Tausenden Impfunwilligen ergangen.

Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Dieses Prinzip haben zahlreiche Gesundheitsdienstleister in den USA befolgt und Tausende impfunwillige Angestellte suspendiert oder entlassen. Zuletzt hatte Branchenriese Kaiser Permanente mehr als 2200 Mitarbeiter freigestellt, die sich trotz gesetzlicher Verpflichtung geweigert hatten, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Doch ist dies nur die jüngste Meldung in einer zunehmend eskalierenden Auseinandersetzung.

Wie US-Medien berichten, ist das harte Vorgehen das Resultat einer staatlichen Anweisung, wonach alle Mitarbeiter von Krankenhäusern, Dialysekliniken, Operationszentren und ähnlichen Einrichtungen zur Corona-Impfung verpflichtet sind.

Laut "ABC News" müssen zudem alle Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern ihre Beschäftigten zu wöchentlichen Tests oder Impfungen anhalten. Die strengen Vorschriften hätten sich als erfolgreich erwiesen: Schließlich sei die Impfquote in vielen Firmen stark angestiegen.

Tausende Suspendierungen im ganzen Land

Doch lassen sich offenbar nicht alle Mitarbeiter von der drohenden Arbeitslosigkeit beeindrucken. Der Zeitung "Mercury News" zufolge hat der in Oakland ansässige Gesundheitsriese Kaiser Permanente mehr als 2200 Angestellte unbezahlt freigestellt, die sich nicht impfen lassen wollten. Der Branchenriese habe seinen Mitarbeitern eine Frist zum 30. September gesetzt; nach Unternehmensangaben ist mehr als 92 Prozent der Belegschaft geimpft. Die nun suspendierten Angestellten hätten noch bis Anfang Dezember Zeit, es sich anders zu überlegen – ansonsten drohe die Kündigung. In Kalifornien können Menschen lediglich aus religiösen oder medizinischen Gründen den Impfstoff ablehnen.

Arzt soll Covid-Impfungen ohne Impfstoff gespritzt haben – Patienten sind fassungslos

Ganz ähnliche Szenen spielten sich der "New York Times" zufolge Anfang der Woche bei Northwell Health, dem größten Gesundheitsdienstleister im Bundesstaat New York, ab. 1400 ungeimpfte Mitarbeiter – circa zwei Prozent der Belegschaft – seien nach Hause geschickt worden. Sie könnten sich innerhalb eines Monats – sofern sie die Impfung nachgeholt hätten – um eine Wiedereinstellung bewerben. Anders als in Kalifornien, haben hier Arbeitnehmer nicht die Möglichkeit, auf einen wöchentlichen Test auszuweichen oder sich auf religiöse Gründe zu berufen.

Bereits im September hatten sich Berichte gehäuft, wonach immer wieder impfunwillige Mitarbeiter im Gesundheitswesen ihren Arbeitsplatz verloren oder selbst gekündigt hatten: so zum Beispiel 153 Angestellte in einem Krankenhaus in Houston und 175 bei Novant Health in North Carolina, wie der "Business Insider"berichtete.

Furcht vor Personalmangel

Schon vor den Massenentlassungen und -suspendierungen hatten US-Krankenhäuser mit einem coronabedingten Personalmangel zu kämpfen (der stern berichtete). Aus diesem Grund, so die "New York Times", hatte die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul vergangene Woche den Notstand ausgerufen.

Dies ermögliche ihr, Truppen der Nationalgarde zu entsenden, Visa für Arbeitskräfte aus dem Ausland zu beschleunigen und neu ausgebildete oder kürzlich pensionierte Fachkräfte im Gesundheitswesen einzustellen. Noch hätten die wegen mangelnder Impfbereitschaft freigestellten Arbeitskräfte allerdings nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems geführt.

Besonders hart träfe die Entlassungs- und Kündigungswelle in Hospitälern die ländlichen Gegenden im Bundesstaat Virginia, die ohnehin schon dünn besetzt seien, wie die "Washington Post" berichtete. Einige Einrichtungen hätten sich hier explizit gegen eine Impfvorschrift entschieden. "In einem ländlichen Krankenhaus braucht es nicht viele Leute, die weggehen, um einen ernsthaften Einfluss auf das Krankenhaus zu haben", sagte der CEO des Gesundheitsdienstleisters Ballad Health gegenüber der US-Zeitung. Aus diesem Grund erwögen viele Politiker statt einer Impfpflicht auf höhere Krankenversicherungsbeiträge für Ungeimpfte auszuweichen.

Quellen: "ABC News"; "Mercury News"; "New York Times"; "Washington Post"


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