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Utah Zoom-Hochzeiten helfen gleichgeschlechtlichen Paaren aus aller Welt

Illegale gleichgeschlechtliche Ehe in Peking, China.
In China und Hong Kong sind gleichgeschlechtliche Ehen verboten. Trotzdem schlossen bereits rund 200 Paare im Videocall die Ehe in den USA.
© Imago Images
Ausgerechnet in Utah, einem der konservativsten Staaten der USA,  finden derzeit viele Hochzeiten homosexueller und interreligiöser Paare aus China und Israel statt. Eine Sonderregelung erlaubt hier die Ehe-für-Alle über Zoom.

In ihrem Kampf für gleichgeschlechtliche Ehen haben Menschen aus aller Welt ein ungeahntes Paradies gefunden: den konservativen US-Bundesstaat Utah. Seit Anfang 2020 können Eheschließungen hier auch über Videokonferenzen abgehalten werden. Dabei ist es völlig egal, wo sich die potenziellen Ehepartner:innen auf dem Planeten befinden.  

Insbesondere in Staaten, in denen gleichgeschlechtliche und interreligiöse Ehen verboten sind, haben sich die "Utah-Hochzeiten" als eine Möglichkeit auf Freiheit herauskristallisiert. Zwei Länder, in denen die digitalen Hochzeiten besonderen Anklang finden sind China und Israel. 

Utah erlaubt Zoom-Hochzeiten seit 2020 

Die chinesische LGBTQ-Community leidet seit vielen Jahren unter Diskriminierung und Zensur. Im vergangenen Jahr löschte die Messenger-App "We Chat" mehrere LGBTQ-Accounts. Amerikanische Serien und Filme wie Friends oder Bohemian Rhapsody werden für den chinesischen Markt immer wieder beschnitten. Gleichgeschlechtliche Ehen sind gesetzlich verboten. Trotzdem haben sich in den letzten zwei Jahren bis zu 200 homosexuelle Paare aus China und Hong Kong vor der Webcam trauen lassen, meldet das Internetportal "Rest of World". Dies deckt sich mit Angaben der Behörden in Utah. 

Online-Eheschließungen wurden in Utah bereits kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zugelassen. Für grade einmal 100 US-Dollar ist es Menschen jeden Geschlechts und jeder Religion möglich zu heiraten, solange zumindest einer der involvierten Parteien, inklusive des Beamten, physisch in Utah anwesend ist. 

Dass gleichgeschlechtliche Ehen dort überhaupt legal sind, geht auf ein Urteil des amerikanischen Supreme Courts aus dem Jahr 2014 zurück. Lokale Gerichte und Regierungen hatten die Legalisierung zuvor stets abgelehnt. Utah gilt als äußerst konservativ. Seit 1968 hat eine große Mehrheit hier stets republikanisch gewählt. 72 Prozent der Bewohner sind Mormonen, gehören also der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. In der Kirche ist Homosexualität strengstens verboten. Trotzdem führen Beamte hier nun Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare aus der ganzen Welt durch. 

Israel: Interreligiöse Hochzeiten bald wohl legal 

Auch für viele Menschen aus Israel hat die Sonderregelung positive Auswirkungen. Das Gesetz vor Ort erlaubt lediglich die religiöse Eheschließung. Somit müssen Juden im Rabbinat, Christen durch die Kirche und Muslime vor dem Sharia-Gericht getraut werden. Diese Regelung ist seit vielen Jahren ein Problem für Menschen unterschiedlichen Glaubens. Die Zeremonien werden in der Regel außerhalb der Landesgrenzen durchgeführt. Eine digitale Hochzeit ist nicht nur weniger aufwendig, sondern auch deutlich günstiger. 

Viele israelische Paare nutzten daher die etwas unkonventionelle Utah-Option und geben sich in ihrem eigenen Wohnzimmer vor der Webcam das Ja-Wort. Bisher weigerte sich Innenminister Aryeh Deri, die Eheschließung aus dem weit entfernten Salt Lake City anzuerkennen. Ausweise und auch die offiziellen Personenangaben blieben daher größtenteils unverändert. Das Ministerium argumentierte vor Gericht, dass die Hochzeiten physisch in Israel stattgefunden hätten und somit nicht rechtskräftig wären.  

Am Donnerstag hat ein Gericht dieser Rechtsauslegung nun widersprochen, da alle rechtlich wichtigen Aspekte der Zeremonie, insbesondere Lizenzierung und Registrierung, im US-Bundesstaat durchgeführt werden. Bereits Anfang des Jahres hatte ein Gericht in einem Einzelfall eine ähnliche Entscheidung getroffen. Das Urteil vom Donnerstag könnte nun größere Auswirkungen haben. Schließlich forderte der Richter die Regierung darin auf, diese Form der Eheschließungen endlich anzuerkennen. Neben einem emotionalen Wert hat die Anerkennung der Ehe auch finanzielle und rechtliche Vorteile, beispielsweise in Sorgerechtsfragen von gemeinsamen Nachkommen. 

Auch LGBTQ-Community könnte profitieren 

Ob es wirklich so kommen wird, ist weiter fraglich. Noch kann das Büro des Generalstaatsanwalts die Entscheidung kippen. In diesem Fall würde der Prozess erneut vor dem Obersten Gerichtshof ausgerollt werden. Bisher ist nicht bekannt, ob die Regierung diesen Schritt gehen wird. Fest steht jedoch, dass sie dabei eine schwierige Ausgangssituation hätte. Schließlich haben bereits zwei Gerichte unabhängig voneinander für die Legalisierung der "Utah-Option" gestimmt. 

Auch Israels Finanzminister Avigdor Liberman sprach sich nach dem Urteil für eine Legalisierung aus. Seine Partei Yisrael Beytenu repräsentiert vor allem Israelis aus der früheren Sowjetunion. In dieser Bevölkerungsgruppe werden viele Menschen nach dem orthodoxen Recht nicht als jüdisch angesehen. Utah-Hochzeiten seien zwar ein unvollständiges Model, aber ein Schritt in Richtung eines liberalen Landes, so Liberman. Er forderte den Generalstaatsanwalt auf, das Urteil nicht anzufechten. Auch Stimmen aus der israelischen LGBTQ-Community begrüßten die Entscheidung im Interview mit der “Times of Israel”. Der Kampf für eine vollständige Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen geht aber weiter. Auch diese sind nämlich weiterhin nicht legal wenn sie auf israelischem Boden durchgeführt werden.

Quellen: The Times of Israel, New York Times, Rest of World, The Salt Lake Tribune 

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